Was erwartet mich vor und nach der Hüft-Operation?

Foto von Patientin und Physiotherapeut (PantherMedia / photographee.eu) Nach dem Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks bleibt man etwa 5 bis 10 Tage im Krankenhaus. In der Regel schließt sich eine dreiwöchige Rehabilitation an. Ihr Ziel ist, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und den Umgang mit dem neuen Gelenk zu erlernen.

Ein künstliches Hüftgelenk kann Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern. Nach der Operation dauert es einige Wochen bis Monate, bis man sich von dem Eingriff erholt hat und das künstliche Gelenk für die meisten Aktivitäten beweglich und stabil genug ist. Bis dahin sind die Schwellungen und Schmerzen abgeklungen. Auch die beteiligte Muskulatur und die Bänder sind dann kräftig genug, um dem neuen Gelenk vollständigen Halt zu bieten.

Die Lebensdauer künstlicher Gelenke ist begrenzt. Man kann jedoch selbst viel für ihre Funktion und Haltbarkeit tun – zum Beispiel, indem man die Rehabilitation aktiv nutzt und auch danach in Bewegung bleibt, am besten mit einer gelenkschonenden Sportart.

Wie kann ich mich auf die Operation und die Zeit danach vorbereiten?

Bei der Suche nach einer geeigneten Klinik kann die Plattform www.endocert.de unterstützen. Dort sind zertifizierte Endoprothese-Zentren verzeichnet, die sich verpflichten, bestimmte Qualitätsvorgaben einzuhalten. Auch über die von der Bertelsmann Stiftung mit Unterstützung verschiedener Verbraucherorganisationen herausgegebene Weisse Liste kann man nach Krankenhäusern suchen.

Vor einer Operation muss die Einnahme bestimmter Medikamente vorübergehend unterbrochen werden. Für die Ärztinnen und Ärzte ist es hilfreich, zur Voruntersuchung eine vollständig ausgefüllte Medikamentenliste mitzunehmen. Wichtig ist auch, sie über bestehende Allergien zu informieren – etwa gegenüber Metallen oder Medikamenten wie Antibiotika. Metall-Allergien können sich durch Hautrötungen oder Juckreiz bemerkbar machen, zum Beispiel beim Tragen von Schmuck, Brillen mit Metallgestell oder durch Haut mit Metallknöpfen.

Sinnvoll ist zudem, sich rechtzeitig auf die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt vorzubereiten – vor allem, falls sich die Rehabilitation nicht direkt an die Krankenhausbehandlung anschließt und man zunächst ein paar Tage zu Hause verbringt. Wenn keine Unterstützung durch Angehörige oder Freunde möglich ist, kann bei der Krankenkasse eine Haushaltshilfe oder häusliche Krankenpflege beantragt werden. Dabei hilft der Sozialdienst des Krankenhauses.

Hilfreich ist auch, Stolperfallen in der Wohnung wie lose Kabel oder Teppiche zu beseitigen und für einen Lebensmittelvorrat zu sorgen. Eine rutschfeste Matte in der Dusche, eine Toilettensitz-Erhöhung, eine Strumpf-Anziehhilfe und eine Greifzange können den Alltag ebenfalls erleichtern. Manche Hilfsmittel können vom Arzt verordnet oder bei Sanitätshäusern geliehen werden.

Wer raucht und es schafft, einige Wochen vor der Operation damit aufzuhören, kann seine Genesung fördern. Wundheilungsstörungen sind nach einem Rauchstopp nachweislich seltener.

Im Krankenhaus sind unter anderem nützlich:

  • Ein Trainingsanzug mit einem weiten Hosenbein, in das man leicht reinkommt
  • Flache, gut sitzende und rutschfeste Schuhe ohne Schnürsenkel
  • Sportschuhe
  • Ein langer Schuhlöffel zum Anziehen
  • Ein Rucksack zum Transportieren von Dingen, wenn man an Krücken geht

Eine ausführliche Liste zum Kofferpacken für den Krankenhausaufenthalt bietet zum Beispiel die Weiße Liste.

