Einleitung

Vandetanib (Handelsname Caprelsa) ist seit Februar 2012 zur Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem medullärem Schilddrüsenkrebs zugelassen. Seit Dezember 2016 kann es auch bei Kindern ab fünf Jahren eingesetzt werden. Der Wirkstoff kommt bei Schilddrüsenkrebs mit einem aggressiven und symptomatischen Krankheitsverlauf infrage.

Wenn ein bösartiger Tumor der Schilddrüse entdeckt wird, werden der Tumor oder die gesamte Schilddrüse operativ entfernt. Manchmal ist eine Operation jedoch nicht mehr möglich, wenn der Tumor schon zu groß ist oder sich bereits Absiedlungen in anderen Körperregionen gebildet haben. Dann spricht man von fortgeschrittenem Krebs.

Es gibt verschiedene Formen von Schilddrüsenkrebs. Die sogenannte medulläre Form ist vergleichsweise selten. Bei manchen Menschen mit fortgeschrittenem medullärem Schilddrüsenkrebs ist der Tumor aggressiver als bei anderen und führt zudem zu typischen Beschwerden wie Druckgefühl im Hals, Schmerzen, Durchfällen oder Hautrötung. Der Wirkstoff Vandetanib hemmt bestimmte Eiweißstoffe (Enzyme) und soll so das Tumorwachstum hemmen.

Anwendung

Vandetanib ist als Tablette in einer Dosierung von 100 und 300 mg verfügbar. Erwachsene nehmen einmal täglich 300 mg zur gleichen Tageszeit unabhängig von den Mahlzeiten ein. Bei Kindern richtet sich die Dosis nach der Körperoberfläche.

Je nach Krankheitsstadium und Nebenwirkungen kann die Dosierung angepasst werden. Die Behandlung wird beendet, wenn der Krebs weiter fortschreitet oder zu starke Nebenwirkungen auftreten.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten mit aggressivem und symptomatischem, bereits fortgeschrittenem medullärem Schilddrüsenkrebs kommt eine bestmögliche unterstützende Behandlung („Best Supportive Care“ oder BSC) infrage. Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2013 für Erwachsene und 2017 für Kinder ab 5 Jahren und Jugendliche bewertet, ob Vandetanib bei fortgeschrittenem medullärem Schilddrüsenkrebs Vor- und Nachteile im Vergleich zu einer unterstützenden Behandlung hat.

Für Kinder ab 5 Jahren und Jugendliche, die für eine Behandlung mit Vandetanib infrage kommen, legte der Hersteller keine geeigneten Daten vor. Zu den Vor- oder Nachteilen von Vandetanib im Vergleich zu der unterstützenden Behandlung konnte für Kinder daher keine Aussage abgeleitet werden.

Für Erwachsene, die für eine Behandlung mit Vandetanib infrage kommen, legte der Hersteller eine Studie vor. Alle Teilnehmenden bekamen eine unterstützende Therapie, zwei Drittel zusätzlich Vandetanib.

Welche Vorteile hat Vandetanib für Erwachsene?

  • Schmerzen: Die Ergebnisse der Studie geben einen schwachen Hinweis, dass eine zusätzliche Behandlung mit Vandetanib das Auftreten von Schmerzen oder die Verschlimmerung von Schmerzen im Mittel um fast acht Monate herauszögern kann. Das gilt aber nur für Personen unter 65 Jahren, bei älteren gab es keinen Unterschied.

Welche Nachteile hat Vandetanib für Erwachsene?

  • Schwere Nebenwirkungen: Die Ergebnisse der Studie geben einen schwachen Hinweis, dass eine zusätzliche Behandlung mit Vandetanib häufiger schwere Nebenwirkungen auslöst. Die Häufigkeit lässt sich aber nicht abschätzen.
  • Hautausschlag: Die Studienergebnisse geben einen schwachen Hinweis, dass eine zusätzliche Behandlung mit Vandetanib häufiger zu Hautausschlägen führt.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Die Studie lieferte keinen Hinweis, dass mit Vandetanib behandelte erwachsene Patientinnen und Patienten länger lebten.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Lebensqualität: Die Daten der Studie reichen nicht aus, um beurteilen zu können, wie sich eine Behandlung mit Vandetanib auf die Lebensqualität auswirkt.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .