Operation bei Divertikulitis und Divertikelkrankheit

Foto von Patientin in der Sprechstunde (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Eine Darmoperation kann bei manchen Menschen anhaltende Divertikel-Beschwerden lindern – allerdings ist ein Eingriff nicht ohne Risiko. In bestimmten Situationen ist er nötig, um ernste Komplikationen einer Divertikulitis zu vermeiden.

Vorausgesetzt, es besteht kein Notfall, sollte eine Darmoperation wegen Divertikeln gut überlegt sein. Denn sie hat Risiken, und es gibt keine Garantie für Beschwerdefreiheit nach dem Eingriff. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt von der Stärke und Dauer der Beschwerden und dem Risiko für Komplikationen ab – sowie davon, wie gut es gelingt, die Beschwerden durch andere Maßnahmen (etwa eine Ernährungsumstellung) in den Griff zu bekommen.

Akute Divertikulitis

Bei einer akuten Divertikulitis ist meist keine Operation notwendig. Es gibt aber Ausnahmen: So wird der Eingriff unumgänglich, wenn sich durch die Entzündung Eiteransammlungen (Abszesse) gebildet haben und die Behandlung mit Antibiotika nicht erfolgreich war. Dann geht es darum, schwere Komplikationen wie einen Darmdurchbruch (Perforation) oder eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) zu vermeiden, die zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen kann.

Die Operation kann trotz erfolgreicher Behandlung sinnvoll sein, wenn sich ein größerer Abszess gebildet hat: Dann kommt es bei etwa der Hälfte der Betroffenen im Laufe weniger Jahre zu einem Rückfall, teilweise mit ernsten Komplikationen. Wegen dieses Risikos ist eine Operation hier eher angebracht und kann dann durchgeführt werden, wenn die Entzündung abgeklungen ist. Ein höheres Risiko für schwere Komplikationen haben aber auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder chronischen Nierenerkrankungen.

Chronische Divertikelkrankheit

Bei wiederkehrenden Entzündungen oder chronischen Beschwerden spielen schwere Komplikationen meist keine Rolle. Sie sind zwar möglich, aber eher die Ausnahme, solange die Entzündungen unkompliziert sind – das heißt, wenn sich keine Abszesse gebildet haben. Manchmal können sich infolge wiederholter Entzündungen auch Fisteln (röhrenartige Verbindungen zwischen zwei Organen) oder Verengungen (Stenosen) bilden. Da Fisteln das Risiko für Komplikationen erhöhen, wird in der Regel empfohlen, sie zu operieren. Ob ein Eingriff bei einer Stenose sinnvoll ist, hängt davon ab, wie ausgeprägt die Verengung ist.

In allen anderen Situationen ist das Ziel vor allem, die alltäglichen Beschwerden wie Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme zu lindern. Wie gut dies mithilfe einer Operation im Vergleich zu nicht operativen Behandlungen gelingt, ist erst wenig untersucht. Die bisherigen Studien deuten darauf hin, dass eine Operation die Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen besser lindern kann als Medikamente oder eine Ernährungsumstellung. Trotz Operation bleiben die Beschwerden bei manchen Menschen bestehen oder kehren wieder. Bei schätzungsweise 5 bis 25 von 100 Operierten bleiben die Beschwerden bestehen.

Lange Zeit wurde angenommen, dass das Risiko für Komplikationen steigt, je häufiger eine Divertikulitis auftritt. Deshalb raten manche Ärztinnen und Ärzte auch nach wiederholten unkomplizierten Entzündungen zu einem Eingriff. Mittlerweile zeigen Studien jedoch das Gegenteil: Bei der ersten Divertikulitis ist das Komplikationsrisiko am höchsten – mit weiteren Schüben sinkt es deutlich.

Wie wird operiert?

