Wie wird Gebärmutterhalskrebs behandelt?

Foto von Frau (PantherMedia / Paul Simcock) Gebärmutterhalskrebs kann mit einer Operation, Bestrahlung und Medikamenten behandelt werden. Welche Behandlungen infrage kommen, hängt unter anderem davon ab, wie weit der Tumor fortgeschritten ist und ob eine Frau noch Kinder bekommen möchte.

Wie Gebärmutterhalskrebs behandelt werden kann, hängt sehr vom Stadium der Erkrankung ab. Wird er früh erkannt und kann durch eine Operation vollständig entfernt werden, sind die Heilungschancen sehr gut. Wenn er bereits körperliche Beschwerden verursacht, ist er häufig schon fortgeschritten und schwieriger zu behandeln.

Es wird empfohlen, Gebärmutterhalskrebs in spezialisierten Zentren behandeln zu lassen, in denen Ärztinnen und Ärzte aus den Bereichen Gynäkologie, Onkologie, Anästhesie, Pathologie, Strahlentherapie, Radiologie und Psychoonkologie zusammenarbeiten.

Was spielt bei der Behandlungsentscheidung eine Rolle?

Welche Therapien infrage kommen, hängt vor allem von folgenden Fragen ab:

  • In welchem Stadium ist der Krebs?
  • Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand?
  • Wie ist die Lebenssituation?
  • Besteht ein Kinderwunsch?
  • Sind die Wechseljahre schon vorbei?
  • Wie wirksam sind die Behandlungen und welche Nebenwirkungen haben sie?

Bei einer kurativen Behandlung ist das Ziel der Therapie, den Krebs zu heilen. Ist der Krebs nicht mehr heilbar, kann die Therapie Beschwerden lindern und das Leben vielleicht etwas verlängern. Ziel ist es dann, die Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten. Dies wird palliative Behandlung genannt.

Welche Behandlungen gibt es?

Der Krebs kann durch eine Operation, eine Bestrahlung (Strahlen- oder Radiotherapie) oder mit Medikamenten (Chemotherapie) behandelt werden. Manchmal reicht eine dieser Behandlungen aus, in anderen Fällen wird eine Kombination aus zwei oder drei Therapien empfohlen.

Neben der Behandlung, die den Krebs bekämpfen soll, können begleitend Medikamente eingesetzt werden, um Beschwerden durch den Tumor und Nebenwirkungen der Behandlungen zu lindern. Wichtig sind zudem eine ausreichende psychologische Unterstützung, Hilfen im Alltag und die Rehabilitation nach der Krebsbehandlung.

Welche Bedeutung hat das Tumorstadium für die Behandlung?

Für die Behandlungsplanung müssen die Ärztinnen und Ärzte so genau wie möglich wissen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat und ob Lymphknoten, anderes Gewebe oder Organe befallen sind. Tumore werden in unterschiedliche Stadien eingeteilt. Dies wirkt sich auf die Behandlung aus:

  • Wenn der Tumor noch klein ist und noch keine Lymphknoten befallen sind: Meist reicht dann eine Operation aus. Besteht ein höheres Risiko, dass sich erneut ein Tumor bildet, wird meist eine Strahlentherapie mit oder ohne begleitende Chemotherapie empfohlen.
  • Wenn der Tumor fortgeschritten, eine Heilung aber noch möglich ist: Dann wird in der Regel nicht operiert, sondern mit einer Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie (Radiochemotherapie) behandelt.
  • Wenn eine Heilung unwahrscheinlich ist: Durch eine Operation, Chemo- oder Strahlentherapie kann versucht werden, das Wachstum des Tumors so lange wie möglich aufzuhalten, um Lebenszeit zu gewinnen und Beschwerden zu verringern. In dieser Situation entscheiden sich manche Menschen aber auch gegen eine Krebsbehandlung.

Ist ein Krebs nicht mehr heilbar, steht die palliative Versorgung im Vordergrund. Dazu gehört, Beschwerden wie Schmerzen möglichst gut zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Besonders wichtig sind dann auch praktische Hilfen im Alltag und eine gute psychologische Unterstützung.  

