Wie werden chronische Wunden behandelt?

Foto von Mann beim Spaziergang (PantherMedia / Christa Wiesner) Eine chronische Wunde wird zunächst regelmäßig gereinigt und mit Verbänden und Wundauflagen versorgt. Wenn sich die Wunde trotz Behandlung über längere Zeit nicht schließt, werden manchmal spezielle Verfahren wie eine Vakuumversiegelungstherapie oder eine Hauttransplantation angewendet.

Wenn eine Wunde mehr als acht Wochen ohne Anzeichen einer Heilung bleibt, bezeichnet man sie als „chronisch offen“. Meist entstehen diese Wunden als Folge von Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus oder einem geschwächten Immunsystem. Offene Wunden am Unterschenkel werden auch häufig „offenes Bein“ oder Ulcus cruris genannt.

Neben einer Therapie der Grunderkrankung und guter Versorgung der Wunde ist die Behandlung der Wundschmerzen wichtig. Bei manchen komplizierten, schlecht heilenden Wunden kann neben einer guten medizinischen und pflegerischen Betreuung auch psychologische Unterstützung hilfreich sein.

Wundreinigung

Häufig wird die Wunde gereinigt, wenn der Verband gewechselt wird. Bei der medizinischen Wundreinigung wird die Wunde mit einer Kochsalzlösung ausgespült. Insgesamt weiß man aber noch zu wenig über die Vor- und Nachteile von verschiedenen Reinigungslösungen – und darüber, wie sich die Reinigung auf die Wundheilung auswirkt. Ob bei einer medizinischen Wundreinigung auch Leitungswasser genutzt werden kann, ist ebenfalls nicht abschließend geklärt.

Wundtoilette (Débridement)

Bei chronischen Wunden nehmen Ärztinnen, Ärzte oder Pflegekräfte häufig eine sogenannte Wundtoilette vor. Dabei entfernen sie abgestorbenes oder entzündetes Gewebe mit einer Pinzette, einem scharfkantigen Löffel oder einem Skalpell. Manchmal wird auch ein Enzym-Gel verwendet, das die Wundreinigung unterstützen soll.

Die Wunde kann auch mit einem Wasserstrahl unter hohem Druck gesäubert werden. Bei einer anderen Form der Wundtoilette werden speziell für medizinische Anwendungen gezüchtete Maden (Fliegenlarven) frei oder in einem Beutel auf die Wunde gelegt. Die Maden beseitigen abgestorbenes Gewebe und Wundsekret.

Da eine Wundtoilette oft schmerzhaft ist, wird das Wundgebiet zuvor örtlich betäubt, beispielsweise mit einer Salbe. Werden stärkere Schmerzen befürchtet, kann vor der Behandlung auch ein Schmerzmittel eingenommen werden. Größere Wunden können auch unter Narkose gereinigt werden. Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Techniken zur Wundtoilette sind noch nicht gut genug erforscht, um sagen zu können, wie wirksam sie sind.

Wundauflagen

Nach der Reinigung wird die Wunde mit einem Verband bedeckt. Die meisten Wunden werden feucht gehalten. Neben feuchten Kompressen können dafür verschiedene Wundauflagen verwendet werden, zum Beispiel:

  • Folien
  • Gaze
  • Auflagen mit Hydrogel
  • Hydrokolloid-Verbände
  • silber- oder alginathaltige Wundauflagen
  • Schaumstoffverbände

Die Auflagen sollen überschüssige Flüssigkeit aus der Wunde aufnehmen und sie vor Infektionen schützen. In der Regel bleiben die Auflagen für einige Tage auf der Wunde. Sie sollten gewechselt werden, wenn sie sich erkennbar mit Wundsekret vollgesogen haben, verrutscht sind oder Flüssigkeit aus dem Verband austritt. Welche Wundauflage für welche Art von Wunde am besten geeignet ist, lässt sich bisher nicht sagen, da hierzu noch gute Studien fehlen.

Es gibt auch Wundauflagen, die sogenannte Wachstumsfaktoren enthalten. Diese hormonähnlichen Substanzen sollen die Heilung fördern, indem sie das Wachstum körpereigener Zellen anregen. Ob sie bei diabetischen Fußwunden und bei anderen chronischen Wunden wirksamer sind als die übliche Wundversorgung, ist aber noch nicht ausreichend untersucht.

Als traditionelles Mittel zur Wundbehandlung gilt Honig. Vor dem Anlegen eines Verbands speziell aufbereiteten Honig aufzutragen, hat aber wahrscheinlich keinen Vorteil. Honig wurde bisher allerdings nur bei Beinwunden infolge einer Venenschwäche geprüft.

Kompressionsstrümpfe und elastische Binden

Ist eine Durchblutungsschwäche die Ursache einer chronischen Wunde, können Kompressionsstrümpfe oder elastische Binden (Druckverbände) sie schneller heilen lassen. Der Druck, den die Strümpfe und Binden ausüben, entlastet die Venen und verbessert die Durchblutung.

