Einleitung

Ribociclib (Handelsname Kisqali) ist seit August 2017 zur Behandlung von Frauen nach den Wechseljahren mit fortgeschrittenem Hormon-Rezeptor-positivem Brustkrebs zugelassen. Es kommt zur primären endokrinen Therapie infrage, wenn keine auf Heilung zielende Behandlung angeboten werden kann. Der Wirkstoff wird als Teil einer Antihormontherapie mit einem Aromatasehemmer kombiniert.

Ein Tumor in der Brust wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist er dafür jedoch schon zu groß oder hat bereits über das Blut- oder Lymphsystem Absiedlungen in anderen Körperregionen (Metastasen) gebildet. In diesem Fall spricht man von fortgeschrittenem Brustkrebs.

Verschiedene Faktoren beeinflussen, wie sich die Zellen bei einem Brustkrebs vermehren. Der neue Wirkstoff ist für Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen, deren Krebszellen Rezeptoren für Hormone wie Östrogen oder Progesteron tragen. Einen solchen Tumor nennen Fachleute auch Hormon-Rezeptor positiv (HR-positiv). Bei diesen Tumoren beschleunigen Hormone wie Östrogen oder Progesteron das Wachstum der Krebszellen.

Ribociclib hemmt die Zellteilung der Krebszellen und bremst so das Tumorwachstum.

Für Frauen vor und in den Wechseljahren sowie Frauen, deren Krebszellen den HER2-Rezeptor (humaner epidermaler Wachstumsfaktorrezeptor 2) tragen, ist Ribociclib nicht zugelassen.

Anwendung

Ribociclib ist als Tablette in einer Dosierung von 200 mg verfügbar. Ein Behandlungszyklus dauert vier Wochen. In den ersten drei Wochen wird das Medikament einmal täglich, vorzugsweise morgens, zur gleichen Zeit eingenommen. Die empfohlene Tagesdosis beträgt 600 mg (3 Tabletten je 200 mg). Darauf folgt eine Woche Pause, bevor der nächste Zyklus beginnt. Die Behandlung wird beendet, wenn die Erkrankung trotzdem fortschreitet oder zu starke Nebenwirkungen auftreten. Ribociclib wird mit einem Aromatasehemmer wie beispielsweise Letrozol kombiniert.

Andere Behandlungen

Für Frauen nach den Wechseljahren mit HR-positivem Brustkrebs kommen als Standardtherapie Aromatasehemmer wie Anastrozol oder Letrozol zur Blockade der Hormonproduktion infrage. Sind diese nicht geeignet, kann der Wirkstoff Tamoxifen eingesetzt werden.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2017 geprüft, ob Ribociclib für Frauen nach den Wechseljahren mit HR-positivem und HER2- negativem Brustkrebs im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.

Der Hersteller legte eine Studie vor, in der die Kombination Ribociclib plus Aromatasehemmer Letrozol mit einer alleinigen Behandlung mit der Standardtherapie Letrozol verglichen wurde.

In dieser Ende 2013 begonnenen Studie werden 664 Patientinnen behandelt. Die eine Hälfte mit Ribociclib und Letrozol und die andere Hälfte mit Letrozol und einem Scheinmedikament (Placebo). Bisher zeigen sich folgende Ergebnisse.

Welche Vorteile hat Ribociclib?

Die zusätzliche Behandlung mit Ribociclib hat keine Vorteile.

Welche Nachteile hat Ribociclib?

  • Schwere Nebenwirkungen: Hier weist die Studie auf einen Nachteil von Ribociclib hin. Bei der zusätzlichen Gabe von Ribociclib traten bei der Hälfte der Frauen nach etwa 1 Monat schwere Nebenwirkungen auf. Bei den nur mit Letrozol behandelten Frauen war dies nach etwa 20 Monaten der Fall.
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems: Hier weist die Studie auf einen Nachteil von Ribociclib hin: Nach etwa 13 Monaten erkrankten 50 von 100 der zusätzlich mit Ribociclib behandelten Personen an diesen Nebenwirkungen. Bei den nur mit Letrozol behandelten Personen war dies zu diesem Zeitpunkt bei etwa 2 von 100 der Fall.
  • Bei den folgenden Nebenwirkungen deuten erste Abschätzungen ebenfalls auf Nachteile von Ribociclib hin:
    • Augenerkrankungen
    • Erkrankungen der Haut
    • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
    • Infektionen
    • Stoffwechsel- oder Ernährungsstörungen
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Auch hier weist die Studie auf einen Nachteil hin: Bei den Frauen, die mit Ribociclib behandelt wurden, brachen etwa 17 von 100 die Therapie ab. Bei den Frauen, die nur Letrozol erhielten, waren es ungefähr 4 von 100. Meist waren schwere Nebenwirkungen wie beispielsweise schwere Magen-Darm-Erkrankungen der Grund.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Bisher zeigt sich kein Unterschied zwischen Ribociclib und der Standardtherapie. Etwa 15 bis 20 von 100 Frauen verstarben in beiden Gruppen.
  • Progressionsfreies Überleben: Der Hersteller legte auch Daten zum sogenannten progressionsfreien Überleben vor. Dabei beurteilen Fachleute, ob eine Behandlung das Wachstum eines Krebses stoppen kann. In der Studie wurden dazu vor allem Veränderungen der Tumore auf Röntgenbildern ausgewertet. Die Hoffnung ist, dass sich auch das Leben verlängert, wenn ein Krebs nicht weiter wächst oder sogar kleiner wird. Allerdings ist von anderen Krebstherapien bekannt, dass sie zwar das auf Röntgenbildern sichtbare Krebswachstum um einige Wochen oder Monate verlangsamen können, das Leben aber doch nicht verlängern. Deshalb ist zur Bewertung eines Wirkstoffs auch ein ausreichender Nachweis nötig, dass das Abbremsen des Krebswachstums bedeutet, dass das Leben verlängert und die Lebensqualität verbessert werden. Die Daten des Herstellers waren für einen ausreichenden Nachweis jedoch nicht geeignet. Bei den mit Ribociclib behandelten Frauen zeigte sich bisher bei der Lebenserwartung, bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und beim Gesundheitszustand kein Unterschied zur Standardtherapie. Das spricht dagegen, dass Ribociclib für die Frauen spürbare Vorteile hatte.
  • Krankheitsbeschwerden: Auch bei den Krankheitsbeschwerden wie beispielsweise Erschöpfung, Schmerzen oder Durchfall zeigte sich kein Unterschied.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .