„Offenes Bein": Helfen Hauttransplantate?

Foto von Patientin und Ärztin im Gespräch (Ryan McVay / Photodisc / Thinkstock) Schwer heilende Wunden, die sich infolge einer Venenschwäche entwickelt haben, können mit unterschiedlichen Hauttransplantaten behandelt werden. Die meisten sind noch nicht ausreichend erprobt. Einige Studien deuten aber darauf hin, dass zweilagige, aus menschlichen Zellen hergestellte Transplantate die Chance erhöhen, dass venöse Beingeschwüre innerhalb von sechs Monaten abheilen.

Vor allem im Alter entwickelt sich bei etwa einem von 100 Menschen eine chronische Wunde am Unterschenkel. Die häufigste Form ist der sogenannte Ulcus cruris, oft auch „offenes Bein“ oder Beingeschwür genannt. Dabei handelt es sich um eine schlecht heilende, wunde Stelle oder offene Wunde, die sich meist direkt über dem Fußknöchel bildet.

Wie entsteht ein „offenes Bein“?

Venöse Wunden können auftreten, wenn sich das Blut in den Beinvenen staut und nicht mehr richtig zum Herzen zurückfließt. Dies nennt man auch Venenschwäche (venöse Insuffizienz). Dabei können sich die Waden gespannt anfühlen und die Knöchel anschwellen.

Durch den Blutstau in den unteren Beinvenen werden die kleinen Gefäße (Kapillaren) abgedrückt, die auch die verschiedenen Hautschichten versorgen. Der entstandene Druck schädigt zudem das Gewebe und verhindert, dass Sauerstoff, Nährstoffe sowie Zellen der Wundheilung und Immunabwehr ins Gewebe gelangen. Mit der Zeit kann sich eine offene Wunde entwickeln.

Wenn die Durchblutung nicht richtig funktioniert, ist aber auch die Wundheilung erschwert. Deshalb kann es Monate, manchmal sogar Jahre dauern, bis eine venöse Wunde am Bein heilt. Solche schlecht heilenden Wunden können sehr schmerzhaft sein und den Alltag stark beeinträchtigen.

Hauttransplantate zur Behandlung von Wunden

Damit ein offenes Bein heilen kann, muss sich neue Haut bilden. Bei großflächigen Wunden werden Hauttransplantate verwendet, um die Heilung zu beschleunigen. Hauttransplantate bestehen entweder aus eigener Haut von einer anderen Körperstelle oder aus einem künstlich hergestellten Hautstück, das mit der gesunden Haut am Rand der Wunde verbunden wird. Das Transplantat verwächst dann mit der körpereigenen Haut und hilft so, die Wunde zu schließen.

Die Haut für eine Transplantation kann Menschen oder Tieren entnommen werden. Sie kann aber auch aus menschlichen Zellen im Labor gezüchtet und als Transplantat genutzt werden. Ferner lässt sich Haut biotechnologisch nachbilden, indem Hautzellen mit anderen Materialien kombiniert werden. Wenn dabei Zellen aus zwei Hautschichten verwendet werden, entstehen sogenannte zweilagige Transplantate. Alle Transplantate bergen ein geringes Infektionsrisiko.

Einfluss von Hauttransplantaten auf die Wundheilung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration wollten wissen, ob Hauttransplantate wirksamer sind als die übliche Behandlung von venösen Beinwunden – und wie unterschiedliche Transplantate im Vergleich abschneiden. Dazu suchten sie nach Studien, in denen geprüft wurde, ob Hauttransplantate die Heilungschancen erhöhen. Die Wissenschaftlergruppe fand 17 solcher Studien, an denen etwas mehr als 1000 Menschen teilgenommen hatten. Die meisten dieser Studien waren klein und hatten viele unterschiedliche Transplantate getestet. Das bedeutet, dass zu jeweils einer Transplantatform nur wenige Daten zur Verfügung stehen. Daher sind zu den meisten Produkten keine Aussagen zur Wirkung möglich.

An zwei etwas größeren Studien nahmen fast 350 Personen teil, die alle eine schlecht heilende Wunde am Bein hatten. In beiden Studien erhielt jeweils eine Gruppe zweilagige, aus menschlichen Zellen hergestellte Transplantate und Kompressionsverbände. Die andere Gruppe wurde mit einfachen Wundauflagen und Kompressionsverbänden behandelt. Das Ergebnis der beiden Studien:

  • Bei 40 von 100 Teilnehmenden, die herkömmlich behandelt wurden, heilten die Wunden innerhalb von sechs Monaten komplett ab.
  • Dies war dagegen bei 61 von 100 Personen, die eine Hauttransplantation erhielten, der Fall.

Mit anderen Worten: Bei 21 von 100 Menschen heilte die Wunde nach einer Hauttransplantation schneller ab als bei einer herkömmlichen Behandlung.

Da die Studien aber nur zweilagige, aus menschlichen Zellen hergestellte Transplantate geprüft und zudem einige Einschränkungen hatten, halten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitere Forschung zur Wirkung von Hauttransplantationen für nötig. Auch um etwas über mögliche Nebenwirkungen von Hauttransplantaten bei venösen chronischen Beinwunden sagen zu können, gibt es noch zu wenig Forschungsergebnisse.

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