Antibiotika

Wenn sich Bakterien in einer Wunde angesiedelt haben, erschwert dies die Heilung zusätzlich. Je nachdem wie stark die Entzündung ist, kann dann ein Antibiotikum infrage kommen. Es wird entweder als Salbe auf die Wunde aufgetragen oder als Kompresse auf die Wunde gelegt. Erste Studienergebnisse zeigen, dass sich die Wunde bei Menschen mit einem diabetischen Fuß dadurch schneller schließt. Ob dies auch für Wunden gilt, die andere Ursachen haben, ist bisher nicht geklärt.

Ob Antibiotika-Tabletten die Heilung beschleunigen können, ist ebenfalls unklar: In Studien zeigte sich im Vergleich zu anderen üblichen Behandlungen kein Vorteil für die Wundheilung.

Hyperbare Sauerstofftherapie

Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie sitzen die Patientinnen oder Patienten in einer speziellen Kammer und atmen dort unter erhöhtem Luftdruck Sauerstoff ein. Dies soll das Blut mit Sauerstoff anreichern und dafür sorgen, dass auch das Wundgebiet besser durchblutet wird.

Es gibt Hinweise, dass eine hyperbare Sauerstofftherapie die Wundheilung bei einem diabetischen Fuß verbessern kann.

Ultraschall- und Magnetfeldtherapie

Bei einer Ultraschalltherapie werden chronische Wunden mit Schallwellen bestrahlt. Sie erwärmen das bestrahlte Gewebe. Dass Ultraschall die Wunde schneller heilen lässt, ist aber bisher nicht belegt.

Gleiches gilt für die Magnetfeldtherapie, bei der über mit Magneten bestückte Kissen oder Matten schwache elektromagnetische Felder im Wundbereich erzeugt werden.

Vakuumversiegelungstherapie

Bei der Vakuumversiegelung wird die Wunde luftdicht mit einem Verband abgedeckt, an dem über einen dünnen Schlauch eine Pumpe angeschlossen ist.

Die Pumpe saugt ständig Wundflüssigkeit aus der Wunde ab, wodurch im Wundbereich ein Unterdruck entsteht. Er soll die Durchblutung der Wunde erhöhen. Zudem bleibt die Wunde feucht, was die Heilung ebenfalls fördern soll.

Die Vakuumversiegelung wird in einigen Krankenhäusern zur Behandlung chronischer oder großflächiger Wunden zum Beispiel nach Hauttransplantationen eingesetzt. Das System kann aber auch zu Hause angewendet werden. Die Wunde kann entweder rund um die Uhr oder in zeitlichen Abständen mit Unterdruck behandelt werden.

Die ständig angeschlossene Pumpe schränkt allerdings die Beweglichkeit ein und macht Geräusche. Manche Menschen empfinden die Behandlung daher als störend. Auch kann das Wechseln von Schwamm und Schlauch schmerzhaft sein und kleine Blutungen auslösen.

Ob die Vakuumversiegelungstherapie bei chronischen Wunden helfen kann, lässt sich bisher nicht sagen, da hierzu noch gute Studien fehlen. Auch fraglich ist bisher, ob Stoßwellen-, Ozon- oder Lichttherapien helfen können.

Hauttransplantate

Wenn eine Wunde so groß ist, dass sie sich nicht von selbst schließen kann, kommt ein Hauttransplantat infrage. Dabei wird eigene Haut von einer anderen Körperstelle, meistens dem Oberschenkel, auf die Wunde verpflanzt.

Es gibt auch Transplantate, die aus menschlichen Zellprodukten und künstlichen Materialien hergestellt sind. In Studien haben sie im Vergleich zu einer herkömmlichen Behandlung die Chancen erhöht, dass sich schlecht heilende venöse Wunden am Bein schneller schließen:

  • Bei herkömmlicher Behandlung mit Verbänden heilten die Wunden bei 40 von 100 Personen innerhalb von sechs Monaten komplett ab.
  • Mit Hauttransplantation war das dagegen bei 61 von 100 Personen der Fall.

Auch chronische Wunden am Fuß schlossen sich nach einer Hauttransplantation schneller als bei einer Standardbehandlung.

Was Studien sagen

Wie werden die Schmerzen behandelt?

Wenn chronische Wunden schmerzen, können sie das tägliche Leben erschweren und auch die Nachtruhe stören. Dauernde Schmerzen können zermürben, niedergeschlagen und mit der Zeit auch depressiv machen.

Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen können leichte bis mittelstarke Schmerzen lindern. Wenn die Wirkung nicht ausreicht, kann die Ärztin oder der Arzt ein stärkeres Schmerzmittel verschreiben.

Es gibt auch Wundauflagen, die Ibuprofen enthalten. Wie gut solche Auflagen bei Schmerzen durch chronische Wunden helfen, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Bei chronischen Schmerzen kann auch eine psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein. Ziel von psychologischen Verfahren zur Schmerzbewältigung ist es, im Alltag besser mit den Beschwerden zurechtzukommen.

Schlagwörter: Beingeschwür, Chronische Wunden, Haut und Haare, Immunsystem und Infektionen, L29, L97, L98, M70, Offenes Bein, Ulcus cruris, Venöses Beingeschwür, Wunden, chronische