Welche Unterstützung ist unmittelbar nach einem Trauma sinnvoll?

Foto von Rettungssituation (PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Nach einem Trauma ist verlässliche emotionale und praktische Unterstützung wichtig. Welche Art der Hilfe am sinnvollsten ist, hängt von den Bedürfnissen der Betroffenen ab.

Eine traumatische Erfahrung kann zum Beispiel eine Vergewaltigung, eine Naturkatastrophe, ein schwerer Unfall oder eine akute lebensbedrohliche Erkrankung sein. Für betroffene Menschen – zu denen auch Angehörige und Augenzeugen gehören können – sind kurz nach dem Trauma vor allem folgende Hilfen wichtig:

  • Zuwendung und Anteilnahme
  • Informationen über das Geschehene und die Konsequenzen
  • Organisation praktischer Hilfen

Einige Menschen brauchen nach einem traumatischen Ereignis eine psychische Betreuung. Sie sollte jedoch niemandem aufgedrängt werden. Da Menschen mit belastenden Erlebnissen sehr verschieden umgehen, sollte sich die Unterstützung immer nach den persönlichen Bedürfnissen eines Betroffenen richten. Wichtig ist, ihm Zeit zu geben, mit dem Erlebten umzugehen und ihn nicht zu überfordern.

Psychische Erste Hilfe nach einem Trauma

Folgende Regeln werden empfohlen, um Menschen zu helfen, die gerade ein Trauma erlebt haben. Die Empfehlungen zur „psychischen Ersten Hilfe“ richten sich an professionelle Helfer, sind aber auch für andere Personen nützlich, die sich vor Ort befinden und helfen möchten. Je nach Situation ist es sinnvoll,

  • sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen,
  • Betroffenen aus der belastenden Situation herauszuhelfen (sie zum Beispiel vor Gefahr oder vor Schaulustigen zu schützen),
  • für eine sichere Umgebung zu sorgen,
  • zu prüfen, wer Hilfe benötigt,
  • Hilfe anzubieten, ohne sich aufzudrängen,
  • ruhig und geduldig zu bleiben,
  • in der Nähe zu bleiben und
  • jederzeit für die nächsten Stunden und Tage ansprechbar zu sein.

Im Kontakt mit den Betroffenen:

  • Mitgefühl zeigen, Trost spenden und beruhigen.
  • Berührungen und Umarmungen können wichtig sein – manchmal sind sie jedoch unangemessen. Wenn man sich nicht sicher ist: Berührungen lieber vermeiden oder fragen, ob sie erwünscht sind.
  • Einfach und klar sprechen – Informationen dosiert geben.
  • Sich zurücknehmen und in Gesprächen aktiv zuhören; Schweigen zulassen.
  • Die Gefühle und Wahrnehmungen der Betroffenen akzeptieren, auf entsprechende Signale achten; negative Gefühle aber nicht bestätigen.
  • Fragen, was benötigt wird.
  • Sie in Hilfsmaßnahmen für andere Betroffene oder die Organisation von Essen und Trinken einbinden, wenn angebracht – dies kann aktivieren und Kontrolle über die Situation geben.
  • Keine unrealistischen Versprechen und keine falschen Informationen geben.
  • Niemanden unter Druck setzen.

Praktische Hilfen und Informationen:

  • Medizinische Hilfen organisieren oder Erste Hilfe leisten.
  • Informationen über das Geschehene geben.
  • Für Essen, Getränke und nach Möglichkeit eine angenehme Umgebung sorgen.
  • Kontakt zu Familie und Freunden herstellen, vertraute Personen einbinden.
  • Bei Bedarf weitere Unterstützung organisieren (zum Beispiel eine Unterkunft besorgen).
  • Informationen über Anlaufstellen für weitere Hilfen geben (zum Beispiel Traumaambulanzen).

Was ist noch wichtig?

Eine traumatische Situation kann auch für Helferinnen und Helfer belastend sein. Folgendes ist ebenfalls wichtig:

  • Sich nicht durch starke Emotionen verunsichern lassen, beispielsweise durch Wutausbrüche.
  • Die eigenen Grenzen als Helferin oder Helfer erkennen und wenn nötig selbst Unterstützung suchen.
  • Kulturelle und soziale Besonderheiten beachten – diese können Einfluss auf den Umgang mit Belastungen haben.
  • Auf die eigene Wirkung achten: Welche Worte wähle ich? Wie ist meine Körpersprache? Wie ist mein Gesichtsausdruck? Wie nähere ich mich den Betroffenen?
  • Die Anweisungen von professionellen Helfern (zum Beispiel Polizei und Rettungskräften) beachten und sie nicht bei der Arbeit behindern.

Wie reagieren die Betroffenen?

Je nach Situation können Menschen sehr unterschiedlich auf schlimme Ereignisse reagieren:

  • Manche erstarren, sind still und fühlen sich wie taub.
  • Andere sind verwirrt und desorientiert.
  • Einige sind niedergeschlagen, traurig und weinen.
  • Manche sind kontrolliert und klar und zeigen kaum Stressreaktionen.
  • Wieder andere zeigen heftige emotionale Reaktionen, sind beispielsweise verzweifelt, wütend oder schreien.

Bestimmte Personen sind hilfebedürftiger als andere, beispielsweise Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, solche ohne Bezugspersonen oder die Schutz vor Missbrauch und Gewalt benötigen. Dann können besonders viel Unterstützung und spezielle Hilfen notwendig sein. 

Was psychische Erste Hilfe nicht ist

Wichtig: Die psychische Erste Hilfe umfasst keine psychotherapeutische Behandlung. Sie ist auch etwas anderes als das sogenannte Debriefing. Beim Debriefing setzen sich Betroffene oder Helferinnen und Helfer unter Anleitung schon sehr früh mit dem Erlebten auseinander. Dagegen zielt die psychische Erste Hilfe darauf ab, Betroffene unmittelbar nach einem schweren Ereignis aufzufangen und ihnen die Hilfe zu geben, die sie benötigen, um kurz- und langfristig mit dem Erlebten umzugehen. Das Debriefing wird von vielen Fachleuten mittlerweile abgelehnt, da es einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht vorbeugen kann.

Ob jemand eine psychotherapeutische Behandlung braucht, stellt sich meist erst nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten heraus. Erst dann zeigt sich, ob die Belastungsreaktion von allein wieder abklingt oder ob sich anhaltende Beschwerden entwickeln. Zudem kann es einige Zeit dauern, bis es überhaupt möglich ist, sich auf eine Traumatherapie einzulassen.

Bis dahin kann aber eine psychologische Begleitung sinnvoll sein, besonders für schwer traumatisierte Menschen. Eine Unterstützung durch andere sollte in jedem Fall gewährleistet sein; ebenso eine Umgebung, in der sie sich aufgehoben und sicher fühlen können und jederzeit die Möglichkeit haben, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Schlagwörter: Belastungsstörung, F43, Posttraumatische Belastungsstörung, Psyche und Gemüt, Trauma