Einleitung

Foto von Frau und Ärztin im Beratungsgespräch (PantherMedia / alexraths) Die Organe im Inneren des Körpers sind durch Bindegewebe und Muskeln normalerweise so fest miteinander verbunden, dass sie an ihrem Platz bleiben. Bei Frauen kann es aus ganz unterschiedlichen Gründen aber zu einer Schwächung des Bindegewebes im Beckenboden kommen. Dann können die Gebärmutter, die Harnblase oder der Mastdarm absinken. Manchmal sinken die Organe soweit ab, dass sich die Scheide durch die Scheidenöffnung stülpt oder die Gebärmutter aus der Scheide austritt. Fachleute sprechen dann von einem Scheiden- oder Gebärmuttervorfall (Genitalprolaps).

Am häufigsten ist die Blasensenkung. Dabei drückt die Blase nach unten und gegen die Scheidenwand. Da die Organe miteinander verbunden sind, sinken sie jedoch oft zusammen ab. Eine Senkung kann vor allem durch ein Beckenbodentraining, Silikonstützen (Pessare) oder eine Operation behandelt werden.

Symptome

Eine leichte Beckenbodensenkung verursacht oft gar keine Beschwerden. Sinken die Organe aber stärker ab, kann es zu folgenden Problemen kommen:

  • das Gefühl, dass etwas nach unten drückt
  • Fremdkörpergefühl im Unterleib
  • Blasenschwäche, häufiger Harndrang oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • ziehende Unterbauchschmerzen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Probleme beim Stuhlgang
  • Rücken- und Kreuzschmerzen
  • Druckgeschwüre und Blutungen in der Scheide

Schmerzen, Druck- und Fremdkörpergefühl treten vor allem beim Laufen, im Stehen oder beim Stuhlgang auf, im Liegen lassen sie oft nach. Wenn Scheide und Gebärmutter aus der Scheidenöffnung austreten und von außen als Ausstülpung sichtbar werden, ist das meist eine besonders schwere Belastung. Dann ist auch das Sexualleben stark beeinträchtigt. Eine starke Senkung ist für viele Frauen zudem mit Schamgefühlen verbunden und psychisch sehr belastend.

 

rafik. Oben: normale Lage der Organe im Beckenraum; unten: links Blasensenkung, Mitte Gebärmuttervorfall, rechts Mastdarmsenkung Oben: normale Lage der Organe im Beckenraum; unten: links Blasensenkung, Mitte Gebärmuttervorfall, rechts Mastdarmsenkung

Ursachen und Risikofaktoren

Die Organe sinken ab, wenn Muskeln und Bindegewebe im Beckenboden nicht mehr fest genug sind. Dies wird als Beckenbodenschwäche (Beckenbodeninsuffizienz) bezeichnet. Manche Frauen haben erblich bedingt ein schwächeres Bindegewebe. Andere Einflüsse sind:

  • Geburten: Sie können den Beckenboden schädigen und schwächen.
  • das Alter: Mit den Jahren werden Muskeln und Bindegewebe schwächer. Dadurch können die Haltestrukturen im Beckenboden ihre Stabilität verlieren.
  • das Gewicht: Frauen mit starkem Übergewicht haben häufiger eine Scheiden- oder Gebärmuttersenkung.

Es wird zudem vermutet, dass Druck auf den Beckenboden durch Belastungen wie schweres Heben und Tragen, chronischen Husten oder häufige Verstopfung den Beckenboden schwächen können. Zu dieser Frage gibt es bisher aber nur wenige Studien – deshalb ist unklar, welche Rolle solche Belastungen spielen. Es ist auch noch nicht geklärt, ob eine Gebärmutterentfernung das Senkungsrisiko erhöht. Man nimmt an, dass Blase und Darm nach einer Gebärmutterentfernung weniger Halt haben und eher absinken.

Häufigkeit

Bei rund der Hälfte der Frauen kommt es im Laufe des Lebens zu einer leichten Schwächung des Beckenbodens. Nach Schätzungen haben etwa 3 % aller Frauen eine Senkung, die zu Beschwerden führt.

Verlauf

Je nachdem wie tief Harnblase, Gebärmutter oder Darm abgesunken sind, werden vier Stufen der Senkung unterschieden:

  • Grad 1: Die Organe sinken nur leicht ab.
  • Grad 2: Die Organe sind bis zum Scheidenausgang abgesunken.
  • Grad 3: Scheide oder Gebärmutter treten bis zu 1 cm aus der Scheidenöffnung aus.
  • Grad 4: Scheide oder Gebärmutter treten zu einem großen Teil aus der Scheidenöffnung heraus.

