Einleitung

Foto von Frau beim Lesen (Inga Ivanova / iStock / Thinkstock) Die Schilddrüse hat eine lebenswichtige Aufgabe: Sie produziert Hormone, die den Stoffwechsel regeln und im Gleichgewicht halten. Die Schilddrüsenhormone steuern sehr viele Vorgänge im Körper.

Wenn die Schilddrüse (Thyroidea) zu wenig Hormone herstellt, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion. Der Fachbegriff hierfür lautet Hypothyreose. Dies kann zu verschiedensten Beschwerden führen. So verlangsamt eine Schilddrüsenunterfunktion den Stoffwechsel, was zum Beispiel Müdigkeit, Antriebsschwäche oder Verstopfung auslösen kann.

Bei den meisten Menschen wird eine Schilddrüsenunterfunktion durch eine chronische Entzündung der Schilddrüse verursacht. Die Unterfunktion lässt sich leicht behandeln, indem man täglich eine Tablette mit Schilddrüsenhormon einnimmt. Durch den Hormonersatz verschwinden die Beschwerden in der Regel.

Symptome

Wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert, verlangsamt das den Stoffwechsel. Dies kann viele Teile des Körpers betreffen und ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen. Dazu gehören:

  • Erschöpfung, Schwäche und Müdigkeit
  • niedriger Puls
  • Kälteempfindlichkeit und verminderte Schweißproduktion
  • Atemnot bei Anstrengung
  • leichte bis mäßige Gewichtszunahme
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, geistige oder sprachliche Verlangsamung
  • Verstopfung
  • trockene Haut und Haare, Haarausfall
  • gelbliche Hautverfärbungen
  • tiefe, heisere Stimme
  • vergrößerte Zunge
  • teigige Verdickungen und Schwellungen der Haut
  • vergrößerte Schilddrüse (auch Struma oder Kropf genannt)
  • Schwerhörigkeit
  • Muskel- oder Gelenkschmerzen
  • verlangsamte Reflexe
  • starke Regelblutungen oder Störungen des Menstruationszyklus, eingeschränkte Fruchtbarkeit
  • Erektionsstörungen
  • Teilnahmslosigkeit (Lethargie)
  • Depressionen oder andere psychische Auffälligkeiten

Viele dieser Symptome können auch andere Ursachen haben. Gerade bei älteren Menschen kann es passieren, dass eine Schilddrüsenunterfunktion mit altersbedingten Veränderungen wie beispielsweise einer beginnenden Demenz verwechselt wird. Um die Erkrankung sicher festzustellen, ist daher eine Blutuntersuchung erforderlich.

Ursachen

Erkrankungen der Schilddrüse und andere Faktoren können dazu führen, dass nicht mehr genug Schilddrüsenhormone gebildet werden. Dazu gehören:

  • Hashimoto-Thyreoiditis: Bei dieser Autoimmunerkrankung der Schilddrüse hält das Abwehrsystem des Körpers die Zellen der Schilddrüse irrtümlich für fremd und greift sie an. Es entwickelt sich eine Entzündung, die aber auf die Schilddrüse begrenzt bleibt. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion.
  • Entfernung der Schilddrüse oder Strahlentherapie: Bei bestimmten Erkrankungen wie einer Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenkrebs wird die Schilddrüse bestrahlt oder in einer Operation teilweise oder ganz entfernt. Auch bei einer vergrößerten Schilddrüse (Struma) werden Teile entfernt. Dann werden zu wenig oder gar keine Schilddrüsenhormone mehr produziert. Wurde die Schilddrüse bestrahlt, kann sich eine Unterfunktion sehr langsam entwickeln und erst nach einigen Jahren auftreten.
  • ausgeprägter Jodmangel: Das Spurenelement Jod wird zur Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt. Jod kann der Körper nicht selbst produzieren. Wenn die Nahrung dauerhaft zu wenig Jod enthält, kann es daher zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen. Dies ist in den Industrieländern heute aber sehr selten.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente können die Bildung von Schilddrüsenhormonen hemmen. Dazu gehören zum Beispiel eine Reihe von Krebsmedikamenten sowie der Wirkstoff Lithium, der zur Behandlung bestimmter psychischer Erkrankungen eingesetzt wird. Auch Medikamente, die bei einer Überfunktion der Schilddrüse eingesetzt werden, hemmen die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Wenn sie zu hoch dosiert sind, kann dies eine Unterfunktion auslösen.
  • zentrale Schilddrüsenunterfunktion: Bei weniger als 1 % der Betroffenen wird eine Schilddrüsenunterfunktion von einer Erkrankung der Hirnanhangsdrüse oder des Hypothalamus im Zwischenhirn verursacht. Beide Organe bilden Hormone, die wiederum die Hormonproduktion der Schilddrüse steuern und zum zentralen Nervensystem gehören.