Das gängigste Operationsverfahren bei allen Formen der Divertikelkrankheit ist die Sigmaresektion. Das Sigma ist der Abschnitt des Dickdarms vor dem Mastdarm. Da der Druck des Stuhlgangs auf den Darm in diesem Abschnitt am höchsten ist, entstehen dort die meisten Divertikel. Bei der Operation wird mit dem Sigma auch ein kleiner Teil des Mastdarms entfernt. Da Divertikel auch in anderen Teilen des Darms sitzen können, ist es meist nicht möglich, alle Divertikel zu entfernen. Anschließend werden die Enden des Darms wieder aneinandergenäht.

In der Regel wird per Bauchspiegelung (Laparoskopie) operiert, es kann aber auch über einen großen Bauchschnitt operiert werden.

Vor dem Eingriff muss der Darm vollständig entleert sein. Dazu muss man am Tag vor dem Eingriff etwa 1 Liter Abführmittel und 2 bis 3 Liter Wasser trinken. Zusätzlich kann ein Einlauf verabreicht werden. Dies ist wichtig, damit während des Eingriffs kein Darminhalt in den Bauchraum austritt.

Grafik: Sigmaresektion: das häufigste Operationsverfahren bei Divertikelkrankheit - wie im Text beschriebenSigmaresektion: das häufigste Operationsverfahren bei Divertikelkrankheit

 

Welche Risiken hat eine Operation?

Bei der Operation kann es zu Verletzungen am Darm oder an benachbarten Organen kommen. Zudem können sich nach dem Eingriff Verwachsungen im Bauchraum bilden, die Schmerzen oder Verdauungsprobleme hervorrufen können.

Es kann passieren, dass kurze Zeit nach dem Eingriff die Naht undicht wird, die die beiden Darmenden zusammenhält. Dies wird Anastomoseninsuffizienz genannt. Durch eine undichte Naht kann Darminhalt in den Bauchraum austreten und zu gefährlichen Entzündungen im Bauchraum führen. Eine undichte Naht entsteht bei etwa 3 von 100 Operationen.

Von jeweils 100 Operationen kommt es außerdem etwa zu:

  • 2 Abszessen
  • 4 Wundinfektionen
  • 3 größeren Blutungen

Zudem bestehen die üblichen Operationsrisiken wie Probleme durch die Narkose, Lungenentzündungen oder Thrombosen.

Operation bei einer Bauchfellentzündung?

Aus einer komplizierten Divertikulitis kann sich eine Bauchfellentzündung entwickeln. Dabei kann sich Eiter im Bauchraum ausbreiten und sogar eine Blutvergiftung folgen. In diesem Notfall muss schnell operiert werden. Bei einer Bauchfellentzündung wird zunächst jedoch meist kein Teil des Darms entfernt. Stattdessen wird der Bauchraum gespült und ein künstlicher Darmausgang (Stoma) gelegt. Der Grund ist, dass die Entzündung vor einer Sigmaresektion erst vollständig abheilen muss. Nach einigen Monaten kann der künstliche Darmausgang wieder geschlossen und eine Sigmaresektion durchgeführt werden.

Sich entscheiden

Bis vor einigen Jahren wurde bei einer chronischen Divertikelkrankheit fast immer zu einem Eingriff geraten. Mittlerweile wird in ärztlichen Leitlinien mehr Zurückhaltung empfohlen. Es ist sinnvoll, vor einer Operation andere Behandlungsmöglichkeiten wie Medikamente und eine Ernährungsumstellung auszuschöpfen. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation spielt vor allem eine Rolle, welche alltäglichen Beschwerden man hat. Das Risiko für Divertikulitis-Komplikationen hat nur für bestimmte Menschen eine Bedeutung. Begleiterkrankungen, das Alter und die Lebensumstände sind ebenfalls wichtige Faktoren.

Es kann sein, dass Ärztinnen und Ärzte unterschiedliche Empfehlungen geben. Sich ausführlich über die Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und sich bei Zweifeln eine zweite Meinung einzuholen, kann helfen, sich zu entscheiden.

Schlagwörter: Divertikelkrankheit, Divertikulitis, K57, Verdauung und Stoffwechsel