Bei den meisten Frauen bleibt es bei einer leichten Absenkung – die sich sogar nach ein paar Monaten oder Jahren wieder zurückbilden kann. Die Senkung kann aber auch langsam fortschreiten.

Etwa jede zweite Frau mit leichter Beckenbodensenkung (Grad 1 oder 2) hat zusätzlich eine Blasenschwäche. Sie wird auch Stress- oder Belastungsinkontinenz genannt, weil die Blase dem Druck etwa durch Niesen, Husten oder Sport nicht mehr standhalten kann und ungewollt etwas Urin abgeht. Frauen mit einer Senkung Grad 3 und 4 haben dagegen eher Probleme, die Blase zu entleeren, weil durch Absinken der Organe die Harnröhre abknicken kann.

Diagnose

Oft sind allgemeine Unterleibsbeschwerden oder Blasenprobleme der Grund, bei einer Senkung zu einer Ärztin oder einem Arzt zu gehen. Eine starke Senkung fällt bereits durch eine Untersuchung der Scheide auf. Um auch eine leichte Senkung feststellen zu können, tastet die Ärztin oder der Arzt die Organe im Becken von außen und über die Scheide ab und untersucht die Scheide mit einem Spiegelinstrument (Spekulum). Durch eine Tastuntersuchung des Darms durch den After kann die Lage der Organe im hinteren Teil des Beckens beurteilt werden. Meist genügen diese Untersuchungen, um eine Senkung zu erkennen und den Schweregrad zu bestimmen.

Mit dem sogenannten Husten-Stresstest kann eine Belastungsinkontinenz festgestellt werden. Dabei wird geprüft, ob Urin abgeht, wenn man kräftig hustet.

Bei Beschwerden mit dem Wasserlassen kann eine Restharnbestimmung Hinweise auf die Ursache geben. Dabei geht man zunächst zur Toilette, um die Blase soweit wie möglich zu leeren. Anschließend wird meist mit einem Ultraschallgerät geprüft, ob noch Urin in der Blase verblieben ist.

Vorbeugung

Regelmäßiges Beckenbodentraining kann helfen, die Muskeln des Beckens zu kräftigen und den Beckenboden zu festigen. Nach einer Geburt kann Rückbildungsgymnastik den Beckenboden wieder stärken. Manchmal wird empfohlen, das Heben und Tragen schwerer Dinge zu meiden, um den Beckenboden zu entlasten. Auch die Behandlung von chronischem Husten und Verstopfung soll den Druck auf den Beckenboden verringern. Ob sich durch diese Maßnahmen oder auch eine Gewichtsabnahme eine Senkung wirklich verhindern lässt, ist aber nicht gut untersucht.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich vor allem danach, ob Beschwerden auftreten – und weniger danach, wie ausgeprägt die Senkung ist. Welche Behandlung sich eignet, hängt unter anderem davon ab,

  • welche Beschwerden sich bessern sollen und wie belastend sie sind,
  • wie alt man ist,
  • ob man noch Kinder bekommen möchte,
  • ob es einem wichtig ist, die Gebärmutter zu behalten,
  • welches Organ sich abgesenkt hat und wie stark,
  • wie gut nicht operative Behandlungen helfen und
  • ob eine Blasenschwäche oder weitere Erkrankungen bestehen.

Es gibt folgende Behandlungsmöglichkeiten:

  • Beckenbodentraining zur Stärkung der Muskeln.
  • Pessare: kleine Schalen, Würfel oder Ringe aus Gummi oder Silikon. Ein Pessar wird in die Scheide eingeführt und soll die Organe im Becken stützen. Pessare gibt es in unterschiedlichen Größen.
  • Operation: Dabei werden die Organe im Becken angehoben und stabilisiert. Manchmal wird auch eine Entfernung der Gebärmutter angeboten.

Einige Frauen können ihre Beschwerden durch Beckenbodentraining oder durch das Tragen eines Pessars ausreichend lindern. Wenn beides nicht hilft, sich die Beschwerden weiter verstärken oder die Gebärmutter weit aus der Scheide ausgetreten ist, kann eine Operation unter Umständen eine Alternative sein. Die Gebärmutter lässt sich dabei meist erhalten.

Um zu klären, ob eine Operation infrage kommt, kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden. Sie fasst die wichtigsten Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zusammen.

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