Operation

Die Operation steht meist an erster Stelle. Ziel ist es, den Krebs vollständig zu entfernen. Bei Vorstufen einer Krebserkrankung und sehr kleinen Tumoren kann eine Konisation ausreichen. Bei der Konisation wird mit dem Tumor ein etwa kirschgroßes, kegelförmiges Stück von Muttermund und Gebärmutterhals entfernt. Operiert wird über die Scheide, unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose.

Reicht eine Konisation nicht aus, wird ein größerer Teil des Gebärmutterhalses und / oder die gesamte Gebärmutter entfernt. Unter Umständen werden auch Teile angrenzender Organe oder Bindegewebe entfernt. Dazu wird in Vollnarkose über die Scheide, eine Bauchspiegelung oder einen Bauchschnitt operiert. Je nachdem, wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat, können weitere Operationen erforderlich sein.

Nach einer Konisation und einer Teilentfernung des Gebärmutterhalses kann eine Frau noch Kinder bekommen. Beide Eingriffe erhöhen jedoch das Risiko, dass es während einer Schwangerschaft zu einer Frühgeburt kommt. Die Entfernung der Gebärmutter ist oft körperlich wie psychisch belastend. Wenn bei jüngeren Frauen die Eierstöcke mit entfernt werden, können unter anderem Beschwerden wie in den Wechseljahren auftreten. Auch die Sexualität kann sich verändern, was manchmal zu Problemen in der Partnerschaft führt.

Strahlentherapie

Bei einer Strahlentherapie wird der Tumor mit Röntgenstrahlen behandelt, um die Krebszellen zu zerstören. Die Gebärmutter kann von außen über die Haut oder von innen über die Scheide bestrahlt werden. Letzteres wird Brachytherapie genannt. Bei der Behandlung wird darauf geachtet, umliegendes Gewebe so gut es geht zu schonen. Da es sich dennoch oft nicht vermeiden lässt, dass die Strahlen auch umliegendes Gewebe treffen, kann es zu Nebenwirkungen und Folgeschäden wie Blasenproblemen, trockener Scheide oder Schleimhautentzündungen kommen.

Zur Behandlung von Gebärmutterhalskrebs wird eine Strahlentherapie normalerweise mit einer Chemotherapie kombiniert (Radiochemotherapie).

Medikamentöse Therapie

Eine Chemotherapie soll die Krebszellen daran hindern, sich weiter unkontrolliert zu teilen. Die Medikamente (Zytostatika genannt) werden in der Regel über eine Infusion in die Vene verabreicht, manchmal aber auch als Tabletten. Eine Chemotherapie wird bei Gebärmutterhalskrebs in der Regel mit einer Strahlentherapie kombiniert. Eine alleinige Chemotherapie kommt bei einem Rückfall infrage oder wenn der Krebs in andere Körperbereiche gestreut hat (Fernmetastasen). Da eine Chemotherapie auch auf gesunde Zellen wirkt, kann sie belastende Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Entzündungen (zum Beispiel der Mundschleimhaut) haben. Die Medikamente können in der Arztpraxis oder in einer Klinik gegeben werden. Die Behandlung wird in regelmäßigen Abständen wiederholt.

Zusätzlich zur Chemotherapie kann mit der sogenannten Antikörpertherapie behandelt werden. Sie richtet sich gezielt gegen Krebszellen, indem sie zum Beispiel ihre Blutversorgung behindert und so das Tumorwachstum hemmt. Die Medikamente werden ebenfalls per Infusion verabreicht. Eine Antikörpertherapie kommt meist nur bei Metastasen oder einem Rückfall infrage.

Unterstützende Behandlung (Supportivtherapie)

Verschiedene Maßnahmen sollen helfen, die Nebenwirkungen der Krankheit und der Krebsbehandlung zu mildern. Neben- und Folgewirkungen einer Operation sowie der Strahlen- und Chemotherapie lassen sich oft wirksam behandeln – zum Beispiel mit Medikamenten gegen Schmerzen, Blutarmut, Übelkeit, Durchfall oder Infektionen.

