Einleitung

Die Wirkstoffkombination Sacubitril / Valsartan (Handelsname Entresto) ist seit November 2015 für Erwachsene mit chronischer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) zugelassen. Sacubitril / Valsartan kann mit anderen Herzmedikamenten kombiniert werden.

Bei einer Herzinsuffizienz ist das Herz zu schwach, um ausreichend Blut in den Körper zu pumpen. Das kann dazu führen, dass Organe, Muskeln und andere Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Eine Herzschwäche kann akut auftreten, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, oder sich über lange Zeit entwickeln und chronisch werden – etwa durch einen dauerhaft erhöhten Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen.

Je nachdem wie stark eine Herzinsuffizienz ausgeprägt ist, kann sie unbemerkt bleiben oder die körperliche Leistungsfähigkeit erheblich beinträchtigen. Dann können Beschwerden wie Erschöpfung, Luftnot, Brustschmerzen oder Herzklopfen auftreten. Auch Wasseransammlungen (Ödeme) zum Beispiel in Beinen oder Armen sind möglich.

Eine chronische Herzinsuffizienz wird in verschiedene Stadien unterteilt:

  • Stadium 1: Alltägliche körperliche Belastung verursacht keine Beschwerden.
  • Stadium 2: Leichte Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe.
  • Stadium 3: Stärkere Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe.
  • Stadium 4: Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe.

Die Sacubitril / Valsartan-Kombination soll das Herz entlasten. Sacubitril bremst den Abbau von körpereigenen Hormonen, die die Gefäße verengen können. Valsartan hebt die Wirkung des blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin auf.

Anwendung

Die Kombination gibt es als Tablette in drei Dosierungen: 24 mg Sacubitril / 26 mg Valsartan, 49 mg Sacubitril / 51 mg Valsartan und 97 mg Sacubitril / 103 mg Valsartan. Zu Beginn wird eine Einnahme von 49 mg Sacubitril / 51 mg Valsartan zweimal täglich empfohlen. Wird die Therapie vertragen, soll die Dosis nach zwei bis vier Wochen erhöht werden.

Andere Behandlungen

Als Standardbehandlung für Personen mit chronischer Herzinsuffizienz mit eingeschränkter Pumpfunktion kommen ACE-Hemmer infrage, in der Regel zusammen mit einem Betablocker.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welchen Nutzen die Sacubitril / Valsartan-Kombination im Vergleich zu der bewährten Standardtherapie hat.

Der Hersteller legte dazu eine Studie mit 8442 Personen vor. Die eine Hälfte der Patientinnen und Patienten erhielt die Standardtherapie mit dem Wirkstoff Enalapril, die andere Hälfte wurde mit der neuen Wirkstoffkombination Sacubitril / Valsartan behandelt. Beide Gruppen erhielten zusätzlich einen Betablocker. Bei der Auswertung der Ergebnisse hatten die Teilnehmer die Medikamente im Mittel etwa 24 Monate eingenommen.

Welche Vorteile hat der Wirkstoff?

  • Lebenserwartung: Für Personen mit einer Herzschwäche ohne Diabetes mellitus liefert die Studie einen Hinweis, dass Sacubitril / Valsartan das Leben velängern kann. Von den Personen, die Enalapril erhielten, verstarben während der Studie etwa 19 von 100. Von den mit Sacubitril / Valsartan behandelten Patientinnen und Patienten verstarben etwa 15 von 100. Für Personen mit Herzschwäche und Diabetes hatte die Wirkstoffkombination keinen Vorteil.
  • Einweisung in ein Krankenhaus wegen Herzschwäche: Die Studie weist auf einen Vorteil für Patientinnen und Patienten mit einer chronischen Herzinsuffizienz Stadium 1 und 2 hin. Etwa 15 von 100 mit Enalapril behandelte Personen wurden während der Studie wegen Herzschwäche in ein Krankenhaus eingewiesen. Von den mit Sacubitril / Valsartan behandelten Personen waren es ungefähr 11 von 100. Für Personen mit einer schweren Herzinsuffizienz Stadium 3 und 4 zeigte sich kein Unterschied.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Es gibt Hinweise, dass sich die Lebensqualität der Personen mit einer Sacubitril / Valsartan-Behandlung im Vergleich zu einer Standardtherapie mit Enalapril verbesserte.

Welche Nachteile hat der Wirkstoff?

  • Niedriger Blutdruck: Die Studie zeigt einen schwachen Hinweis auf einen Nachteil für Sacubitril / Valsartan. Mit dem neuen Wirkstoff trat bei 24 von 100 Personen ein zu niedriger Blutdruck auf, in der Vergleichsgruppe mit Enalapril war dies nur bei 19 von 100 Personen der Fall.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Herzinfarkt und Schlaganfälle: Es kam in beiden Behandlungsgruppen bei 2 bis 3 von 100 Personen zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Dabei zeigte sich kein Unterschied.
  • Nierenversagen: Ein Nierenversagen, das eine Dialyse erforderte, war in beiden Gruppen sehr selten. Es gab keinen Unterschied zwischen den Therapien.
  • Allgemeiner Gesundheitszustand: Auch hier zeigt sich in der Studie kein Unterschied zwischen den beiden Behandlungen. 

Welche Fragen sind noch offen?

  • Schwere Nebenwirkungen: Die Frage, ob die Kombination Sacubitril / Valsartan häufiger oder seltener zu schweren Nebenwirkungen führt, konnte nicht beantwortet werden. Der Hersteller legte hierzu keine geeigneten Daten vor.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Auch zur Häufigkeit von Therapieabbrüchen wurden keine verwertbaren Daten vorgelegt.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Sacubitril / Valsartan (Entresto).