Schützen Nahrungsergänzungsmittel vor einer AMD?

Foto von älterer Frau im Garten (PantherMedia / Ralf Winter) Es gibt keine Belege dafür, dass Nahrungsergänzungsmittel eine altersabhängige Makuladegeneration (AMD) verhindern können. Möglicherweise verzögern aber bestimmte Kombinationen aus Vitaminen und Mineralstoffen das Fortschreiten zu einer Spätform der AMD.

Nahrungsergänzungsmittel enthalten Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe, die auch in normalen Lebensmitteln vorkommen, allerdings in konzentrierter Form und oft in hoher Dosierung. Sie können pflanzliche Stoffe wie etwa Johanniskraut und Knoblauch enthalten, aber auch tierische wie Fischöl. Nahrungsergänzungsmittel werden zum Beispiel als Tabletten, Kapseln, Pulver oder Flüssigkeiten angeboten. Sie sind frei verkäuflich, also nicht nur in Apotheken erhältlich.

Was sollen Nahrungsergänzungsmittel bei einer AMD bewirken?

Eine Makuladegeneration führt allmählich zu einem Verlust des zentralen Sehens. Einer verbreiteten Theorie zufolge entstehen in den Zellen der Netzhaut durch den Einfluss von Licht und Sauerstoff bestimmte Stoffe („freie Radikale“), die das Gewebe schädigen können. Nahrungsergänzungsmittel sollen helfen, diesen Prozess einzudämmen. Auf diese Weise sollen sie einer AMD vorbeugen oder ihr Fortschreiten verlangsamen.

Manche bei einer AMD angebotenen Produkte enthalten eine Mischung verschiedener Vitamine wie Vitamin C, Vitamin E und Betacarotin. Zusätzlich können Zink und Kupfer enthalten sein. Auch Omega-3-Fettsäuren, Zeaxanthin, Lutein und Ginkgo biloba werden oft empfohlen.

Können Nahrungsergänzungsmittel einer AMD vorbeugen?

Bislang gibt es für eine vorbeugende Wirkung bei gesunder Netzhaut keine wissenschaftlichen Belege. Gut untersucht wurden bisher nur Vitamin E und Betacarotin. Hier zeigen Studien mit insgesamt über 75.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass diese Mittel die Wahrscheinlichkeit für das Entstehen der Krankheit nicht senken können. Für Mittel mit Omega-3-Fettsäuren liegen keine aussagekräftigen Studien vor.

Können Nahrungsergänzungsmittel die Erkrankung verlangsamen?

Zu dieser Frage wurden bislang Zink, Lutein, Zeaxanthin, Vitamin C, Vitamin E, Betacarotin, Omega-3-Fettsäuren und Ginkgo biloba in Studien geprüft. Für Omega-3-Fettsäuren und Ginkgo gibt es keine Hinweise, dass sie helfen.

Die tägliche Einnahme folgender Nährstoffe kann das Fortschreiten einer AMD möglicherweise verlangsamen:

  • die sogenannte AREDS-Kombination aus Vitamin C (500 mg), Vitamin E (400 I.E.), Betacarotin (15 mg), Zink (80 mg) und Kupfer (2 mg), oder
  • die fast identische AREDS-2-Kombination aus Vitamin C (500 mg), Vitamin E (400 I.E.), Zink (80 mg), Kupfer (2 mg), Lutein (10 mg) und Zeaxanthin (2 mg).

Ein Nutzen der AREDS-Wirkstoffkombination zeigte sich bisher aber nur bei Menschen mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine späte AMD. Sie haben schon viele Ablagerungen im Auge, sogenannte Drusen. Bei manchen von ihnen konnte die regelmäßige Einnahme der AREDS-Kombination das Risiko für eine späte, mit Sehbehinderungen verbundene AMD senken. Dafür mussten die Mittel täglich über mehrere Jahre eingenommen werden.

Wichtig ist, dass sie nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt eingenommen werden, denn sie eignen sich nicht für alle Menschen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die AREDS-Kombination nicht.

Wie groß ist der Nutzen des Kombinationsmittels genau?

Auf eine günstige Wirkung der AREDS-Kombination weist eine große Studie mit etwa 3600 Teilnehmenden hin, die „ARED-Studie“ (Age-Related Eye Disease Studies). Während der Studiendauer von sechs Jahren blieb die Sehschärfe bei manchen Personen etwas länger erhalten – den meisten halfen die Mittel jedoch nicht. In Zahlen:

  • Ohne Behandlung verschlechterte sich das Sehvermögen innerhalb der sechs Jahre bei etwa 43 von 100 Teilnehmenden deutlich.
  • Mit Behandlung: Bei Einnahme der AREDS-Kombination verschlechterte sich das Sehvermögen im gleichen Zeitraum bei etwa 37 von 100 Teilnehmenden.

Mit anderen Worten: 6 von 100 Menschen, die über sechs Jahre täglich das Kombinationspräparat einnahmen, hatten einen Vorteil.

Welche Nebenwirkungen können Nahrungsergänzungsmittel haben?

Die langfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in hohen Dosen kann manchmal auch schaden. So erhöht Betacarotin das Risiko für Lungenkrebs bei Menschen, die rauchen oder früher geraucht haben. Das in der AREDS-Kombination enthaltene Betacarotin führte bei einem von 100 Teilnehmenden zu Lungenkrebs. Fast alle Menschen, die während der Studiendauer an Lungenkrebs erkrankten, waren ehemalige Raucher.

Mittlerweile stehen AREDS-2-Kombinationen zur Verfügung, in denen Betacarotin durch Lutein und Zeaxanthin ersetzt wurde. Raucher und Ex-Raucher sollten darauf achten, dass sie ein Präparat ohne Betacarotin einnehmen.

Bei manchen Teilnehmenden, die Mittel mit Betacarotin nahmen, färbte sich die Haut gelb. Es traten auch Probleme wie Verstopfung, Blähungen und Durchfälle auf.

Die Einnahme von Zink allein führte dazu, dass etwa 3 von 100 Menschen wegen urologischer Probleme wie Blaseninfektionen oder Inkontinenz im Krankenhaus behandelt wurden.

Aus anderen Untersuchungen weiß man, dass hohe Dosen von Vitamin E das Sterblichkeitsrisiko erhöhen können. In der Studie zur AREDS-Kombination gab es jedoch nicht mehr Todesfälle als normalerweise in sechs Jahren zu erwarten sind.

Schlagwörter: Alter und Pflege, Altersabhängige Makuladegeneration, AMD, H35, H36, H54, Kopf und Nerven, Makuladegeneration