Nicht zuletzt: Niemand lässt sich gerne operieren, und manche Menschen fürchten sich vor der Operation und vor Schmerzen danach. Verschiedene Strategien können aber im Umgang mit der Angst helfen. Zudem gibt es viele Möglichkeiten, Schmerzen nach einem Eingriff zu lindern. Hilfreich ist, im Vorgespräch mit der Ärztin oder dem Arzt alle Sorgen zu besprechen und noch offene Fragen zu klären. Unsere Frageliste für den Arztbesuch kann dabei helfen.

Was erwartet mich nach der Operation?

Studien zeigen, dass die Genesung durch einen frühen Beginn der Rehabilitation beschleunigt werden kann. Deshalb beginnt man bereits am Tag der Operation oder am Tag darauf mit ersten Übungen. In der Regel wird das Bein zunächst im Liegen durch einen Physiotherapeuten gebeugt und gestreckt. Später folgen aktive Übungen.

In den ersten Tagen nach der Operation lernt man, wie man sich am besten aus dem Liegen aufrichtet, aufsteht, an- und auszieht, sich sicher mit Gehhilfen bewegt und wie weit man das Gelenk belasten darf. Die Physiotherapie wird in der Woche nach der Operation mit verschiedenen Übungen fortgesetzt.

Vor allem in den ersten Wochen nach der Operation ist es möglich, dass das Gelenk bei ungünstigen Bewegungen auskugelt (Luxation). Dabei springt der Prothesenkopf aus der Pfanne, weil die Muskeln und Bänder, die das Gelenk stabilisieren, noch nicht vollständig verheilt und geschwächt sind. Bewegungen, die zu Problemen mit der Prothese führen können, sind zum Beispiel starkes Drehen des Oberkörpers und Beugen der Hüfte über 90 Grad. Zu einer Luxation kommt es aber nur selten – überängstlich muss man also nicht sein.

Wie lange dauert es, bis die Operationswunde abgeheilt ist?

Es dauert etwa zehn Tage, bis die Wunde vollständig verheilt ist. Die Operationsfäden oder -klammern werden nach 10 bis 15 Tagen entfernt. Wenn sich die Wunde innerhalb von zehn Tagen nicht richtig verschlossen hat oder länger als 2 bis 3 Tage nässt, ist es wichtig, die Ursache rasch abklären zu lassen. Solche Anzeichen und auch Rötungen, Fieber oder Schmerzen können auf eine Gelenkinfektion hinweisen. Diese seltene Komplikation muss schnell behandelt werden: Wenn die Infektion zu lange andauert, besteht das Risiko, dass die Prothese im Rahmen einer weiteren Operation ausgetauscht werden muss.

Was passiert bei der Rehabilitation?

Es dauert eine Zeit, bis man sich an das neue Hüftgelenk gewöhnt. Die Rehabilitation nach einem Gelenkersatz dient dazu, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit des Gelenks zu vergrößern und zu lernen, wie man sich mit dem neuen Gelenk bewegt. Eine schmerztherapeutische Begleitung unterstützt dabei die Genesung. In der Reha können außerdem Fragen zur Wiedereingliederung ins Berufsleben, zum Schwerbehindertenrecht sowie zu einer möglichen Berentung geklärt werden.

Die Rehabilitation findet stationär in einer Rehabilitationsklinik oder in einem ambulanten Rehabilitationszentrum statt – meist direkt im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt, spätestens aber zwei Wochen nach der Entlassung. Sie wird auch Anschlussheilbehandlung genannt und dauert in der Regel drei Wochen. Der Antrag hierfür wird meist während des Aufenthalts im Krankenhaus zusammen mit dem Sozialdienst gestellt.

Die Rehabilitation setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen wie Krankengymnastik, Lymphdrainage, einer Gang- und Gleichgewichtsschulung und verschiedenen Bewegungstherapien. Außerdem wird vermittelt, wie man die Prothese vor Überbelastung schützt.

Wie lange dauert die Genesung und was ist dabei zu beachten?

Wie gut die Genesung verläuft, hängt vom Alter, dem Zustand der Muskulatur und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. In der Regel erholen sich Muskulatur und Gelenkkapsel innerhalb von sechs Wochen soweit, dass sie dem Gelenk genügend Halt bieten und man ohne Gehhilfe zurechtkommt. Spaziergänge, Walking oder Radfahren sind nach ärztlicher Rücksprache oft schon nach 6 bis 8 Wochen möglich. Nach etwa 4 bis 6 Monaten können die meisten Menschen auch mit Sportarten wie Golf beginnen.

In den ersten drei Monaten nach der Operation heilt das Gewebe noch ab. Um zu vermeiden, dass das Gelenk in dieser Zeit auskugelt, wird häufig empfohlen,

  • die Beine nicht zu überkreuzen,
  • das betroffene Bein nicht stark nach innen zu drehen, abzuspreizen oder um mehr als 90 Grad anzuwinkeln,
  • schweres Heben und Tragen oder Schieben von schweren Gegenständen zu vermeiden.

Grundsätzlich sinnvoll ist es auch, Stürzen vorzubeugen – zum Beispiel, indem man Stolperfallen in der Wohnung beseitigt und auf gut sitzende, flache und rutschfeste Schuhe achtet. Viele Menschen haben aber nach dem Einsatz eines künstlichen Gelenks ein geringeres Sturzrisiko als vorher. Auch hier gilt deshalb: Es ist sinnvoll, unnötigen Risiken aus dem Weg zu gehen – es gibt aber keinen Grund, überängstlich zu werden.

Welche Sportarten eignen sich bei einem Gelenkersatz?

Bewegung ist auch mit einem Gelenkersatz wichtig – denn kräftige Muskeln, Sehnen und Bänder geben der Prothese Halt. Allerdings hängt die Lebensdauer einer Prothese auch davon ab, wie stark sie beansprucht wird. Daher gibt es Aktivitäten und Sportarten, die sich für Menschen mit einem künstlichen Gelenk besser eignen als andere. Empfohlen werden:

  • Spaziergänge, Walking und Wandern
  • Radfahren mit einem auf Körpergröße und Beinlänge eingestellten Tourenrad (ein Rad mit tiefem Einstieg kann das Auf- und Absteigen erleichtern)
  • Schwimmen, am besten mit einem Kraulbeinschlag
  • Tanzen
  • leichte Gymnastik

Zu den Aktivitäten und Sportarten, die das künstliche Gelenk stärker belasten und daher eher ungünstig sind, gehören:

  • Joggen
  • Sportarten wie Tennis, Squash oder Fußball, bei denen die Gelenke Stößen, Drehungen oder ruckartigen Bewegungen ausgesetzt sind
  • Sportarten mit Körper und entsprechender Sturzgefahr, zum Beispiel Kampfsport

Bei vielen Sportarten kommt es darauf an, wie gut sie vor dem Gelenkersatz beherrscht wurden – wie zum Beispiel Golf oder Skifahren. Wer mit einer neuen Sportart anfängt, hat noch keine Routine und deshalb ein erhöhtes Risiko für ungünstige Bewegungen und Unfälle. Am besten berät man sich mit der Ärztin oder dem Arzt, welche Aktivitäten infrage kommen.

Kann ich weiterhin arbeiten und ab wann?

Auch auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort, da sie vom ausgeübten Beruf und dem Verlauf der Genesung abhängt. Es kann bis zu drei Monate, manchmal auch länger dauern, bis man wieder arbeiten kann – es kann aber auch deutlich schneller gehen. Manchmal kommt eine stufenweise Wiedereingliederung infrage, bei der man mit wenigen Stunden pro Tag beginnt und den Umfang dann schrittweise erhöht (Hamburger Modell).

Berufe, in denen man viel in der Hocke arbeiten oder schwer heben muss, sind mit einem künstlichen Hüftgelenk nicht gut geeignet. Bei beruflichen Fragen können Ärztinnen und Ärzte sowie der Sozialdienst in der Rehabilitation beraten.

Autofahren ist möglich, sobald man problemlos ein- und aussteigen und die Pedale des Fahrzeugs sicher bedienen kann.

Schlagwörter: Coxarthrose, Hüftarthrose, M16, Muskeln, Knochen und Gelenke