Wie wird eine akute Pankreatitis behandelt?

Foto von Frau am Tropf (Jupiterimages / Photos.com / Thinkstock) Eine akute Pankreatitis heilt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen aus. Um die Bauchspeicheldrüse zu entlasten, wird für kurze Zeit auf feste Nahrung verzichtet. Unterstützende Maßnahmen wie ein Tropf mit Flüssigkeit und Schmerzmittel helfen, Beschwerden zu lindern und Komplikationen vorzubeugen.

Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse macht sich durch plötzliche starke Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen bemerkbar. In der Regel wird sie durch Gallensteine verursacht, die den Ausgang der Bauchspeicheldrüse verstopfen, oder durch starken Alkoholkonsum.

Bei 80 % der Erkrankten ist die Entzündung nach ein bis zwei Wochen ausgeheilt oder hat sich deutlich gebessert. Manchmal führt sie jedoch zu ernsthaften Komplikationen. Daher wird eine akute Pankreatitis üblicherweise im Krankenhaus behandelt.

Was ist die wichtigste Sofortmaßnahme bei einer Pankreatitis?

Bei einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse verliert der Körper in kurzer Zeit viel Flüssigkeit und dadurch auch Mineralstoffe. Übelkeit und Erbrechen machen es zudem kaum möglich, noch ausreichend zu trinken. Der Flüssigkeitsverlust kann zu Komplikationen führen, wie zum Beispiel einem zu niedrigen Blutdruck oder sogar zu einem Schock. Um dies zu verhindern, wird über einen Tropf eine Flüssigkeitslösung mit Elektrolyten gegeben.

Wie lassen sich die Schmerzen lindern?

Eine akute Pankreatitis ist meist sehr schmerzhaft. Die Schmerzen lassen sich mit verschiedenen Medikamenten lindern. Oft sind starke Schmerzmittel (Opioide) nötig. Sie werden in der Regel ebenfalls über einen Tropf oder über einen Katheter (Periduralanästhesie) gegeben.

Manchmal ist es möglich, die Dosierung der Schmerzmittel je nach Bedarf selbst anzupassen. Dies wird „patientenkontrollierte Schmerzbehandlung“ genannt. Dazu verwendet man eine Pumpe, über die man sich die Medikamente selbst verabreichen kann. Eine Sicherung verhindert Überdosierungen.

Früher wurden Opioide wie Morphin nur zurückhaltend eingesetzt, weil man befürchtete, dass sie den Abfluss des Verdauungssafts aus der Bauchspeicheldrüse weiter erschweren. Es gibt aber keine Studien, die zeigen, dass die Mittel zu Problemen führen. Heute spricht daher nichts dagegen, die Schmerzen bei akuter Pankreatitis mit Opioiden zu behandeln.

Wenn die Schmerzen nachlassen, können schwächere Schmerzmittel wie Paracetamol oder ein NSAR wie Ibuprofen eingesetzt werden.

Wie lange dauert es, bis man wieder essen kann?

Strenges Fasten wird bei Pankreatitis nicht mehr empfohlen. Aus Studien ist bekannt, dass viele Erkrankte wieder etwas essen können, sobald die Beschwerden nachgelassen haben und sie Hunger bekommen. Dies gilt selbst für Menschen mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen.

Oft kann man bereits nach ein bis zwei Tagen wieder feste Nahrung zu sich nehmen. Es wird aber empfohlen, mit einer leicht verdaulichen und fettarmen Kost zu beginnen. Bei Übelkeit, Erbrechen oder Komplikationen wie einem Darmverschluss sollte aber auf feste Nahrung verzichtet werden.

Wann ist eine künstliche Ernährung nötig?

Wenn es nicht möglich ist, innerhalb einiger Tage wieder zu essen, kann der Körper über eine Magensonde mit wichtigen Nährstoffen wie Eiweiß, Kohlenhydraten, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden. Dazu wird flüssige Sondennahrung verwendet. Eine Magensonde ist ein dünner Schlauch, der über die Nase und durch die Speiseröhre bis in den Magen oder den Dünndarm geführt wird.

In Ausnahmefällen kann auch eine sogenannte parenterale Ernährung nötig werden. Dabei werden die Nährstoffe über einen Tropf direkt in die Blutbahn gegeben. Dies kann zum Beispiel nötig sein, wenn jemand gar keine Nahrung aufnehmen kann, weil das Verdauen sofort Schmerzen auslöst. Wenn möglich, wird eine Magensonde einer Ernährung per Tropf vorgezogen. Der Grund: Viele Studien zeigen, dass eine Ernährung per Tropf häufiger zu Infektionen und Komplikationen führt und sogar die Sterblichkeit erhöht.

Können Antibiotika oder andere Mittel Komplikationen vorbeugen?

Eine der möglichen Komplikationen einer akuten Pankreatitis sind Infektionen. Sie können sowohl die Bauchspeicheldrüse selbst als auch andere Organe wie die Lunge oder die Gallenwege betreffen. Solche Infektionen werden mit Antibiotika behandelt.

Besser wäre es, Infektionen von vornherein zu verhindern. Dazu hat man früher vor allem bei Menschen, bei denen ein Teil der Bauchspeicheldrüse abgestorben ist (nekrotisierende Pankreatitis), oft auch vorbeugend Antibiotika eingesetzt. Dies sollte verhindern, dass sich das abgestorbene Gewebe entzündet und eine sogenannte infizierte nekrotisierende Pankreatitis entsteht. Bisherige Studien zeigen aber nicht eindeutig, dass vorbeugend eingenommene Antibiotika vor Komplikationen schützen. Da Antibiotika zudem Nebenwirkungen haben und Resistenzen begünstigen können, raten Fachleute heute von einer routinemäßigen Vorbeugung mit Antibiotika ab.

Einige Studien haben untersucht, ob Prä- oder Probiotika vor Komplikationen schützen oder den Krankheitsverlauf beeinflussen. Diese Mittel sollen unter anderem das Wachstum von unschädlichen Milchsäurebakterien begünstigen und dadurch das Risiko von Infektionen senken. Bisherige Studien zeigen allerdings keinen Nutzen.

Wie werden Gallensteine behandelt?

Wenn eine akute Pankreatitis durch Gallensteine verursacht wurde, können die Steine im Rahmen einer endoskopisch-retrograden Cholangiografie (ERC) entfernt werden. Dabei wird ein dünnes Endoskop über die Speiseröhre, den Magen und den Anfang des Zwölffingerdarms bis zur Mündung des Gallengangs vorgeschoben. Dann wird ein Kontrastmittel in den Gallengang gespritzt, um die Gallensteine auf einem Röntgenbild sichtbar zu machen. Sie können dann mit einem kleinen Drahtkörbchen an der Spitze des Endoskops gegriffen und entfernt werden.

Waren Gallensteine die Auslöser der Pankreatitis, wird die Gallenblase später normalerweise entfernt. Dadurch sinkt das Risiko, dass sich erneut Gallensteine bilden und sich die Bauchspeicheldrüse wieder entzündet. Bei etwa 20 von 100 Menschen, denen die Gallenblase nicht entfernt wurde, kommt es innerhalb von einigen Monaten zu einer weiteren Entzündung. Wenn die akute Pankreatitis unkompliziert verläuft, kann die Gallenblase bereits in den ersten Tagen des Krankenhausaufenthalts entfernt werden. Eine frühe Operation hat den Vorteil, dass man das Krankenhaus eher verlassen kann. Nach bisherigen Forschungsergebnissen hat es bei einer unkomplizierten Pankreatitis keine Nachteile, wenn die Gallenblase früh entfernt wird. Bei einem schweren oder komplizierten Verlauf wartet man zunächst erst ab, bis sich der Körper erholt hat. Sonst wäre das Risiko für Komplikationen während der Operation zu hoch.