Verlauf

Wie eine Schilddrüsenunterfunktion verläuft, hängt von ihrer Ursache ab. Bei Erwachsenen entwickelt sie sich oft schleichend, da sie meist durch die Hashimoto-Erkrankung verursacht wird. Diese führt normalerweise zu einem langsamen Abbau des Schilddrüsengewebes.

Das restliche Schilddrüsengewebe kann den Verlust lange ausgleichen, indem es mehr Hormone herstellt und den Körper so weiterhin ausreichend versorgt. Wenn jedoch so viel Gewebe abgebaut wurde, dass nicht mehr ausreichend Hormone produziert werden können, kommt es zu Beschwerden.

Die fehlenden Schilddrüsenhormone können durch Tabletten leicht ersetzt werden. Dann normalisiert sich der Stoffwechsel und die Beschwerden verschwinden. Unbehandelt kann eine Schilddrüsenunterfunktion jedoch verschiedene Probleme auslösen. Im (seltenen) Extremfall kann sie bis hin zu einem lebensbedrohlichen Koma führen.

Diagnose

Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst nach den Beschwerden fragen und die Schilddrüse abtasten. Wenn es Hinweise auf eine Schilddrüsenunterfunktion gibt, wird ein Bluttest gemacht, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können.

Zunächst wird gemessen, ob der TSH-Wert erhöht ist. TSH steht für Thyroidea-stimulierendes Hormon, was so viel bedeutet wie „Schilddrüsen anregendes Hormon“. Es wird in der Hirnanhangsdrüse produziert und regelt die Bildung der Schilddrüsenhormone. Leicht erhöhte TSH-Werte können das erste Anzeichen für eine beginnende Schilddrüsenunterfunktion sein. Denn die Hirnanhangsdrüse reagiert auf einen Mangel an Schilddrüsenhormonen und regt mit verstärkter TSH-Produktion die Schilddrüse an.

Fachleute sind sich nicht einig, ab wann der TSH-Wert als eindeutig erhöht gelten sollte. Für viele ist erst ein TSH-Wert von über 4 bis 5 Millieinheiten pro Liter (mU/L) auffällig, für manche bereits ein Wert von über 2,5 mU/L. Manchmal ist er nur vorübergehend erhöht und normalisiert sich von selbst wieder. Daher wiederholt man die Messung am besten. Ist der TSH-Wert dann immer noch erhöht, misst man die Menge des „freien“ Schilddrüsenhormons Thyroxin im Blut, den sogenannten fT4-Wert.

Von einer Schilddrüsenunterfunktion spricht man, wenn

  • typische Beschwerden bestehen und
  • der Thyroxin-Wert (fT4-Wert) zu niedrig ist.

Der normale Bereich für den Thyroxin-Wert wird jeweils von dem Labor vorgegeben, in dem die Blutprobe untersucht wird. Der Grund dafür ist, dass Labore aufgrund unterschiedlicher Messmethoden leicht abweichende Normbereiche haben können.

Früherkennung

Für Säuglinge und Kinder ist es besonders wichtig, dass ihre Schilddrüse normal funktioniert. Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen kann die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes stark beeinträchtigen. Daher werden die Schilddrüsenhormonwerte bei allen Neugeborenen routinemäßig gemessen. Die Wahrscheinlichkeit für eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion ist aber insgesamt sehr gering: Nur etwa eins von 4000 Neugeborenen kommt mit einem Schilddrüsenproblem zur Welt.

Bei Erwachsenen gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine Messung des Hormonspiegels zur Früherkennung einen Nutzen hat. Sie hat aber unterschiedliche Risiken. Relativ viele Menschen haben leicht erhöhte TSH-Werte, Schätzungen zufolge sind das etwa 5 bis 10 % der Bevölkerung. Wenn der TSH-Wert erhöht ist, aber ausreichend Schilddrüsenhormone produziert werden, spricht man von „latenter“ Schilddrüsenunterfunktion.

Erhöhte TSH-Werte bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass eine Schilddrüsenunterfunktion mit Beschwerden bevorsteht. Pro Jahr entwickeln im Durchschnitt 3 bis 4 von 100 Menschen mit erhöhten TSH-Werten Beschwerden, die behandelt werden müssen. Das Risiko hierfür steigt, wenn der TSH-Wert deutlich erhöht ist oder das Blut bestimmte Antikörper enthält. Frauen haben ein höheres Risiko als Männer.