Psychische Unterstützung und Hilfen im Alltag

Eine gute psychoonkologische Unterstützung ist bei Krebs ein wichtiger Teil der Behandlung. Speziell ausgebildete Fachkräfte der Psychoonkologie sollen helfen, die seelischen Belastungen der Krankheit und der Behandlung zu verarbeiten. Darüber hinaus gibt es Hilfen zur Unterstützung im Alltag und beim Wiedereinstieg in den Beruf. Zudem werden für Menschen mit Krebs spezielle Angebote zu Entspannung, Sport und Ernährung bereitgestellt. Viele finden auch Unterstützung bei Krebsberatungsstellen oder in Selbsthilfegruppen, andere nehmen eine Paar- und Sexualberatung in Anspruch.

Rehabilitation

Nach einer Krebsbehandlung besteht in der Regel ein Anspruch auf eine Rehabilitation (Anschlussheilbehandlung). Die Rehabilitation soll helfen, die Folgen der Krankheit und der Krebsbehandlung zu bewältigen und sich körperlich und seelisch zu erholen. Sie wird in speziellen Rehakliniken direkt im Anschluss an die Krebstherapie angeboten. Ein Reha-Programm beinhaltet beispielsweise Bewegungs- und Entspannungsübungen, Krafttraining, Ernährungs- und psychologische Beratung.

Nachsorge

Wenn die eigentliche Krebstherapie abgeschlossen ist, beginnt die Nachsorge. Dazu gehören regelmäßige Kontrolluntersuchungen in der Facharztpraxis, um zu prüfen, ob der Krebs wiederaufgetreten ist. Die Ärztin oder der Arzt führt dabei eine Tastuntersuchung der inneren Geschlechtsorgane durch und entnimmt einen Zellabstrich am Muttermund (Pap-Test) oder am Scheidenabschluss. Je nach Befund sind weitere Untersuchungen wie eine Lupenuntersuchung (Kolposkopie) oder ein Ultraschall sinnvoll.

Auch zur Nachbetreuung gehören Beratungsangebote und eine psychologische Unterstützung – zum Beispiel in Form von Gesprächen über die Lebenssituation, über mögliche Ängste oder Probleme in der Partnerschaft.

Behandlung und Kinderwunsch

Einige Frauen können auch nach einer Krebsbehandlung noch Kinder bekommen. Manchmal können die Behandlungen so angepasst werden, dass die Fruchtbarkeit erhalten werden kann. Dennoch kann es schwieriger sein, schwanger zu werden. Zudem können Operationen am Gebärmutterhals das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen.

Eine Schwangerschaft ist nicht mehr möglich, wenn die gesamte Gebärmutter entfernt wurde oder die Gebärmutter und die Eierstöcke bestrahlt wurden.

Besteht kein Kinderwunsch (mehr), empfehlen Ärztinnen und Ärzte oft eine Entfernung der Gebärmutter. Sie soll das Risiko für Rückfälle verringern. Wie jede Operation hat dieser Eingriff jedoch Risiken, zudem ist die Gebärmutter für viele Frauen ein wichtiger Teil ihrer Weiblichkeit. Es ist deshalb sinnvoll, sich vor einer Entscheidung gut über die Vor- und Nachteile dieser Operation zu informieren.

Wenn während der Schwangerschaft ein Tumor festgestellt wird, wird die Behandlung ebenfalls möglichst so angepasst, dass für das Ungeborene keine Gefahr besteht. Ob das Kind ausgetragen werden kann, hängt unter anderem von der Schwangerschaftswoche und davon ab, wie weit der Tumor fortgeschritten ist.  

Sich entscheiden

Nach der Diagnose Gebärmutterhalskrebs ist in der Regel genug Zeit, sich ausführlich über die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und dann zu wählen, welchen Weg man geht. Es besteht also kein Grund, sich übereilt für eine Behandlung zu entscheiden. Bei Zweifeln kann es hilfreich sein, sich eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Besonders wichtig ist eine ausführliche Aufklärung über die Heilungschancen, möglichen Nebenwirkungen und Folgen der verschiedenen Behandlungen – auch für den Alltag und die Lebensplanung. Unterstützung können neben dem Behandlungsteam auch Selbsthilfegruppen, oder Angebote wie der Krebsinformationsdienst bieten.

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