Was hilft bei Schultersteife?

Foto von Patientin bei einer physiotherapeutischen Behandlung (PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Eine Schultersteife ist eine langwierige und sehr schmerzhafte Erkrankung, die den Alltag erheblich beeinträchtigen kann. Sie heilt zwar irgendwann von selbst aus – dies kann aber eine ganze Weile dauern. Durch Medikamente lassen sich die Schmerzen lindern. Mit Dehnübungen kann man versuchen, wieder beweglicher zu werden.

Bei einer Schultersteife fängt die Schulter über mehrere Wochen allmählich an zu schmerzen. Nach einigen Monaten lassen zwar die Schmerzen nach, die Schulter wird aber immer unbeweglicher. Sie kann so steif werden, dass sich der Arm nicht mehr heben lässt. Nach weiteren Monaten lockert sich die Versteifung dann allmählich wieder.

Bis eine Schultersteife ganz ausheilt, kann es länger dauern. Verschiedene Behandlungen können die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern.

Wann ist welche Behandlung sinnvoll?

Wie eine Schultersteife behandelt wird, hängt von den Beschwerden und der Krankheitsphase ab:

  1. In der ersten Krankheitsphase geht es darum, die Schmerzen zu lindern. Sie werden vor allem mit Kortisontabletten oder -spritzen behandelt. In dieser Zeit schont man die Schulter am besten – bewegt sie also nur so viel, dass es nicht zu sehr schmerzt.
  2. In der zweiten Krankheitsphase lassen die Schmerzen langsam nach und die Schulter wird steif. Man kann nun damit beginnen, den Arm leicht zu dehnen, um das Gelenk zu lockern. Dehn- und Beweglichkeitsübungen sollten jedoch nicht erzwungen werden und keine starken Schmerzen auslösen.
  3. In der dritten Krankheitsphase wird die Schulter langsam wieder beweglicher und schmerzt normalerweise kaum noch. Nun kann man die Übungen intensivieren, um die Heilung zu unterstützen.

Wie lange die Krankheitsphasen dauern, ist unterschiedlich. Außerdem kann die Schulter vor allem in der zweiten Krankheitsphase gleichzeitig schmerzen und steif sein. Wann der richtige Zeitpunkt ist, um mit Physiotherapie und Bewegungsübungen zu beginnen, lässt sich daher nicht pauschal sagen.

Was kann man selbst gegen Schmerzen tun?

Wer eine steife Schulter hat, kann den Arm grundsätzlich weiter benutzen und muss keine Angst haben, ihn dadurch zu schädigen. Um die Schmerzen nicht zu verstärken, ist es aber besser, behutsam zu sein und ruckartige Bewegungen möglichst zu vermeiden.

Wenn die Schulter schmerzt, suchen viele Menschen Linderung durch Wärme- oder Kältepackungen. Bei der Anwendung ist es wichtig, die Haut zum Beispiel mit einem Handtuch vor extremen Temperaturen zu schützen: Nicht nur Hitze, sondern auch Kälte kann die Haut schädigen.

Viele probieren auch rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel aus, vor allem sogenannte nicht steroidale Antirheumatika (NSAR). Zu dieser Medikamentengruppe gehören unter anderem Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. NSAR wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Sie können als Tabletten eingenommen oder als Gel oder Creme auf das Schultergelenk aufgetragen werden. Sie sind allerdings weniger wirksam als eine Behandlung mit Kortison.

Was bringt eine Behandlung mit Kortison?

Kortisontabletten können die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Schulter verbessern. In einer Studie, die die Wirkung einer dreiwöchigen Einnahme von Kortisontabletten untersuchte, zeigte sich:

  • Ohne Kortison besserten sich die Beschwerden bei 48 von 100 Personen.
  • Mit Kortison besserten sie sich bei 96 von 100 Personen.

Mit anderen Worten: Die Kortisontabletten konnten die Beschwerden bei 48 von 100 Personen lindern.

Kortisontabletten wirken allerdings nur, solange man sie nimmt. Als Langzeittherapie eignen sie sich aber eher nicht: Werden sie über längere Zeit eingenommen, können sie eine Gewichtszunahme und Infektionen begünstigen. Außerdem erhöhen sie das Risiko für verschiedene Erkrankungen wie etwa Diabetes und Osteoporose.

Auch Kortisonspritzen in das versteifte Gelenk können die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Ihre Wirkung hält länger an als die von Kortisontabletten.

Kurz nach einer Kortisonspritze können die Schmerzen aber vorübergehend zunehmen. Eine unangenehme Begleiterscheinung kann ein plötzliches Hitzegefühl mit Hautrötung (Flush-Sydrom) sein. Manche Frauen berichten auch über Menstruationsstörungen nach der Behandlung. Bei Spritzen besteht zudem das Risiko, dass es im Gelenk zu einer Infektion kommt. Eine Gelenkentzündung ist eine sehr seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung.

Ob Tabletten oder Spritzen die bessere Wahl sind, hängt unter anderem davon ab, welche Behandlung man selbst bevorzugt und ob man andere Erkrankungen hat. Zum Beispiel kommen Kortisontabetten für Menschen mit Diabetes möglicherweise nicht infrage.

Können Spritzen zur Aufdehnung oder Betäubung helfen?

Bei einer sogenannten Distensionsarthrografie wird unter örtlicher Betäubung eine Flüssigkeit ins Gelenk gespritzt, die üblicherweise aus Wasser, Kochsalz und Kortison besteht. Diese Lösung soll das Gelenk aufdehnen (Distension = Dehnung). Die Flüssigkeit in der Schulter kann später hörbar sein.

Eine Aufdehnung des Schultergelenks kann die Beschwerden einer Schultersteife lindern. Sie hilft aber nicht besser als Kortisonspritzen. Da diese Behandlung zunächst sehr schmerzhaft sein kann, wird heute eher von ihr abgeraten.

Eine andere Form der Spritzen-Behandlung ist die sogenannte Nervenblockade. Dabei wird ein Mittel zur örtlichen Betäubung an den Nerv gespritzt, der zum Schulterblatt führt. Dieses Verfahren ist zur Behandlung der Schultersteife kaum untersucht.

Wie lässt sich die Beweglichkeit verbessern?

In der ersten Erkrankungsphase, in der die Schmerzen im Vordergrund stehen, wird empfohlen, die Schulter zu schonen. Wer eine sanfte Bewegungsübung ausprobieren möchte, kann folgendes tun:

  • Nach vorne beugen und mit dem gesunden Arm an einem Stuhl oder Tisch festhalten.
  • Den schmerzenden Arm hängen lassen und ihn dann behutsam in eine kreisrunde Pendelbewegung bringen. Dies sollte jedoch nicht zu unangenehm sein.
  • Die Pendelbewegung lässt sich auch erzeugen, indem man den Oberkörper leicht bewegt, ohne die Muskulatur des Armes einzusetzen.

Eine intensivere physiotherapeutische Behandlung  wird erst empfohlen, wenn die Schmerzen nachlassen – also in der zweiten und dritten Erkrankungsphase. Um die Beweglichkeit zu verbessern, kommen dann verschiedene Übungen infrage, bei denen das Schultergelenk in unterschiedliche Richtungen gedehnt wird, zum Beispiel:

1. Dehnen in Heberichtung: Den Arm der steifen Schulter mit Unterstützung des gesunden Arms auf eine etwa brusthohe Ablage heben. In dieser Position langsam etwas in die Knie gehen, sodass sich die Achselhöhle öffnet, bis eine Dehnung spürbar ist. Anschließend die Knie wieder strecken.

Übung 1: Dehnen in HeberichtungÜbung 1: Dehnen in Heberichtung

2. Dehnen in die hintere Bewegungsrichtung: Sich vor einen Türrahmen stellen und den Ellbogen des betroffenen Arms seitlich etwa 90 Grad anwinkeln. Die Hand auf den Türrahmen legen, damit sich der Arm nicht bewegen kann. Nun den Oberkörper vom Arm wegdrehen, um in eine Dehnung zu kommen.

Übung 2: Dehnen nach hintenÜbung 2: Dehnen nach hinten

3. Dehnen in die vordere Bewegungsrichtung: Sich mit dem Rücken zum Türrahmen stellen. Den Handrücken des betroffenen Arms auf das Gesäß legen, sodass der Arm leicht angewinkelt ist. Nun die Rückseite des Ellbogens an den Türrahmen lehnen und den Oberkörper nach innen zum Arm hin drehen.

Übung 3: Dehnen nach vornÜbung 3: Dehnen nach vorn

 Die Übungen werden in der Regel ein- oder zweimal am Tag 10- bis 20-mal wiederholt. Wichtig ist, sich der Dehnung langsam anzunähern, bis man sie spürt – ohne dass es stark schmerzt.

Diese und andere Dehn- und Bewegungsübungen kann man sich auch in einer ärztlichen oder physiotherapeutischen Praxis zeigen lassen und dann regelmäßig zu Hause üben. In der letzten Erkrankungsphase sind auch intensivere Übungen möglich, zum Beispiel mit einem elastischen Gymnastikband.

Bisherige Studien zeigen, dass eine Kombinationsbehandlung aus Kortison und Physiotherapie am ehesten hilft, die Versteifung zu lösen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es außerdem?

Physiotherapeutinnen und -therapeuten behandeln eine steife Schulter manchmal mit Ultraschallwellen. Es ist aber nicht belegt, dass dies hilft. Manchmal werden auch Akupunktur, Lasertherapie, Magnetfeldtherapie oder Kurzwellen-Diathermie angeboten. Die Wirksamkeit dieser Behandlungen bei Schultersteife ist jedoch nicht gut untersucht.

Wichtig ist: Bei der Magnetfeldtherapie und der Kurzwellen-Diathermie entstehen magnetische Felder, die elektronische Implantate wie zum Beispiel Herzschrittmacher stören können. Für Menschen mit Implantaten kommen diese Behandlungen daher nicht infrage.

Schlagwörter: Adhäsive Kapsulitis, M75, Muskeln, Knochen und Gelenke, Periarthritis, Schultersteife