Da TSH-Werte allein wenig aussagen, könnte eine routinemäßige Untersuchung unnötige Behandlungen und Sorgen nach sich ziehen.

Noch andere Gründe sprechen gegen eine routinemäßige Messung des TSH-Werts ohne konkreten Verdacht: So gibt es bislang keine allgemein anerkannte Grenze, ab wann ein TSH-Wert „zu hoch“ ist. Zudem unterliegen die Hormonwerte natürlichen Schwankungen. Leicht erhöhte TSH-Werte bilden sich sogar relativ oft zurück, manchmal auch nach längerer Zeit. Ein abweichender Wert bedeutet also noch keine Erkrankung.

Mit dem Alter steigt der TSH-Spiegel etwas an. Daher wird diskutiert, ob bei älteren Menschen andere Grenzwerte sinnvoll wären als bei jüngeren. Auch im Kindes- und Jugendalter sind die TSH-Werte oft etwas höher, weil sich der Körper noch in der Entwicklung befindet.

Vorbeugung

Einer Schilddrüsenunterfunktion durch Jodmangel lässt sich durch eine ausreichende Jodversorgung vorbeugen, insbesondere durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz. Auch manche Nahrungsergänzungsmittel enthalten Jod. In Deutschland ist Jodmangel heute nur noch sehr selten die Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion.

Erwachsenen wird insgesamt eine tägliche Jodzufuhr von 200 Mikrogramm (µg) empfohlen – mehr als 500 µg sollten es aber nicht sein. Kinder benötigen weniger als 200 µg Jod pro Tag, schwangere und stillende Frauen etwas mehr.

Die Jodversorgung von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre wurde 2007 durch das Robert Koch-Institut untersucht. Dabei zeigte sich, dass etwa 85 % der unter 18-Jährigen ausreichend oder mehr als ausreichend mit Jod versorgt sind. Zur Jodversorgung von Erwachsenen gibt es keine umfassenden Daten.

Dauerhaft zu viel Jod erhöht das Risiko für eine Schilddrüsenüberfunktion. Eine Überdosierung durch Lebensmittel ist aber kaum möglich. Eine Ausnahme sind getrocknete Algen, insbesondere Seetang. Sie enthalten so viel Jod, dass ihr Verzehr zu einer Überschreitung des empfohlenen Höchstwertes von 500 µg täglich führen kann. Auch die tägliche Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann problematisch sein, wenn sie mehr als 100 µg Jod enthalten.

Behandlung

Das fehlende Schilddrüsenhormon Thyroxin wird durch ein Medikament ersetzt, das dem körpereigenen Hormon entspricht. Der Wirkstoff wird auch als Levothyroxin oder L-Thyroxin bezeichnet. Das Medikament bringt die Hormonwerte in den normalen Bereich. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel vollständig. Je nach Ursache wird eine Unterfunktion vorübergehend oder dauerhaft – also zeitlebens – behandelt.

Thyroxin wird einmal am Tag als Tablette eingenommen. Oft wird empfohlen, sie mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück einzunehmen. Der Körper soll den Wirkstoff dann besser aufnehmen können. Man kann die Tablette aber auch abends vor dem Schlafengehen einnehmen. Vielen Menschen fällt dies leichter, weil sie dann ohnehin längere Zeit nichts essen.

Nebenwirkungen treten bei richtiger Dosierung praktisch nicht auf. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht. Wenn nötig, wird sie anhand der Beschwerden und der Schilddrüsenwerte nach zwei bis drei Monaten angepasst. Solange dauert es, bis sich der Hormonspiegel im Körper eingependelt hat. Wenn die Werte über längere Zeit gut eingestellt sind, reicht es meist aus, sie einmal im Jahr zu kontrollieren.

Die Behandlung mit Thyroxin kann zu einer Gewichtsabnahme führen. Wer abnehmen möchte, könnte daher in Versuchung geraten, mehr Thyroxin zu nehmen als nötig. Dies ist aber keine gute Idee, denn zu viel Thyroxin kann Nebenwirkungen wie Herzrasen, Zittern und Erregbarkeit auslösen und birgt langfristig ernsthafte Risiken.

Bei einer latenten Schilddrüsenunterfunktion ist nur der TSH-Wert erhöht. Der Hormonspiegel ist noch normal. Fachleute sind unterschiedlicher Meinung, wann sie behandelt werden soll. In der Regel ist eine sofortige Behandlung aber nicht nötig.

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Schlagwörter: Drüsen und Hormone, E01, E03, E04, Hashimoto-Thyreoiditis, Hypothyreose, Jodmangel, Schilddrüsenunterfunktion, Thyreoiditis