Wie kann Rosazea behandelt werden?

Foto von Frau beim Auftragen von Gesichtscreme (PantherMedia / Andy Nowack) Eine Rosazea (auch Rosacea) lässt sich mit äußerlichen Mitteln oft gut behandeln. Wenn dies nicht reicht oder die Beschwerden stark sind, kommen auch Medikamente zum Einnehmen, Laser- und Lichttherapien und manchmal eine Operation infrage.

Rosazea ist eine häufige chronische Entzündung der Gesichtshaut. Sie kann zu ganz unterschiedlichen Beschwerden führen. Je nach Hauptsymptom unterscheidet man vier Typen:

  • gerötete Gesichtshaut und sichtbare Äderchen (Typ 1)
  • Knötchen (Papeln) und mit Eiter gefüllte Bläschen (Pusteln) (Typ 2)
  • Hautverdickungen und Knötchen, vor allem an der Nase (Typ 3)
  • entzündete Augen und Augenlider (Typ 4)

Viele Menschen haben Mischformen mit Symptomen verschiedener Typen. Zudem können die einzelnen Beschwerden unterschiedlich stark sein. Je nachdem, welche Symptome im Vordergrund stehen, kommen unterschiedliche Behandlungen infrage.

Was hilft gegen Rötungen und sichtbare Äderchen?

Eine leichte Rosazea (Typ 1) mit Gesichtsrötung und sichtbaren Äderchen kann mit Brimonidin (Handelsname Mirvaso) behandelt werden. Dieses Mittel wirkt gefäßverengend. Dadurch wird die Haut weniger stark durchblutet und die Rötung schwächt sich ab. Das Mittel hilft aber nicht bei anderen Rosazea-Typen (2 bis 4).

Brimonidin-Gel trägt man einmal am Tag (zum Beispiel morgens) auf die Gesichtshaut auf. Dabei werden die Augen, die Lippen, der Mund und die Nasenlöcher ausgespart. Für eine Anwendung ist bis zu 1 Gramm des Gels ausreichend. Dies entspricht etwa fünf erbsengroßen Mengen, die jeweils auf Stirn, Kinn, Nase und beide Wangen aufgetragen werden. In der ersten Woche wird empfohlen, die Behandlung mit einer geringeren Dosierung zu beginnen und dann langsam nach Bedarf zu erhöhen. Wenn das Mittel eingezogen und die Haut trocken ist, kann man danach auch andere Cremes und Kosmetika auftragen.

Studien zeigen, dass Brimonidin die Gesichtsrötung bei vielen Menschen etwas und bei einigen deutlich lindern kann. Die Wirkung setzt meist innerhalb einer Stunde ein und hält bis zu zwölf Stunden an.

Mögliche Nebenwirkungen sind Hautreizungen und allergische Hautreaktionen, die die Gesichtsrötung auch verstärken können. Das Mittel sollte nicht mit den Augen in Kontakt kommen, da es den Augeninnendruck vorübergehend leicht verringern kann.

Laser- und Lichttherapie

Insbesondere bei störenden roten Äderchen kommt eine Laser- oder Lichttherapie infrage. Dabei werden die kleinen Äderchen durch Hitze verödet. Es gibt jedoch kaum Studien zu diesen Behandlungsverfahren. Ihre Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

Eine mögliche Nebenwirkung sind oberflächliche Verbrennungen der Haut, erkennbar an Bläschen, Krusten und Schwellungen. Sie heilen aber normalerweise nach ein paar Tagen ab.

Was hilft bei Knötchen und Pusteln?

Zur Behandlung des Rosazea Typs 2 mit Knötchen (Papeln) und Pusteln kommen verschiedene Medikamente zur äußerlichen Anwendung infrage. Meist werden Cremes, Gels oder Lotionen mit den Wirkstoffen Azelainsäure, Ivermectin oder Metronidazol auf die Gesichtshaut aufgetragen.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass diese Medikamente die Hautveränderungen lindern oder vorübergehend ganz abklingen lassen können. Es dauert etwa drei bis vier Wochen, bis sich eine deutliche Besserung zeigt.

Die meisten Menschen vertragen die Mittel gut. Mögliche Nebenwirkungen sind leichte Hautreizungen, Hautjucken und trockene Haut.

Azelainsäure

Azelainsäure (Handelsname Skinoren) lindert Entzündungen und wirkt gegen eine Verhornung der Talgdrüsen. Das Mittel wird als Gel morgens und abends vorsichtig auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen und eingerieben. Pro Anwendung verwendet man ein halbes Gramm – das entspricht einem 2,5 cm langen Streifen aus der Tube oder ungefähr einer Fingerspitze (siehe Bild). 

Grafik: 1 Fingerspitzeneinheit (FTU) - wie im Text beschrieben1 Fingerspitzeneinheit (FTU)

Studien zeigen, dass Azelainsäure Rosazea-Beschwerden deutlich lindern kann:

  • Ohne Azelainsäure nahmen die Beschwerden bei 44 von 100 Personen ab oder verschwanden ganz.
  • Mit Azelainsäure nahmen die Beschwerden bei 64 von 100 Personen ab oder verschwanden ganz.

Azelainsäure konnte die Beschwerden also bei 20 von 100 Menschen lindern.

Ivermectin

Ivermectin (Handelsname Soolantra) wirkt entzündungshemmend und zugleich gegen bestimmte Haarmilben, die eine Rosazea begünstigen (Haarbalgmilben, auch Demodex genannt). Das Mittel wird einmal am Tag im Gesicht angewendet. Dazu wird jeweils eine erbsengroße Menge der Creme auf Stirn, Kinn, Nase und beide Wangen aufgetragen. Die Augen, Lippen und Schleimhäute sollten dabei ausgespart werden. Wenn das Mittel eingezogen ist, kann man auch andere Cremes und Kosmetika auftragen.

Ivermectin wird für einen Zeitraum von bis zu vier Monaten eingesetzt. Wenn es nötig ist, kann die Behandlung wiederholt werden.

Studien zeigen, dass Ivermectin Rosazea-Beschwerden deutlich lindern kann:

  • Ohne Ivermectin nahmen die Beschwerden bei 37 von 100 Personen ab.
  • Mit Ivermectin nahmen die Beschwerden bei 71 von 100 Personen ab.

Durch Ivermectin gingen die Hauterscheinungen also bei 34 von 100 Personen deutlich zurück.

In den Studien wurde allerdings nicht untersucht, ob die Teilnehmenden vor der Behandlung Haarmilben hatten oder nicht. Ob das Mittel bei Haarmilben besser wirkt, ist daher unklar.

Metronidazol

Metronidazol ist ein Antibiotikum mit entzündungshemmender Wirkung. Es wird sehr häufig bei Rosazea eingesetzt. Metronidazol-Präparate werden ein oder zweimal täglich als Creme, Lotion oder Gel dünn auf betroffenen Hautstellen aufgetragen. Auch bei diesen Mitteln sollte man darauf achten, dass es nicht mit den Augen oder Schleimhäuten in Kontakt kommt. Übermäßige UV-Strahlung durch Sonnenbäder oder zum Beispiel im Solarium sollte man ebenfalls vermeiden, wenn man Metronidazol anwendet.

Einzelne Studien haben Azelainsäure und Metronidazol miteinander verglichen, aber widersprüchliche Ergebnisse gefunden. Daher ist noch unklar, ob eins der Mittel besser hilft.

Doxycyclin

Wenn eine äußerliche Behandlung nicht ausreicht oder die Rosazea stark ausgeprägt ist, kommt eine Behandlung mit Mitteln zum Einnehmen infrage. Dann wird meist das Antibiotikum Doxycyclin eingesetzt.

Doxycyclin wirkt gegen Bakterien und hemmt auch die Entzündung. Bei Rosazea wird es oft in einer niedrigeren Dosierung eingesetzt als bei rein bakteriellen Infektionen.

Da Doxycyclin im ganzen Körper wirkt, treten häufiger Nebenwirkungen auf als bei einer äußerlichen Behandlung. Mögliche Nebenwirkungen sind Durchfall, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit.

Wie wird eine Knollennase (Rhinophym) behandelt?

Fast nur bei Männern führt eine Rosazea manchmal dazu, dass die Nasenhaut dicker wird (Typ 3) und sich eine Knollennase (Rhinophym) entwickelt. Auch andere Stellen der Gesichtshaut können betroffen sein. Wie man ein beginnendes Rhinophym am besten behandelt, wurde bisher nicht gut in Studien untersucht. Manchmal wird eine mehrmonatige Behandlung mit Isotretinoin-Kapseln ausprobiert. Es ist in Deutschland nur zur Behandlung schwerer Akneformen, aber nicht von Rosazea zugelassen und wird daher zurückhaltend verwendet.

Isotretinoin lässt die Talgdrüsen in der Haut schrumpfen, die bei einem Rhinophym häufig vergrößert sind. Wie wirksam das Mittel bei einem Rhinophym ist, wurde bislang aber nicht in Studien untersucht.

Isotretinoin kann die Haut- und Schleimhäute reizen, austrocknen und lichtempfindlich machen. Da zudem die Blutfett- und Leberwerte ansteigen können, werden sie während der Behandlung regelmäßig kontrolliert.

Ein ausgeprägtes Rhinophym mit stark ausgebildeten Knötchen und Schwellungen kann operativ oder mit bestimmten Laserverfahren behandelt werden. Dabei wird unter örtlicher Betäubung überschüssiges Gewebe entfernt und versucht, die ursprüngliche Form der Nase wiederherzustellen. Auch zu diesen Behandlungen gibt es bislang kaum gute Studien.

Was kann man tun, wenn die Augen betroffen sind?

Bei einer Rosazea der Augen (Typ 4) ist es sinnvoll, eine Augenärztin oder einen Augenarzt in die Behandlung einzubeziehen – denn selten können sich tiefere Schichten des Auges entzünden.

Verstopfte Talgdrüsen an den Augenlidern können mit warmen Kompressen und vorsichtigen Massagen des geschlossenen Augenlids gereinigt werden. Wie dies geht, lässt man sich am besten von einer Augenärztin oder einem Augenarzt zeigen.

Je nach Schweregrad der Rosazea können die Augen auch mit künstlichen Tränen und Augentropfen behandelt werden, die Antibiotika oder Ciclosporin enthalten. Ciclosporin hemmt Entzündungsreaktionen. Wenn diese Behandlung nicht ausreicht, kommt auch eine Behandlung mit Doxycyclin-Tabletten infrage.

Leider sind auch die Behandlungsmöglichkeiten von Rosazea mit Augenbeteiligung bislang nicht gut in Studien untersucht. Deshalb lässt sich nicht sagen, welche Behandlung am hilfreichsten ist.

Schlagwörter: Haut und Haare, Kupferrose, L71, Rosazea