Womit ist bei einem schweren Verlauf zu rechnen?

Bei etwa 15 bis 20 von 100 Erkrankten führt die akute Pankreatitis zu Komplikationen an der Bauchspeicheldrüse oder anderen Organen. Eine häufige Folgeerscheinung sind Pseudozysten (mit Flüssigkeit gefüllte Blasen in der Bauchspeicheldrüse). Wenn sie klein bleiben und keine Beschwerden auslösen, müssen sie nicht behandelt werden. Größere Pseudozysten können jedoch reißen und bluten oder sich entzünden und dann einen Abszess bilden. Um dies zu verhindern, kann die Zyste zum Beispiel durch eine Nadel von außen abgesaugt wird. Manchmal ist auch eine Operation nötig.

Abgestorbenes Gewebe (Nekrose) muss nicht immer sofort behandelt werden, solange es sich nicht infiziert. Kommt es jedoch zu einer Infektion, sind Antibiotika erforderlich. Außerdem kann es notwendig werden, das abgestorbene Gewebe zu entfernen. Je nachdem, welcher Teil der Bauchspeicheldrüse betroffen ist, werden dazu unterschiedliche Verfahren eingesetzt. Wenn die Nekrose keine akuten Probleme verursacht, wartet man etwa vier Wochen bis zum Eingriff, damit sich der Körper von der akuten Erkrankung erholen kann. Außerdem verhärtet sich das abgestorbene Gewebe mit der Zeit – dann lässt es sich besser vom gesunden Gewebe abgrenzen und leichter entfernen.

Eine akute Pankreatitis kann bei einem sehr schweren Verlauf auch auf den ganzen Körper übergreifen. Dies wird als „systemisches inflammatorisches Response-Syndrom“ (SIRS) bezeichnet. Ein SIRS kann zum Versagen eines oder mehrerer Organe führen und erfordert eine Behandlung auf der Intensivstation. Dort wird versucht, die Organfunktionen aufrechtzuerhalten, bis sich der Körper erholt.

Was passiert, wenn die Erkrankung überstanden ist?

Wenn es einen bestimmten Auslöser für eine akute Pankreatitis gibt, wie zum Beispiel Gallensteine oder eine (seltene) Störung des Fettstoffwechsels, wird diese Ursache behandelt. Ansonsten sind nach einer unkomplizierten akuten Pankreatitis meist keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Bei Menschen mit alkoholbedingter Pankreatitis ist es sinnvoll, den Alkoholkonsum deutlich zu verringern. Manche Fachleute empfehlen, nach jeder Pankreatitis für 6 bis 12 Monate auf Alkohol zu verzichten. Ob Alkoholverzicht auch bei anderen Ursachen einem Rückfall vorbeugt, ist bislang aber nicht untersucht.

Wer eine akute schwere Pankreatitis mit Komplikationen überstanden hat, benötigt nach der Entlassung aus dem Krankenhaus möglicherweise weitere Behandlungen. Viele Menschen nehmen während der Erkrankung sehr stark ab. Es kann manchmal mehrere Wochen dauern, bis der Appetit zurückkommt und das ursprüngliche Körpergewicht wieder erreicht wird. In dieser Zeit kann eine Ernährungsberatung hilfreich sein. Bei manchen Menschen stellt die Bauchspeicheldrüse nach der Erkrankung (vorübergehend) nicht mehr genügend Verdauungssäfte her. Dann können künstliche Enzyme mit den Mahlzeiten eingenommen werden. Sie unterstützen die Aufnahme von Fett aus der Nahrung. Nach einer akuten Pankreatitis steigt außerdem das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln. Ein Diabetes kann weitere Behandlungen notwendig machen.

Schlagwörter: Bauchspeicheldrüsenentzündung, Drüsen und Hormone, K85, K86, Pankreatitis, R10, Verdauung und Stoffwechsel