Einleitung

Ticagrelor (Handelsname Brilique) ist seit Februar 2016 für Erwachsene zugelassen, die vor mindestens einem Jahr einen Herzinfarkt hatten und bei denen ein hohes Risiko für einen erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall besteht. Das Medikament wird zusammen mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) eingenommen.

Wenn sich in den Arterien Blutgerinnsel bilden, wird die Durchblutung der Gewebe und Organe verringert oder sogar unterbrochen. Verschließt das Gerinnsel ein Herzkranzgefäß, kann es zu einem Herzinfarkt kommen. Bildet sich ein Blutgerinnsel in einem arteriellen Hirngefäß, kann es einen Schlaganfall auslösen.

Ein hohes Risiko für ein Blutgerinnsel kann bestehen bei

  • einem Alter ab 65 Jahren,
  • einem Diabetes mellitus, der mit Medikamenten behandelt wird,
  • einer koronaren Herzerkrankung, bei der mehr als ein Gefäß betroffen ist,
  • einer chronischen Nierenschwäche oder
  • wenn bereits mehrere Herzinfarkte aufgetreten sind.

Ticagrelor ist ein sogenannter Gerinnungshemmer, der die Verklumpung von Blutplättchen (Thrombozyten) hemmen und dadurch Blutgerinnsel verhindern soll.

Anwendung

Ticagrelor ist als Tablette in zwei Dosierungen (60 und 90 mg) verfügbar. Die empfohlene Dosis für die beschriebene Personengruppe beträgt zweimal täglich 60 mg. Der Wirkstoff wird zusammen mit täglich 75 bis 150 mg Acetylsalicylsäure (ASS) angewendet.

Andere Behandlungen

Als Standardtherapie kommt der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) in niedriger Dosierung (Tagesdosis von 75 bis 175 mg) infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, ob Ticagrelor in Kombination mit ASS für die oben beschriebene Personengruppe im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien Vor- und Nachteile hat.

Zu dieser Frage legte der Hersteller eine geeignete Studie vor. Es wurden die Daten von 10.779 Patientinnen und Patienten ausgewertet. Ungefähr die Hälfte von ihnen erhielt die Kombination Ticagrelor / ASS, die andere Hälfte die Standardtherapie mit ASS allein.

Welche Vorteile hat Ticagrelor?

  • Lebenserwartung: Es gibt Hinweise, dass Ticagrelor in Kombination mit ASS im Vergleich zur Therapie mit ASS allein das Leben verlängern kann. Während einer durchschnittlichen Beobachtungsdauer von circa zweieinhalb Jahren starben etwa 4 von 100 Personen, die Ticagrelor / ASS erhielten – im Vergleich zu ungefähr 5 von 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die nur mit ASS behandelt wurden.
  • Tödlicher und nicht tödlicher Herzinfarkt: Die Studie deutete auf einen Vorteil der Kombination Ticagrelor / ASS hin. In der Gruppe mit der Kombinationstherapie bekamen etwa 5 von 100 Teilnehmenden einen Herzinfarkt – im Vergleich zu etwa 6 von 100 Personen, die nur ASS erhielten.

Welche Nachteile hat Ticagrelor?

  • Behandlungsabbruch wegen Nebenwirkungen (mit Ausnahme von Blutungen): Hier zeigt die Studie einen Nachteil für die Kombination Ticagrelor / ASS: Etwa 11 von 100 Personen, die sie erhielten, brachen die Therapie wegen Nebenwirkungen wie Atemwegserkrankungen, Herz- oder Nervenerkrankungen ab – im Vergleich zu ungefähr 7 von 100 Personen, die ASS allein erhielten.
  • Schwere Blutungen: Die Studie weist auf ein erhöhtes Risiko für schwere Blutungen bei der Behandlung mit Ticagrelor / ASS hin. Während der Kombinationstherapie kam es bei etwa 3 von 100 Personen zu schweren Blutungen – aber nur bei einer von 100 Personen, die ASS allein einnahmen.
  • Atemnot: Die Studie belegt, dass Atemnot bei der Teilnehmergruppe, die Ticagrelor / ASS erhielt, häufiger auftrat als in der Vergleichsgruppe: Mit der Wirkstoffkombination kam es bei 14 von 100 Personen zu Atemnot, mit der ASS-Standardtherapie bei nur 6 von 100 Personen.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Tödlicher und nicht tödlicher Schlaganfall: Es zeigte sich kein Unterschied zwischen den Therapien. In beiden Gruppen bekamen etwa 2 von 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Schlaganfall.
  • Instabile Angina Pectoris: Sie trat in beiden Gruppen bei etwa einer von 100 Personen auf.
  • Transitorische ischämische Attacke (TIA): Eine TIA ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn, die die gleichen Beschwerden auslösen kann wie ein Schlaganfall. Die Symptome bilden sich aber im Gegensatz zum Schlaganfall innerhalb von 24 Stunden vollkommen zurück. Auch hier zeigte die Studie keinen Unterschied.
  • Gesundheitszustand: Auch hier ließ sich kein Unterschied zwischen den Behandlungen nachweisen.
  • Schwere Nebenwirkungen (mit Ausnahme von Blutungen): In beiden Behandlungsgruppen hatten etwa 20 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Hierzu legte der Hersteller keine Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Ticagrelor (Brilique).