Einleitung

Palbociclib (Handelsname Ibrance) ist seit November 2016 zur Behandlung von Frauen mit fortgeschrittenem Hormon-Rezeptor-positivem Brustkrebs zugelassen. Es kommt in Frage, wenn einer Frau keine auf Heilung zielende weitere Operation, Strahlentherapie oder Chemotherapie angeboten werden kann. Der Wirkstoff wird als Teil einer Antihormontherapie mit einem Aromatasehemmer oder dem Antiöstrogen Fulvestrant kombiniert.

Ein Tumor in der Brust wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist er dafür jedoch schon zu groß oder hat bereits über das Blut- oder Lymphsystem Absiedlungen in anderen Körperregionen (Metastasen) gebildet. In diesem Fall spricht man von fortgeschrittenem Brustkrebs.

Verschiedene Faktoren beeinflussen, wie sich die Zellen bei einem Brustkrebs vermehren. Der neue Wirkstoff ist für Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen, deren Krebszellen Rezeptoren für Hormone wie Östrogen oder Progesteron tragen. Einen solchen Tumor nennen Fachleute auch Hormon-Rezeptor positiv (HR-positiv). Bei diesen Tumoren beschleunigen Hormone wie Östrogen oder Progesteron das Wachstum der Krebszellen.

Palbociclib hemmt die Zellteilung der Krebszellen und bremst so das Tumorwachstum.

Für Frauen, deren Krebszellen den HER2-Rezeptor (humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor) tragen, ist Palbociclib nicht zugelassen.

Anwendung

Palbociclib ist als Kapsel in drei Dosierungen verfügbar: 75, 100 und 125 mg. Ein Behandlungszyklus dauert vier Wochen. In den ersten drei Wochen wird das Medikament einmal täglich zur gleichen Zeit mit einer Mahlzeit eingenommen. Die empfohlene Tagesdosis beträgt 125 mg. Darauf folgt eine Woche Pause, bevor der nächste Zyklus beginnt. Je nach Nebenwirkungen, Krankheitsstadium und anderen Therapien kann die Tagesdosis verringert werden. Die Behandlung wird beendet, wenn die Erkrankung trotzdem fortschreitet oder zu starke Nebenwirkungen auftreten.

Andere Behandlungen

Wenn eine Chemo- oder Strahlentherapie oder eine Operation nicht geeignet sind, kommen für Frauen mit fortgeschrittenem HR-positivem und HER2-negativem Brustkrebs folgende Standardtherapien infrage:

Als Ersttherapie:

  • Für Frauen nach den Wechseljahren kommen Aromatasehemmer wie Anastrozol oder Letrozol zur Blockade der Hormonproduktion infrage. Sind diese nicht geeignet, kann Tamoxifen eingesetzt werden.
  • Für Frauen vor Ende der Wechseljahre kann Tamoxifen eingesetzt werden. Zusätzlich werden die Wechseljahre medikamentös eingeleitet.

Als Zweit- oder Folgetherapie, wenn eine vorherige hormonelle Therapie erfolglos waren:

  • Für Frauen nach den Wechseljahren kommen, abhängig von der Vortherapie und Krankheitsentwicklung, die Wirkstoffe Tamoxifen, Anastrozol, Fulvestrant, Letrozol, Exemestan oder Everolimus infrage.
  • Für Frauen vor Ende der Wechseljahre kommt eine weitere hormonelle Therapie gegen den Krebs infrage. Welche, hängt unter anderem davon ab, welche Behandlungen bereits versucht wurden. Sie wird durch die Ärztin oder den Arzt angepasst.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2017 geprüft, ob Palbociclib im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.

Für folgende Gruppen von Frauen legte der Hersteller keine relevanten Studien vor:

  • Ersttherapie für Frauen nach den Wechseljahren: Palbociclib in Kombination mit Fulvestrant.
  • Ersttherapie für Frauen vor Ende der Wechseljahre: Palbociclib in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant.
  • Zweit- oder Folgetherapie vor, in oder nach den Wechseljahren: Palbociclib in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant.

Die Frage, ob die Behandlung mit Palbociclib Vor- oder Nachteile gegenüber den bisherigen Standardtherapien hat, kann daher für diese Frauen nicht beantwortet werden.

Für die Ersttherapie bei Frauen nach den Wechseljahren konnte maßgeblich eine Studie berücksichtigt werden, in der die Kombination Palbociclib plus Aromatasehemmer Letrozol mit einer alleinigen Behandlung mit Letrozol verglichen wurde.

In dieser Studie wurden 666 Patientinnen untersucht. Davon erhielten 444 Palbociclib und Letrozol und 222 Frauen Letrozol und ein Scheinmedikament (Placebo).

Welche Nachteile hat Palbociclib?

  • Schwere Nebenwirkungen: Die Studie weist auf einen Nachteil von Palbociclib hin. Mit  Palbociclib und Letrozol traten bei knapp 78 von 100 Frauen schwere Nebenwirkungen auf. Mit Letrozol allein war dies nur bei etwa 25 von 100 Frauen der Fall. Die häufigsten Nebenwirkungen waren schwere Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems. Dazu gehört beispielsweise eine Abnahme der weißen Blutkörperchen.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Es ließ sich im bisherigen Studienverlauf kein Unterschied zwischen Letrozol allein oder Letrozol und Palbociclib nachweisen. Etwa 17 bis 21 von 100 Frauen verstarben während einer mittleren Beobachtungsdauer von etwa 23 Monaten in beiden Gruppen.
  • Gesundheitszustand und gesundheitsbezogene Lebensqualität: Auch hier ließ sich kein Unterschied nachweisen.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Auch bei den Therapieabbrüchen gab es keinen Unterschied. In beiden Gruppen brachen etwa 5 bis 9 von 100 Frauen die Therapien aufgrund von Nebenwirkungen ab.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Krankheitsbeschwerden: Der Hersteller legte hierzu keine verwertbaren Daten vor. Daher bleibt unklar, ob die zusätzliche Behandlung mit Palbociclib Vor- oder Nachteile im Vergleich zu Letrozol allein hat.
  • Progressionsfreies Überleben: Der Hersteller legte Daten zum sogenannten progressionsfreien Überleben vor. Damit beurteilen Fachleute, ob eine Behandlung das Wachstum eines Krebses stoppen kann. In der Studie wurden dazu vor allem Veränderungen der Tumore auf Röntgenbildern ausgewertet. Die Hoffnung ist, dass sich auch das Leben verlängert, wenn ein Krebs nicht weiterwächst oder sogar kleiner wird. Allerdings ist von anderen Krebstherapien bekannt, dass sie zwar das auf Röntgenbildern sichtbare Krebswachstum um einige Wochen oder Monate verlangsamen können, das Leben aber doch nicht verlängern. Deshalb ist zur Bewertung eines Wirkstoffs auch ein ausreichender Nachweis nötig, dass das Abbremsen des Krebswachstums bedeutet, dass das Leben verlängert und die Lebensqualität verbessert werden. Die Daten des Herstellers waren für einen ausreichenden Nachweis jedoch nicht geeignet. Bei den mit Palbociclib behandelten Frauen zeigte sich bei der Zahl der Todesfälle und gesundheitsbezogener Lebensqualität insgesamt kein Unterschied. Das spricht dagegen, dass Palbociclib für die Frauen spürbare Vorteile hatte.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .