Einleitung

Der Wirkstoff Tenofoviralafenamid (Handelsname Vemlidy) ist seit Januar 2017 zur Behandlung einer chronischen Hepatitis-B-Erkrankung zugelassen. Er kommt für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren infrage.

Hepatitis-B-Viren werden meistens durch Körperflüssigkeiten wie Blut oder Sperma übertragen. Sie befallen die Leber und können dort eine Entzündung (Hepatitis) auslösen. In vielen Fällen verläuft die Erkrankung ohne Beschwerden und bleibt dann unbemerkt. Ansonsten treten zu Beginn eher unspezifische Beschwerden wir Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen und leichtes Fieber auf. Im Verlauf kann es dann zu einer gelblichen Verfärbung von Haut, Schleimhäuten und dem Augenweiß kommen. Bei den meisten Personen heilt eine Hepatitis B von selbst aus.

Bei etwa 10 von 100 Personen kann das Immunsystem das Virus jedoch nicht erfolgreich bekämpfen und die Hepatitis B wird chronisch. Chronische Verläufe treten insbesondere bei Kindern oder Personen mit einem geschwächten Immunsystem auf. Von einer chronischen Hepatitis B spricht man, wenn die Viren länger als sechs Monate im Blut nachweisbar sind. Auch die chronische Leberentzündung kann ohne Beschwerden verlaufen. Bei einer geringen Zahl der Betroffenen kann sie aber auch zu einer Schrumpfleber (Leberzirrhose) führen. Bei einer Zirrhose arbeitet die Leber zunehmend schlechter und das Risiko für Leberkrebs ist erhöht.

Tenofoviralafenamid soll die Vermehrung der Viren stoppen. Man nimmt an, dass Behandlungen, nach denen im Blut dauerhaft keine Viren mehr nachweisbar sind, das Risiko für solche Folgeerkrankungen verringern.

Anwendung

Tenofoviralafenamid wird als Tablette einmal täglich in einer Dosierung von 25 mg zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden.

Andere Behandlungen

Als Ersttherapie für Erwachsene mit chronischer Hepatitis B kommt eine Behandlung mit den Wirkstoffen PEG-Interferon alfa 2 a, Tenofovirdisoproxil oder Entecavir infrage.

Erwachsene, die bereits Medikamente gegen Hepatitis B angewendet haben, erhalten in der Regel eine individuelle Folgetherapie. Diese berücksichtigt, welche Behandlungen bereits versucht und warum diese abgesetzt wurden. Es ist beispielsweise möglich, dass die vorige Behandlung nicht ausreichend gegen die Viren wirkte oder zu starke Nebenwirkungen auslöste.

Als Ersttherapie für Jugendliche ab 12 Jahren kommen die Wirkstoffe Tenofovirdisoproxil oder Entecavir infrage. Bei einer Folgetherapie kann ebenfalls Tenofovirdisoproxil eingesetzt werden.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2017 geprüft, ob Tenofoviralafenamid für Personen mit chronischer Hepatitis B Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den Standardtherapien hat. Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .