Operationen bei Scheiden- und Gebärmuttersenkung

Foto von Migrantin (PantherMedia / rmarmion) Wenn eine Senkung sehr ausgeprägt ist oder andere Behandlungen nicht ausreichend helfen, kommt eine Operation infrage. Sie kann Beschwerden lindern, hat aber auch gewisse Risiken. Eine Entfernung der Gebärmutter ist meist nicht nötig, da Gebärmutter erhaltende Verfahren zur Verfügung stehen.

Oft lässt sich eine Senkung auch ohne Operation wirksam behandeln, etwa mit einem Beckenbodentraining oder einem stützenden Pessar. Reicht dies nicht aus, überlegen viele Frauen, sich operieren zu lassen. Es gibt verschiedene Operationsverfahren, die jeweils Vor- und Nachteile haben. Sich ausführlich über die verschiedenen Eingriffe zu informieren hilft, eine gute Entscheidung zu treffen. Eine zweite ärztliche Meinung einzuholen, kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein.

Welche Operationsverfahren gibt es?

Bei allen Eingriffen werden die abgesunkenen Organe wieder angehoben und zusätzlich befestigt. Die gängigsten Verfahren sind:

  • Vordere Scheidenplastik: Sie kommt bei einer Blasensenkung infrage. Um die Blase anzuheben, wird das Bindegewebe zwischen Harnblase und Scheide gestrafft.
  • Hintere Scheidenplastik: Sie kommt bei einer Mastdarmsenkung infrage. Um den Mastdarm anzuheben, wird das Bindegewebe zwischen Scheide und Mastdarm gestrafft.
  • Sakrokolpopexie (Sakropexie): Sie kommt bei einer Senkung im mittleren Bereich (Kompartiment) des Beckenbodens infrage, wenn beispielsweise die Gebärmutter tiefer liegt. Das Scheidenende oder der Gebärmutterhals werden mithilfe eines Kunststoffnetzes am Kreuz- oder Steißbein befestigt. Die Gebärmutter muss dabei nicht entfernt werden.
  • Sakrospinale Fixation: Sie ist eine Alternative bei einer Senkung im mittleren Bereich des Beckenbodens. Um die Scheide anzuheben, wird sie an Sehnen im Becken befestigt.

Daneben gibt es noch weitere Verfahren, die jedoch nicht so gut untersucht sind und seltener durchgeführt werden.

Führt die Senkung zu einer Blasenschwäche (Belastungsinkontinenz), kann die Harnröhre mithilfe einer Kunststoffschlinge stabilisiert werden. Dies ist auch während einer Senkungsoperation möglich.

Der Beckenboden wird meist mit Binde- und Muskelgewebe des Beckenbodens (Eigengewebe) stabilisiert. Bei den verschiedenen Eingriffen kann alternativ jedoch auch ein Kunststoffnetz zwischen Scheide und Harnblase eingesetzt werden. Es stützt die Organe ähnlich wie eine straff gespannte Hängematte. Beides hat Vor- und Nachteile.

Welcher Eingriff sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, welche Organe betroffen sind. Sind mehrere Organe oder Bereiche des Beckenbodens abgesunken, werden verschiedene Verfahren kombiniert. Zudem sind mehrere „Zugangswege“ möglich: So kann meist durch kleine Einschnitte in der Bauchdecke (Laparoskopie) oder durch die Scheide operiert werden. Diese Eingriffe sind schonender als ein großer Bauchschnitt, der nur selten nötig ist. Die Entscheidung, ob durch die Scheide oder die Bauchdecke operiert wird, hängt unter anderem vom Alter und Gewicht sowie von möglichen anderen Erkrankungen einer Frau ab.

Wie gut hilft eine Scheidenplastik?

Eine Scheidenplastik kann die Organe stabilisieren. Dadurch können Blasen- und Darmbeschwerden, Druckgefühle und Schmerzen abnehmen. Etwa 80 bis 90 von 100 Frauen sind nach der Operation zumindest vorübergehend frei von Beschwerden wie Blasenschwäche oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Wie gut die Operation im Vergleich zu Beckenbodentraining und Pessaren hilft, wurde bislang jedoch nicht in Studien untersucht.

Nach einer Scheidenplastik kann es zu einem Rückfall kommen – das heißt, die Organe können erneut absinken. Studien zeigen, dass es bei einer Operation mit Eigengewebe bei etwa 38 von 100 Frauen innerhalb von drei Jahren zu einer erneuten Senkung kommt. Wird ein Kunststoffnetz eingesetzt, ist das Risiko geringer.

Welche Nebenwirkungen hat die Scheidenplastik?

Bei weniger als einer von 100 Frauen wird bei der vorderen Scheidenplastik die Blase oder der Darm verletzt. Auch Wundinfektionen sind möglich. Zudem kann es wie bei allen Operationen im Bauchraum zu Verwachsungen kommen, die Schmerzen oder Verdauungsbeschwerden nach sich ziehen können. Der Einsatz eines Kunststoffnetzes hat gewisse Risiken (siehe unten).

