Einleitung

Das Arzneimittel Pembrolizumab (Handelsname Keytruda) ist seit Juli  2016 in Deutschland zur Behandlung von fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkrebs zugelassen. Es kommt für erwachsene Patientinnen und Patienten infrage, bei denen eine bestimmte Veränderung der Krebszellen zu einem beschleunigten Tumorwachstum führen kann.

Lungenkrebs entsteht durch die bösartige Neubildung von Zellen der Atemwege (Bronchien) und ihrer Aufzweigungen, den Bronchiolen. Deshalb spricht man auch von einem Bronchialkarzinom. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Tumorarten:

  • das kleinzellige Karzinom (englisch: small cell lung carcinoma, SCLC) und
  • das nicht kleinzellige Karzinom (englisch: non small cell lung carcinoma, NSCLC).

Ein nicht kleinzelliges Karzinom wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist es dafür jedoch schon zu groß oder es hat bereits über das Blut- oder Lymphsystem Absiedlungen in anderen Körperregionen (Metastasen) gebildet. In diesem Fall spricht man von fortgeschrittenem Lungenkrebs.

Der Wirkstoff ist für Personen zugelassen, deren Tumor erhöhte Mengen des Proteins PD-L1 aufweist. Durch dieses Eiweiß wird die Immunabwehr, insbesondere die Aktivität von T-Zellen, gegen die Tumorzellen geschwächt.

Zusätzlich können die Betroffenen auch einen veränderten Rezeptor im Tumorgewebe haben, den sogenannten epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (englisch: epidermal growth factor receptor, EGFR). Weiterhin können die Tumorzellen auch ein bestimmtes Enzym bilden, die sogenannte Anaplastische-Lymphom-Kinase (ALK). Beide Veränderungen führen ebenfalls zu unkontrolliertem Tumorwachstum. Pembrolizumab kommt auch für diese Personen infrage, wenn vorherige Therapien gegen EGFR oder das Enzym ALK erfolglos waren.

Pembrolizumab blockiert die Wirkung des vom Tumorgewebe hergestellten PD-L1- Proteins, aktiviert die Immunabwehr gegen Krebszellen und soll so das Tumorwachstum hemmen.

Anwendung

Pembrolizumab wird als Pulver in einer Flüssigkeit gelöst und dann über eine Dauer von 30 Minuten als Infusion in eine Vene gegeben. Der Wirkstoff wird als Infusion alle drei Wochen verabreicht. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht. Die Therapie wird beendet, wenn zu starke Nebenwirkungen auftreten oder der Krebs voranschreitet.

Andere Behandlungen

Für Personen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs und der Mutation PD-L1 kommen als Therapie-Optionen infrage:

  • Als Ersttherapie bei einem Tumor ohne EGFR- oder ALK-Mutation kommen, je nach Allgemeinzustand und Nebenwirkungen, entweder eine platinbasierte Chemotherapie mit Wirkstoffen wie Cisplatin oder Carboplatin zusammen mit Vinorelbin, Gemcitabin, Docetaxel, Paclitaxel oder Pemetrexed infrage oder eine Therapie mit Gemcitabin oder Vinorelbin.
  • Als Folgetherapie, wenn vorherige Chemotherapien erfolglos waren, kommt als Standardbehandlung eine Therapie mit Docetaxel, Pemetrexed oder Nivolumab infrage. Das gilt auch für Erwachsene mit einer zusätzlichen EGFR- oder ALK-Mutation, bei denen vorherige Therapien erfolglos waren. Wenn diese Standardbehandlungen nicht infrage kommen, kann eine unterstützende Behandlung, auch „Best Supportive Care“ (BSC) genannt, eingesetzt werden. Diese Behandlung soll sich individuell an den Bedürfnissen eines Patienten orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2017 geprüft, welche Vor- und Nachteile Pembrolizumab für Personen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs und der Mutation PD-L1 im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien hat.

Der Hersteller legte zwei relevante Studien für folgende Patientengruppen vor:

  • Pembrolizumab als Ersttherapie bei Personen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs
  • Pembrolizumab als Folgetherapie für Personen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs

Mehr Wissen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Pembrolizumab (Keytruda).