Wie werden Lungenentzündungen unterschieden?

Foto vom Abhorchen der Lunge (PantherMedia / imagepointfr) Fachleute teilen Lungenentzündungen in unterschiedliche Gruppen ein. Das ermöglicht, die Erkrankung genauer zu beschreiben – und vor allem, die passende Behandlung zu beginnen.

Lungenentzündungen (Pneumonien) werden von Medizinerinnen und Medizinern nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt. Für ihre Behandlung ist vor allem wichtig, ob jemand zu Hause, im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung eine Lungenentzündung bekommt.

Ambulante oder nosokomiale Lungenentzündung

Bekommt man eine Lungenentzündung zu Hause, spricht man von einer ambulant erworbenen Lungenentzündung – auch dann, wenn man im Verlauf der Erkrankung ins Krankenhaus eingewiesen wird. Die ambulant erworbene Lungenentzündung wird auch als CAP (englisch: community-aquired pneumonia) abgekürzt.

Wenn man im Krankenhaus eine Lungenentzündung bekommt, spricht man von einer im Krankenhaus erworbenen oder nosokomialen Infektion. Sie wird auch als HAP (englisch: hospital-aquired pneumonia) bezeichnet. Als nosokomiale Infektion gilt eine Lungenentzündung, die sich erst zwei Tage nach der Aufnahme im Krankenhaus bemerkbar macht – oder innerhalb von drei Monaten nach einem Krankenhausaufenthalt.

Fachleute teilen die Erkrankung noch etwas feiner ein und berücksichtigen dabei, ob sich ein Mensch im Senioren- oder Pflegeheim, in einer medizinischen Einrichtung wie einem Dialyse-Zentrum oder während einer künstlichen Beatmung angesteckt hat.

Warum ist die Einteilung wichtig für die Behandlung?

Ambulant erworbene Lungenentzündungen werden meist durch Pneumokokken verursacht. Bei nosokomialen Lungenentzündungen kommen aber oft auch Staphylokokken, verschiedene Darmbakterien und spezielle Keime wie zum Beispiel Pseudomonas aeruginosa infrage. Einige dieser Erreger können multiresistent sein – also widerstandsfähig gegen mehrere Antibiotika. Deshalb sind dann meist andere Antibiotika nötig als bei der ambulant erworbenen Lungenentzündung.

Leichte, mittelschwere oder schwere Lungenentzündung

Um richtig behandeln zu können, teilen Ärztinnen und Ärzte ambulant erworbene Lungenentzündungen außerdem in leicht, mittelschwer und schwer ein. Dabei berücksichtigen sie auch das Risiko für Komplikationen.

Als leichte Lungenentzündung ohne erhöhtes Risiko gilt, wenn die oder der Erkrankte

  • jünger als 65 Jahre ist,
  • bei klarem Bewusstsein ist,
  • einen normalen Blutdruck und Puls hat,
  • nicht zu schnell atmet (weniger als 30 Atemzüge pro Minute),
  • genügend Sauerstoff im Blut hat,
  • in den vergangenen drei Monaten keine Antibiotika erhalten hat,
  • in den vergangenen drei Monaten nicht im Krankenhaus war und
  • keine schweren Begleiterkrankungen hat.

Leicht erkrankte Menschen können zu Hause behandelt werden und erhalten ein Antibiotikum in Tablettenform.

Merkmale einer mittelschweren Lungenentzündung sind unter anderem Bewusstseinsstörungen, niedriger Blutdruck, zunehmende Atemnot oder Risikofaktoren wie höheres Alter und Begleiterkrankungen. Betroffene werden dann im Krankenhaus behandelt. Manche erhalten – zumindest zu Beginn der Behandlung – eine Kombination aus zwei verschiedenen Antibiotika.

Von schwerer Lungenentzündung spricht man, wenn lebenswichtige Organe wie das Herz, die Nieren oder der Kreislauf zu versagen drohen oder wenn die Lungen nicht mehr genügend Sauerstoff aufnehmen können. Dann ist meist eine Infusionsbehandlung mit Antibiotika auf der Intensivstation nötig, manchmal auch zusätzliche Medikamente wie Kortison oder eine künstliche Beatmung.

Lungenentzündungen bei Kindern werden nur in „nicht schwer“ und „schwer“ eingeteilt.

Wie lässt sich die Lungenentzündung genauer beschreiben?

Außer nach dem Ort der Ansteckung und dem Schweregrad teilen Fachleute Lungenentzündungen noch nach anderen Gesichtspunkten ein. Meist hat das aber keine Konsequenzen für die Behandlung, sondern dient eher dazu, die Erkrankung genauer zu beschreiben.

Atypische Lungenentzündung

Eine typische Lungenentzündung beginnt meist mit plötzlich einsetzendem hohem Fieber und Schüttelfrost, später kommen Husten und Auswurf dazu.

Eine atypische Lungenentzündung wird von anderen, sogenannten atypischen Erregern verursacht. Vor allem ältere Menschen haben bei einer atypischen Lungenentzündung oft weniger oder etwas andere Symptome: Sie beginnt eher langsam mit leichtem Fieber und / oder Kopf- und Gliederschmerzen. Statt Husten mit Auswurf tritt eher ein trockener Reizhusten auf.

Atypische Symptome bedeuten allerdings nicht, dass die Lunge weniger stark entzündet ist oder die Erkrankung milder verläuft.

Oberlappen-, Mittellappen- oder Unterlappenpneumonie

Bei dieser Einteilung spielt das Röntgenbild eine wichtige Rolle: Ist zu erkennen, dass ein gesamter Lungenlappen (Lobus) entzündet ist, sprechen Fachleute von einer Lobärpneumonie. Je nachdem, welcher Lungenlappen betroffen ist, handelt es sich um eine Ober-, Mittel- oder Unterlappenpneumonie.

Sind in der Lunge mehrere lappenübergreifende Entzündungsherde zu erkennen, spricht man von einer Herdpneumonie. Wenn die Herde von entzündeten Atemwegen (Bronchien) ausgegangen sind, verwenden manche den Begriff Bronchopneumonie.

Manchmal sind eher die Lungenbläschen entzündet (alveoläre Pneumonie), manchmal eher das Gewebe zwischen den Bläschen (interstitielle Pneumonie).

Schlagwörter: Atemwege, Immunsystem und Infektionen, J18, Lungenentzündung, Multiresistente Bakterien, Nosokomiale Infektion, Pneumonie