Operation bei vergrößerten Gaumenmandeln

Foto von kleinem Jungen im Krankenhaus (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Eine Operation der Gaumenmandeln kann bei Kindern Atem- und Schlafprobleme wie Schnarchen oder Atemaussetzer bessern oder beheben. Ein Eingriff ist jedoch nicht immer notwendig.

Wenn bei einem Kind die Gaumenmandeln zu groß werden, können sie den Schlaf beeinträchtigen. Häufig hat das Kind dann auch eine vergrößerte Rachenmandel. Es schnarcht oft dauerhaft, atmet vorwiegend durch den Mund und hat manchmal sogar Atemaussetzer (Schlafapnoe). Dies kann dazu führen, dass das Kind unausgeschlafen ist und zu Unruhe neigt. Auch seine Entwicklung kann gestört werden. Bei solchen Beschwerden stellt sich die Frage, ob eine Mandeloperation sinnvoll ist.

Es gibt verschiedene Operationsverfahren:

  • Tonsillotomie: Teilentfernung der vergrößerten Gaumenmandeln.
  • Tonsillektomie: Vollständige Entfernung der Gaumenmandeln (wird bei vergrößerten Gaumenmandeln nur noch selten gemacht).

Ist bei einem Kind auch die Rachenmandel vergrößert, kann diese mitentfernt werden. Die Entfernung der Rachenmandel wird als Adenotomie bezeichnet. Wenn es infolge einer vergrößerten Rachenmandel zu häufigen Mittelohrentzündungen mit Paukenerguss kommt, kann bei der Operation für einige Monate oder länger ein Paukenröhrchen eingesetzt werden.

Für eine Tonsillektomie muss ein Kind ins Krankenhaus. Die anderen Eingriffe sind auch ambulant möglich – allerdings wird häufig ein Krankenhausaufenthalt empfohlen, wenn Gaumen- und Rachenmandeln zusammen operiert werden. Je nachdem, wie belastend der Eingriff ist, bleiben die Kinder etwa 2 bis 7 Tage im Krankenhaus.

Wann ist es möglich, erst einmal abzuwarten?

Da jede Operation für das Kind belastend ist und auch Risiken mit sich bringt, kann man bei vergrößerten Mandeln meist eine gewisse Zeit abwarten und schauen, ob sich die Beschwerden von allein bessern. Ob dies eher Wochen oder Monate dauert, hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt die Beschwerden sind. Besonders in den Wintermonaten kann es zudem sein, dass Erkältungen die vorhandenen Beschwerden verstärken. Wenn man sich entscheidet, erst einmal abzuwarten, ist es wichtig, das Kind regelmäßig in einer Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde untersuchen zu lassen.

Wenn neben den Gaumenmandeln auch die Rachenmandel vergrößert ist, kann bei manchen Kindern ein Kortison-Nasenspray die Beschwerden lindern. Es kann die Rachenmandel verkleinern, was vielleicht ausreicht, um die Nasenatmung und den Schlaf zu verbessern. Auf vergrößerte Gaumenmandeln hat ein Kortison-Nasenspray aber keinen Einfluss. Das Spray ist für Kinder ab drei Jahren zugelassen und sollte nicht länger als sechs Monate angewendet werden. Es ist meist gut verträglich, kann aber manchmal zu leichtem Nasenbluten oder zu einer Pilzinfektion der Mundschleimhaut führen.

Schnarcht das Kind nur leise, hin und wieder oder vor allem bei Erkältungen, ist dies wahrscheinlich harmlos und ein Eingriff unnötig. Wenn die Schlafstörung aber sehr ausgeprägt ist und die Mandeln stark vergrößert sind, ist eine Besserung von selbst meist nicht zu erwarten.

Wie gut hilft die Operation der Mandeln?

Viele Kinder atmen schon kurz nach dem Eingriff wieder deutlich leichter und haben keine Atemaussetzer mehr. Sie schnarchen weniger oder gar nicht mehr, und schlafen insgesamt wieder besser. Studien weisen darauf hin, dass dies auch das Verhalten der Kinder positiv beeinflusst: Sie sind dann beispielsweise tagsüber weniger zappelig.

Bei manchen Kindern hält der Erfolg der Operation aber nicht dauerhaft an und die Schlafprobleme kommen zurück. Ob eine Operation erfolgreich ist, hängt auch davon ab, ob die erschwerte Atmung noch andere Ursachen hat. Dazu können Übergewicht und Kieferprobleme gehören.

Welche Vor- und Nachteile hat es, die Gaumenmandeln nur teilweise statt ganz zu entfernen?

Eine Reihe von Studien spricht dafür, dass eine teilweise Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillotomie) die Beschwerden ähnlich gut lindert wie eine vollständige Entfernung.

Der wesentliche Vorteil der Tonsillotomie ist, dass der Eingriff ein Kind weniger belastet. In den ersten beiden Wochen haben operierte Kinder deutlich weniger Schmerzen und können früher wieder essen als nach einer vollständigen Entfernung der Mandeln.

Zudem ist das Risiko für Nachblutungen vermutlich geringer, weil stark durchblutete Bereiche der Mandeln geschont werden.

Nach einer Teilentfernung können die Gaumenmandeln aber wieder nachwachsen: Etwa 5 von 100 Kindern werden in den ersten Jahren nach einer Teilentfernung erneut operiert, weil die Atemprobleme wieder auftreten. Häufig wird dann eine Tonsillektomie empfohlen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Ein Eingriff an den Gaumenmandeln ist belastender als eine Entfernung der Rachenmandel. Die Wunde kann schmerzen und auch das Schlucken kann in den ersten Tagen nach dem Eingriff wehtun. Manchmal kommt es zu Übelkeit oder Erbrechen. Wie bei allen Eingriffen kann sich die Wunde infizieren, und es bestehen allgemeine Operationsrisiken (zum Beispiel durch die Narkose).

Nachblutungen treten bei weniger als 1 % der Kinder auf, deren Gaumenmandeln teilweise entfernt werden. Eine Blutung kann kurz nach dem Eingriff, aber auch verzögert auftreten – dann häufig nach etwa einer Woche. Wird eine schwere Nachblutung nicht rechtzeitig erkannt, kann sie lebensbedrohlich werden.

Manche Eltern befürchten, dass eine Operation bei ihrem Kind langfristig das Immunsystem schwächt und beispielsweise Allergien oder Atemwegsinfekte begünstigen könnte. Ob dies zutrifft, ist wissenschaftlich jedoch nicht geklärt. Die Mandeln spielen aber in den ersten Lebensjahren eine wichtigere Rolle für das Immunsystem als später.

Was ist nach dem Eingriff wichtig?

In den ersten zwei bis drei Wochen sollte sich ein Kind schonen – also zum Beispiel keinen Sport treiben und möglichst nicht „wild“ spielen. Es wird empfohlen, nicht zu warm zu baden. Um die Wunde zu schonen, sollte die Nahrung in den ersten zehn Tagen möglichst weich sein und nur wenig Säure enthalten. Auch säurehaltige Getränke wie Obstsäfte vermeidet man besser. Schmerzen können mit Mitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol gelindert werden.

Nachblutungen ernst nehmen

Die Wunde ist meist erst nach 2 bis 3 Wochen verheilt. Bis dahin können Nachblutungen auftreten. Dabei tritt meist Blut aus der Nase oder dem Mund aus. Nachblutungen sind zwar selten, können aber zu großen Blutverlusten führen, da die Mandeln stark durchblutet sind. Eine Blutung fällt aber nicht immer auf, weil Kinder dazu neigen, das Blut hinunterzuschlucken. Deshalb kann es ein Warnzeichen sein, wenn das Kind auffällig viel schluckt. Später kann es das Blut auch erbrechen, oder es kann Blut in die Luftröhre gelangen.

Bei jeder Nachblutung ist es wichtig, sofort ein Krankenhaus aufzusuchen oder über die Notrufnummer 112 einen Rettungsdienst zu verständigen. Das gilt auch, wenn die Blutung scheinbar von selbst wieder aufhört. Im Krankenhaus schauen die Ärztinnen oder Ärzte dann, ob eine erneute Operation nötig ist.

Im Zweifel kann eine zweite Meinung helfen

Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Wie belastend sind die Beschwerden? Wie wahrscheinlich ist es, dass sie von allein wieder verschwinden? Werden sie durch andere Erkrankungen verstärkt? Wie groß sind die Mandeln? Welche Erfolgsaussichten hat der Eingriff?

Bislang ist noch nicht ausreichend untersucht, wann die Vorteile einer Mandeloperation klar überwiegen und wann es besser ist, darauf zu verzichten. Deshalb kann es sein, dass Ärztinnen und Ärzte unterschiedliche Empfehlungen geben. Wird Ihrem Kind eine Mandeloperation empfohlen, kann es sinnvoll sein, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen – das heißt, sich in einer anderen Praxis oder Klinik beraten zu lassen. Zur Unterstützung kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten kurz zusammenfasst.

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