Einleitung

Pertuzumab (Handelsname Perjeta) ist seit März 2013 als Zusatztherapie für Frauen und Männer mit HER2-positivem Brustkrebs zugelassen, der Metastasen gebildet hat oder lokal erneut aufgetreten ist und nicht operiert werden kann. Der Wirkstoff kommt infrage, wenn die Patientinnen bisher für dieses fortgeschrittene Stadium der Erkrankung noch keine Chemotherapie oder Behandlung erhalten haben, die sich gegen den HER2-Rezeptor richtet.

Wie sich die Zellen in einem Brustkrebs vermehren, wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu gehört ein bestimmter Eiweißbaustein auf der Oberfläche der Krebszellen, der HER2-Rezeptor (humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor). HER2-Rezeptoren reagieren auf Wachstumssignale und regen so das Wachstum des Tumors an. Wenn diese Rezeptoren auf den Zellen eines Brusttumors besonders häufig vorkommen, spricht man von HER2-positivem Brustkrebs. Ein HER2-positiver Brustkrebs wächst vergleichsweise schneller und es kommt häufiger zu Rückfällen (Rezidiven).

Wenn ein HER2-positiver Brustkrebs erneut im Bereich der Brust auftritt (lokal) und nicht operiert werden kann, kommt eine Strahlentherapie infrage. Hat der Tumor hingegen Metastasen gebildet, ist eine Behandlung mit Trastuzumab und einem Taxan üblich. Trastuzumab ist ein Antikörper, der an den HER2-Rezeptor bindet. Taxane zählen zu den Zytostatika und zielen darauf, das Wachstum der Krebszellen zu hemmen.

Mit dem Antikörper Pertuzumab ist ein neuer Wirkstoff zur Behandlung von HER2-positivem Brustkrebs zugelassen. Pertuzumab bindet ebenfalls an den HER2-Rezeptor, blockiert diesen und soll so das Wachstum der Tumorzellen hemmen.

Anwendung

Pertuzumab wird als Infusion verabreicht. Das heißt, dass es über einen Tropf in eine Vene gegeben wird. Pertuzumab wird zusammen mit den Wirkstoffen Trastuzumab und Docetaxel gegeben.

Die erste Infusion enthält 840 mg Pertuzumab und dauert ungefähr eine Stunde. Die weiteren Infusionen erfolgen im Abstand von drei Wochen mit 420 mg Pertuzumab über einen Zeitraum von 30 bis 60 Minuten. Die Behandlung wird beendet, wenn die Erkrankung trotzdem fortschreitet oder gefährliche Nebenwirkungen auftreten.

Andere Behandlungen

Für Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs kommen je nach Situation unterschiedliche Therapien infrage.

  • Für Frauen mit einem lokal erneut auftretendem Brustkrebs, der nicht operiert werden kann, ist eine Strahlentherapie eine Alternative.
  • Bei Frauen mit metastasiertem Brustkrebs kommt eine Behandlung mit Trastuzumab und einem Taxan (Docetaxel oder Paclitaxel) infrage.

Zudem erhalten Frauen eine individuelle, unterstützende Behandlung zum Beispiel Bluttransfusionen oder Antibiotika, um Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Mitte 2013 geprüft, welche Vor- und Nachteile Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Docetaxel für Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien hat. Um dies beurteilen zu können, sollten Studien mit folgenden Patientengruppen herangezogen werden:

  • Bei Frauen mit lokal erneut auftretendem Brustkrebs, der nicht operiert werden kann, sollte Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Docetaxel mit einer Strahlentherapie verglichen werden. Allerdings legte der Hersteller dem IQWiG für diesen Vergleich keine geeignete Studie vor.
  • Bei Frauen mit metastasiertem Brustkrebs sollte Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Docetaxel mit Trastuzumab und einem Taxan (Docetaxel oder Paclitaxel) verglichen werden. Für diesen Vergleich gab es eine, allerdings noch nicht abgeschlossene Studie, in der eine Hälfte der Frauen Pertuzumab, Trastuzumab und Docetaxel erhielt und die andere Hälfte Trastuzumab und Docetaxel zusammen mit einem Scheinmedikament (Placebo). Alle Teilnehmerinnen erhielten außerdem eine individuelle, unterstützende Behandlung.

Welche Vorteile hat Pertuzumab?

  • Lebenserwartung: Die Studie deutet darauf hin, dass eine Behandlung mit Pertuzumab bei Frauen mit viszeralen Metastasen die Lebenserwartung verbessert. Als viszeral bezeichnet man Metastasen an inneren Organen wie Lunge oder Leber. Von den Frauen mit viszeralen Metastasen, die Trastuzumab, Docetaxel und Placebo erhielten, waren nach einer Studiendauer von gut vier Jahren 44 von 100 verstorben. Von den Frauen mit viszeralen Metastasen, die Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Docetaxel erhielten, waren nach dem gleichen Zeitraum 30 von 100 verstorben. Bei Frauen mit Metastasen an anderen Organen wie Lymphknoten oder Knochen (nicht viszeralen Metastasen) zeigte sich dagegen kein Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Beschwerden und Lebensqualität: Die Studie enthält keine verwertbaren Daten zum Einfluss von Pertuzumab auf die Beschwerden und die Lebensqualität der Frauen.
  • Nebenwirkungen: Die vom Hersteller vorgelegten Daten reichen nicht aus, um die Nebenwirkungen, schweren Nebenwirkungen und dadurch bedingte Therapieabbrüche für Frauen mit HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs zuverlässig beurteilen zu können. Das mögliche Schadenspotenzial bleibt daher unklar.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Pertuzumab (Perjeta).