Wie gut helfen Operationen bei Gebärmuttersenkung?

Wenn eine Gebärmuttersenkung durch eine Sakrokolpopexie behoben wurde, sind etwa 90 von 100 Frauen zumindest vorübergehend frei von Beschwerden wie Blasenschwäche oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Auch nach dieser Operation besteht ein Rückfallrisiko: Innerhalb der ersten zwei Jahre nach dem Eingriff sinkt die Gebärmutter bei etwa 23 von 100 Frauen erneut ab oder tritt aus der Scheide aus.

Bei der Sakrokolpopexie wird über den Bauch operiert und es wird immer ein Kunststoffnetz eingesetzt. Daneben gibt es verschiedene andere Verfahren, bei denen über die Scheide operiert wird – zum Beispiel die sakrospinale Fixation. Bei ihnen kann vermutlich auf den Einsatz eines Kunststoffnetzes verzichtet werden, da es nicht besser vor einem Rückfall schützt als eine Operation mit Eigengewebe. Bei Eingriffen durch die Scheide besteht jedoch insgesamt ein höheres Rückfallrisiko als bei der Sakrokolpopexie.

Welche Nebenwirkungen haben Operationen bei Gebärmuttersenkung?

Bei etwa 2 von 100 Frauen kommt es bei einer Sakrokolpopexie zu Blasen- oder Darmverletzungen. Auch Wundinfektionen sind möglich. Zudem kann es wie bei allen Operationen im Bauchraum zu Verwachsungen und als Folge zu Schmerzen oder Verdauungsbeschwerden kommen. Die Einlage eines Kunststoffnetzes hat gewisse Risiken.

Welche Vor- und Nachteile haben Kunststoffnetze?

Bei manchen Operationen können Kunststoffnetze im Bauchraum vernäht werden. Sie sollen die Organe besser stabilisieren als Eigengewebe. Allerdings bergen sie das Risiko für bestimmte Komplikationen. So können sich die Netze lösen, was erneute Operationen nach sich ziehen kann. In der Vergangenheit kam es auch häufiger zu Blasenverletzungen, Blasenschwäche und Schmerzen in der Scheide. Bestimmte Netze wurden sogar vom Markt genommen, da sie recht häufig Probleme bereitet haben.

Mittlerweile gibt es neuere Kunststoffnetze, die weniger Komplikationen verursachen sollen. Diese Netze sind bislang allerdings nicht gut untersucht. Deshalb lässt sich noch nicht sagen, welche Vor- und Nachteile sie im Vergleich zu Operationen mit Eigengewebe haben. Ärztliche Fachgesellschaften empfehlen derzeit, mit Kunststoffnetzen zurückhaltend zu sein und sie eher Frauen anzubieten, die ein hohes Risiko für einen Rückfall haben oder bereits einen Rückfall hatten.

Ist eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) nötig?

Viele Frauen möchten ihre Gebärmutter behalten, auch wenn sie keinen Kinderwunsch mehr haben. Normalerweise ist dies bei Senkungsoperationen auch möglich: Es gibt keine Belege dafür, dass es bei einer Gebärmuttersenkung Vorteile hat, die Gebärmutter zu entfernen. Das Risiko für einen Rückfall – das heißt, dem erneuten Absinken eines oder mehrerer Organe – wird dadurch vermutlich nicht kleiner. Allerdings gibt es zu dieser Frage bislang nur wenige gute Studien. Zudem kann es Situationen geben, in denen eine Gebärmutter erhaltende Operation schwieriger ist. Dies kann beispielsweise bei Verwachsungen oder einer vergrößerten Gebärmutter der Fall sein.

Nach einer Gebärmutter erhaltenden Operation ist es zwar noch möglich, Kinder zu bekommen. Dennoch wird empfohlen, den Eingriff wenn möglich aufzuschieben, bis die Familienplanung abgeschlossen ist. Der Grund: Eine Schwangerschaft kann das Risiko für einen Rückfall erhöhen.

Im Zweifel kann eine zweite ärztliche Meinung helfen

Wenn eine Ärztin oder ein Arzt zur Behandlung einer Senkung eine Operation empfiehlt, ist es sinnvoll, sich über Alternativen zu informieren – vor allem dann, wenn zu einer Gebärmutterentfernung geraten wird. Entscheidend ist, sich darüber im Klaren zu sein, warum die Gebärmutter entfernt werden soll: Hat dies mit der Senkung zu tun, oder gibt es andere Gründe? Welche Vor- und Nachteile hätte die Entfernung? Und wie wichtig ist es einem, die Gebärmutter zu behalten?

Im Zweifel ist es sinnvoll, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen – das heißt, sich in einer anderen Praxis oder Klinik beraten zu lassen. Zur Unterstützung kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten kurz zusammenfasst.

Grafik: Abbildung Entscheidungshilfe-VorlageEntscheidungshilfe-Vorlage

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