Einleitung

Die Fixkombination Trifluridin / Tipiracil (Handelsname Lonsurf) ist seit April 2016 zur Behandlung von metastasiertem Darmkrebs zugelassen. Die Wirkstoffe sind für erwachsene Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Krebs des Dick- oder Enddarms geeignet, bei denen die Erkrankung trotz Behandlung fortschreitet oder die für andere bestimmte Therapien nicht infrage kommen.

Darmkrebs entsteht fast immer aus bestimmten Darmpolypen (Adenomen). Das sind gutartige Wucherungen, die in der Darmschleimhaut wachsen. Die meisten Adenome bleiben klein und harmlos. Nur wenige verändern sich und können bösartig werden. Obwohl der Dünndarm wesentlich länger ist als der Dickdarm, entsteht Darmkrebs fast immer im Dickdarm (Kolon) oder im Mastdarm (Rektum, auch Enddarm genannt). Bei diesen Krebsarten spricht man auch vom „kolorektalen Karzinom“.

Darmkrebs verursacht anfangs oft keine Beschwerden und kann deshalb zunächst unbemerkt bleiben. Bei fortgeschrittenem metastasiertem Darmkrebs haben sich bereits Absiedlungen gebildet, sodass eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich ist.

Die neue Wirkstoffkombination Trifluridin / Tipiracil soll die Zellteilung und -vermehrung verhindern und so das Wachstum des Tumors hemmen und ein Voranschreiten der Erkrankung verhindern.

Anwendung

Der Wirkstoff ist als Tablette in zwei Dosierungen erhältlich: 15 mg Trifluridin / 6 mg Tipiracil und 20 mg Trifluridin / 8 mg Tipiracil. Die Dosis wird von der Ärztin oder dem Arzt bestimmt und richtet sich nach der Körperoberfläche. Üblich ist eine Dosis von 35 mg Trifluridin pro m² Körperoberfläche.

Das Mittel wird in Behandlungszyklen von jeweils 28 Tagen Dauer eingesetzt: In den ersten fünf Tagen wird Trifluridin / Tipiracil zweimal täglich eingenommen. Danach folgt eine zweitägige Einnahmepause, nach der die Wirkstoffe wieder fünf Tage zweimal täglich eingenommen werden. Nach insgesamt 28 Tagen wird dann ein neuer Behandlungszyklus begonnen.

Die Therapie wird beendet, wenn der Krebs trotz Therapie weiter voranschreitet oder zu starke Nebenwirkungen auftreten.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Darmkrebs, bei denen vorherige Chemotherapien mit den Wirkstoffen Fluoropyrimidin, Oxaliplatin und Irinotecan, sowie gegen VEGF- oder EGFR gerichtete Therapien nicht wirksam waren oder nicht geeignet sind, kommt als Standardtherapie eine bestmögliche unterstützende Behandlung („Best Supportive Care“ oder BSC) infrage. Die unterstützende Behandlung soll sich individuell an den Bedürfnissen eines Patienten orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2017 geprüft, welche Vor- und Nachteile Trifluridin / Tipiracil für Personen mit metastasiertem Darmkrebs im Vergleich zu der bisherigen Standardtherapie BSC hat.

Der Hersteller legte eine Studie vor, in der insgesamt 800 Personen untersucht wurden. Alle Teilnehmenden hatten bereits mindestens zwei vorherige Therapien erhalten: 534 Patientinnen und Patienten wurden mit der neuen Wirkstoffkombination Trifluridin / Tipiracil und der BSC-Therapie behandelt, die anderen 266 Personen mit der BSC-Therapie und einem Placebo. Es wurden nur Patientinnen und Patienten in der Studie untersucht, die aufgrund der Erkrankung noch keine oder nur leichte Einschränkungen bei körperlicher Anstrengung hatten. Für Personen, die aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr arbeitsfähig oder schon pflegebedürftig sind, legte der Hersteller keine Studie vor.

Welche Vorteile hat Trifluridin / Tipiracil?

  • Lebenserwartung: Die Studie gibt einen schwachen Hinweis, dass die Fixkombination Trifluridin / Tipiracil einen Vorteil für die Personen hat, die mit mindestens drei Therapien vorbehandelt worden waren. Die Hälfte der Patientinnen und Patienten, die die Fixkombination erhielten, waren nach etwa 7 bis 8 Monaten verstorben. Von den Personen, die eine bestmögliche unterstützende Behandlung (BSC) erhielten, war die Hälfte bereits nach etwa fünf bis fünfeinhalb Monaten verstorben. Für Personen, die zwei vorherige Therapien erhalten hatten, zeigte sich kein Unterschied.

Welche Nachteile hat Trifluridin / Tipiracil?

  • Schwere Nebenwirkungen: Die Studie gab einen schwachen Hinweis auf einen Nachteil der zusätzlichen Trifluridin/Tipiracil-Therapie: Bei der Hälfte der Personen traten in dieser Gruppe innerhalb der ersten knapp 2 Monate schwere Nebenwirkungen wie Blutarmut oder ein Mangel an Granulozyten begleitet von Fieber auf. Bei den Personen mit unterstützender Therapie dauerte es knapp 3 Monate, bis die Hälfte der Personen schwere Nebenwirkungen hatte.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Die Studie zeigte keinen Unterschied zwischen der Therapie mit der Fixkombination und der unterstützenden Behandlung.

Welche Fragen sind noch offen?

Der Hersteller legte keine verwertbaren Daten vor zu:

  • Krankheitsbeschwerden
  • Gesundheitsbezogener Lebensqualität

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse einiger Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .