Schmerzen nach Operationen

Foto von Patient nach der Operation (PantherMedia / Tyler Olson)

Nach einer Operation sollte heute niemand mehr starke Schmerzen aushalten. Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, Schmerzen nach einem chirurgischen Eingriff wirksam zu lindern. Wichtig ist, Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte auf die Beschwerden aufmerksam zu machen.

Wenn nach einer Operation Schmerzen auftreten, müssen sie behandelt werden. Schmerzen im Bereich der Operationswunde können nicht nur sehr unangenehm sein, sie können auch die Genesung verzögern. Generell ist es wichtig, nach einer Operation möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen, damit die Muskeln nicht zu viel Kraft verlieren. Schmerzen können aber daran hindern, aufzustehen und sich zu bewegen. Mangelnde Bewegung erhöht zudem das Risiko für die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombose) und kann das Durchatmen oder Abhusten beeinträchtigen. Dies kann zu schweren Komplikationen führen.

Was ist vor einer Operation wichtig?

Die Schmerzen nach einem Eingriff werden „post-operative“ Schmerzen genannt („post“ = „nach“). Ihre Behandlung beginnt aber schon vor der Operation mit der Planung der Therapie. Dazu gehört, dass die Ärztin oder der Arzt über mögliche Schmerzen nach dem Eingriff aufklärt, damit man sich darauf einstellen kann.

Es ist außerdem hilfreich zu wissen, wie die Behandlung nach dem Eingriff normalerweise verläuft und welche Anzeichen auf Komplikationen hinweisen können. Falls eine selbst kontrollierte Schmerzbehandlung (PCA) infrage kommt, ist es gut, schon vor der Operation über diese Therapie Bescheid zu wissen.

Wichtig ist auch, die Ärztin oder den Arzt vor der Operation über bereits bestehende Schmerzen zu informieren und darüber, ob und welche Medikamente eingenommen werden. Wer zum Beispiel regelmäßig starke Schmerzmittel (oder größere Mengen Alkohol oder andere Drogen) zu sich nimmt, benötigt nach einem Eingriff möglicherweise andere Medikamente als die üblicherweise eingesetzten.

Wie lassen sich Schmerzen beschreiben?

In der Regel wird nach Schmerzen gefragt, sobald man nach der Narkose wieder ansprechbar ist. Je genauer die Schmerzen beschrieben werden, desto besser können sie behandelt werden. Für eine ausreichende Schmerztherapie benötigen Ärztinnen, Ärzte oder Pflegekräfte Informationen über

  • den Ort des Schmerzes (im Bereich der Operation oder woanders),
  • die Art des Schmerzes (zum Beispiel stechend, dumpf oder brennend),
  • die Stärke des Schmerzes (leicht, mittel oder stark) sowie darüber,
  • wie stark die Schmerzen in Ruhe oder bei Belastung sind.

Auch im Verlauf der Behandlung ist es wichtig, Pflegekräfte und Ärzte darüber zu informieren, wie lange der Schmerz anhält, ob und wann er abklingt oder sich verstärkt.

Kleine Kinder, die noch nicht sprechen, zeigen Schmerzen oft auf andere Weise. Sie drücken sich durch Weinen und Schreien aus. Aber auch Gesichtsausdrücke, Bewegungen, Laute oder ein verändertes Verhalten können Zeichen für Schmerzen sein. Hier ist es wichtig, dass Eltern dem Pflegepersonal helfen, diese Anzeichen zu erkennen.

Ähnliches gilt auch für Menschen, die sich nur eingeschränkt selbst äußern können. Auch hier sollte eine Bezugsperson vermitteln.

Welche Schmerzmittel gibt es?

Je nachdem, ob es sich um einen großen oder kleinen Eingriff zum Beispiel am Herzen, im Bauchbereich oder am Knie handelt, können danach unterschiedlich starke Schmerzen auftreten. Mal klingen sie rasch ab, mal ist eine mehrtägige Behandlung nötig. Je nach Eingriff werden auch während der Operation verschiedene Schmerzmittel gegeben, die unterschiedlich nachwirken können.

Nach kleineren Operationen und bei leichten Schmerzen kommen in der Regel sogenannte Nicht-Opioide zum Einsatz. Zu ihnen gehören Wirkstoffe wie Paracetamol, Metamizol oder nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac. Sie können als Tabletten eingenommen, gespritzt oder als Pflaster, Zäpfchen oder Tropfen angewendet werden.

Nach größeren Operationen und bei mittelstarken bis starken Schmerzen werden meist stärkere Medikamente gebraucht. Oft werden dann Opioide wie Tramadol oder Morphin eingesetzt. Sie können zusammen mit anderen Schmerzmitteln angewendet werden. Opioide werden häufig als Infusion verabreicht:

  • über eine Vene (intravenöser Tropf, meist in der Armvene) oder
  • im Bereich der Wirbelsäule (Epiduralkatheter).

Bei einer intravenösen Behandlung wirken die Schmerzmedikamente im gesamten Körper. Über einen Epiduralkatheter lassen sich gezielt Schmerzen in einer bestimmten Region behandeln.

Wie viel Schmerzmittel-Lösung durch den Tropf oder Katheter fließt, kann fest eingestellt sein. Dies bezeichnet man als kontinuierliche Infusion. Falls nötig, kann zusätzlicher Wirkstoff in die Infusionsflüssigkeit gegeben werden. Manchmal ist es auch möglich, die Dosis selbst über eine Pumpe zu regulieren (patientenkontrollierte Schmerzbehandlung, PCA, siehe unten).

Was sind rückenmarksnahe Verfahren?

Über einen Epiduralkatheter können ein oder mehrere Schmerzmittel in den sogenannten Epiduralraum im Rücken gegeben werden. Der Epiduralraum umgibt das Rückenmark, in dem die Spinalnerven zum Gehirn verlaufen.

Die Medikamente betäuben die Spinalnerven und stoppen dadurch die Weiterleitung der Schmerzsignale an das Gehirn. Epiduralkatheter können über mehrere Tage verwendet werden. Die Schmerzmittel-Infusion kann dabei kontinuierlich laufen oder je nach Bedarf.

Etwas anders funktioniert die Spinalanalgesie. Bei ihr werden die Medikamente direkt in die Rückenmarksflüssigkeit gespritzt. Dadurch wird die untere Körperhälfte betäubt.

Bei allen rückenmarksnahen Verfahren kann sich die Einstichstelle entzünden. Sehr selten kann es auch zu Verletzungen des Rückenmarks oder Blutungen kommen.

Grafik: Epiduralkatheter - wie im Text beschriebenEpiduralkatheter

Wie funktioniert die patientenkontrollierte Schmerzbehandlung (PCA)?

Mit der patientenkontrollierten Schmerzbehandlung (auch „patientengesteuerte Analgesie“ oder PCA für , engl. = patient controlled analgesia) können Patientinnen und Patienten per Knopfdruck selbst bestimmen, wann sie sich ein Schmerzmedikament verabreichen. Bei diesem Verfahren wird eine Kanüle zum Beispiel in eine Vene eingesetzt. Diese ist über einen Schlauch (Katheter) an eine „Schmerzpumpe“ angeschlossen, in der sich Schmerzmittel befindet. Bei Schmerzen kann die Patientin oder der Patient sich selbst eine festgeschriebene Menge (auch Bolus genannt) davon verabreichen. Wie oft man sich Schmerzmittel geben kann, ist allerdings begrenzt, damit es nicht zu Überdosierungen kommt.

Studien zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit einer PCA nach Operationen etwas weniger Schmerzen hatten und zufriedener waren als solche, die Medikamente bei Bedarf von Ärztinnen, Ärzten oder Pflegekräften bekamen:

  • Ohne PCA: Etwa 65 von 100 Menschen, die eine konventionelle Schmerztherapie bekamen, waren mit ihrer Schmerzlinderung zufrieden.
  • Mit PCA: Ungefähr 84 von 100 Anwendern einer Schmerzpumpe waren mit ihrer Schmerzlinderung zufrieden.

PCA-Anwender nehmen allerdings im Durchschnitt eine höhere Dosis an Schmerzmitteln zu sich. Deshalb sind Nebenwirkungen bei ihnen auch etwas häufiger.

Welche Nebenwirkungen haben Schmerzmittel?

Wirkung und Nebenwirkungen von Schmerzmitteln hängen von ihrer Dosierung ab: Eine hohe Dosis kann zu mehr Nebenwirkungen führen – ist die Dosis aber zu niedrig, werden die Schmerzen nicht ausreichend gelindert.

Nicht opioide Schmerzmedikamente wie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Paracetamol oder Metamizol können unter anderem zu Magen-Darm-Beschwerden, Hautausschlag oder einem Absinken des Blutdrucks führen.

Zu den häufigen Nebenwirkungen der Opioide gehören Übelkeit, Erbrechen, Harnverhalt, Verstopfung oder Juckreiz. Es kann auch zu Albträumen oder Wahrnehmungsstörungen kommen. Werden Opioide mit anderen Schmerzmedikamenten wie NSAR kombiniert, lassen sich einige ihrer Nebenwirkungen vermindern.

Manche Beschwerden können auch Folgen der Operation sein. In jedem Fall ist es wichtig, sie sofort der betreuenden Pflegekraft, den Ärztinnen oder Ärzten mitzuteilen – vor allem, wenn Atembeschwerden auftreten.

Lassen sich Schmerzen auch ohne Medikamente lindern?

Manche Beschwerden lassen sich vielleicht auch mit anderen Methoden lindern als mit Schmerzmitteln. Zum Beispiel schmerzt eine Operationswunde, wenn sie unter Spannung steht. Besteht das Gefühl, dass die Wunde spannt, reicht es manchmal, wenn die Pflegekräfte das Bett etwas anders einstellen oder man sich anders hinlegt. Falls ein Körperteil auf einer zu harten Unterlage aufliegt, kann ein Kissen oder etwas Schaumstoff Abhilfe schaffen.

Andere Möglichkeiten, Schmerzen erträglicher zu machen, sind zum Beispiel Entspannungstechniken, Atemübungen, Ablenkung und Musik. Auch Krankengymnastik kann dazu beitragen – dazu gehören Übungen im Bett, beim Aufstehen und Herumlaufen. Nach orthopädischen Eingriffen wird das Operationsgebiet häufig mit Kältekompressen gekühlt.

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