Wie kann Genitalherpes behandelt werden?

Foto von Tabletten (PantherMedia / AndreyPopov) Wenn Genitalherpes zum ersten Mal auftritt, ist eine Behandlung mit virushemmenden Medikamenten sinnvoll. Weitere Ausbrüche verlaufen oft milder, dann sind Medikamente nicht immer nötig. Bei häufigem Genitalherpes kann auch eine vorbeugende Behandlung infrage kommen.

Genitalherpes kann zwar auch von selbst wieder abheilen. Wer zum ersten Mal an Genitalherpes erkrankt, kann aber besonders starke Beschwerden haben. Um sie zu lindern und Komplikationen vorzubeugen, nehmen die meisten Menschen dann virushemmende (antivirale) Medikamente ein. Dazu gehören Aciclovir, Famciclovir und Valaciclovir.

Wie wird ein Erstausbruch behandelt?

Virushemmende Mittel können die Beschwerden eindämmen und die Erkrankungsdauer um 2 bis 4 Tage verkürzen. Die Behandlung eines Erstausbruchs sollte in den ersten drei Tagen begonnen werden – je früher, desto besser.

Die Medikamente werden als Tabletten eingenommen. Ihre Anwendung unterscheidet sich je nach Wirkstoff und Dosierung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zur Behandlung eines erstmaligen Ausbruchs folgende Möglichkeiten:

  • Aciclovir: 200 mg fünfmal täglich oder 400 mg dreimal täglich,
  • Famciclovir: 250 mg dreimal täglich oder
  • Valaciclovir: 500 mg zweimal täglich.

Die WHO empfiehlt eine Behandlung über zehn Tage.

Die drei Medikamente sind ähnlich wirksam. Meist wird Aciclovir eingesetzt, weil es mit diesem Mittel die meisten Erfahrungen gibt.

Wann und wie werden weitere Ausbrüche behandelt?

Weitere Ausbrüche mit nur leichten Beschwerden müssen nicht unbedingt behandelt werden. Die Bläschen können dann einfach von selbst abheilen.

Virushemmende Medikamente können aber auch weitere Ausbrüche um durchschnittlich etwa zwei Tage verkürzen. Wenn man sich für eine Behandlung entscheidet, ist es wichtig, sie innerhalb der ersten 24 Stunden des Ausbruchs zu beginnen – am besten, sobald sich die ersten Symptome andeuten. Deshalb ist es gut, immer einige Tabletten zu Hause oder auf Reisen dabei zu haben, die man bei Bedarf einnehmen kann. Die Ärztin oder der Arzt kann ein Rezept ausstellen.

Bei späteren Ausbrüchen reicht eine kürzere Einnahmedauer. Die WHO empfiehlt:

  • Aciclovir: 400 mg dreimal täglich oder 800 mg zweimal täglich für fünf Tage, oder 800 mg dreimal täglich für zwei Tage,
  • Famciclovir: 250 mg zweimal täglich für fünf Tage oder
  • Valaciclovir: 500 mg zweimal täglich für drei Tage.

Für Menschen mit Erkrankungen des Immunsystems, wie zum Beispiel einer HIV-Infektion, kann eine etwas andere Dosierung und Behandlungsdauer sinnvoll sein.

Wann kommt eine vorbeugende Behandlung infrage?

Manche Menschen haben sehr häufig Genitalherpes oder besonders starke Beschwerden. Dann kann es sinnvoll sein, längerfristig virushemmende Mittel einzunehmen – also auch in beschwerdefreien Phasen. Ziel ist, weitere Ausbrüche zu verhindern und die Beschwerden nicht so stark werden zu lassen. Außerdem ist man durch die virushemmenden Medikamente weniger ansteckend. Zur vorbeugenden Behandlung empfiehlt die WHO:

  • Aciclovir: 400 mg zweimal täglich,
  • Famciclovir: 250 mg zweimal täglich oder
  • Valaciclovir: 500 mg einmal täglich.

Studien zeigen, dass eine vorbeugende Behandlung das Risiko für weitere Ausbrüche deutlich senken kann. Die teilnehmenden Personen hatten vor Studienbeginn vier oder mehr Ausbrüche im Jahr und nahmen dann bis zu einem Jahr virushemmende Medikamente oder ein Scheinmedikament (Placebo). Die zusammenfassende Auswertung der Studienergebnisse zeigt:

  • 96 von 100 Teilnehmenden, die ein Placebo bekamen, hatten mindestens einen weiteren Genitalherpes-Ausbruch.
  • 46 von 100 Personen, die virushemmende Medikamente bekamen, hatten mindestens einen weiteren Ausbruch.

Das heißt, die Mittel konnten innerhalb eines Jahres bei 50 von 100 Personen weitere Ausbrüche verhindern.

Auch Menschen mit sehr häufigen Ausbrüchen profitieren von einer vorbeugenden Behandlung: In einer Studie, an der Menschen mit sehr häufigen Ausbrüchen teilgenommen hatten, konnten die Medikamente die Zahl der Ausbrüche innerhalb von einem Jahr von 11 auf 2 senken.

Ob man sich für eine vorbeugende Behandlung entscheidet, hängt neben der Häufigkeit und Stärke der Beschwerden auch von den eigenen Bedürfnissen ab.

Manche Fachleute empfehlen, eine vorbeugende Behandlung einmal im Jahr zu unterbrechen, um zu prüfen, ob sie noch benötigt wird. Bei vielen Menschen nimmt die Häufigkeit und Schwere von Genitalherpes-Ausbrüchen mit der Zeit ab.

Sind virushemmende Medikamente sicher?

Virushemmende Medikamente gelten als sehr sicher. Fast alle Menschen vertragen sie gut, weil die Wirkstoffe nur in Zellen aktiv werden, die von Viren befallen sind.

Für Menschen mit einer Nierenschwäche kann es nötig sein, die Mittel niedriger zu dosieren, da sie über die Nieren ausgeschieden werden.

Was kann ich selbst tun, um Beschwerden zu lindern?

Bei manchen Frauen lösen Genitalherpes-Bläschen Schmerzen beim Wasserlassen aus. Viele empfinden es dann als lindernd, wenn sie in einem Sitzbad urinieren. Für Sitzbäder gibt es Toiletteneinsätze, die preiswert zum Beispiel in Apotheken oder im Versandhandel erhältlich sind. Auf Seifen und Badezusätze verzichtet man dabei besser, da sie die Haut zusätzlich reizen können. Um dies zu vermeiden, ist es außerdem sinnvoll, möglichst glatte Stoffe, locker sitzende Kleidung und Wäsche zu tragen.

Wenn die Bläschen stark schmerzen, sind auch Schmerzmittel wie Ibuprofen eine Möglichkeit.

Eine äußerliche Behandlung mit virushemmenden Cremes oder Salben bringt keine Linderung, kann aber die Bildung von Resistenzen begünstigen. Fachleute raten davon ab.

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