Einleitung

Die feste Kombination der Wirkstoffe Netupitant / Palonosetron (Handelsname Akynzeo) ist seit Mai 2015 für Erwachsene zugelassen, die eine Chemotherapie gegen eine Krebserkrankung erhalten. Netupitant / Palonosetron soll Übelkeit und Erbrechen vorbeugen. Es kommt infrage für:

  • Personen, die eine Chemotherapie erhalten, die bei vielen Patienten Brechreiz auslöst,
  • Personen, die eine Chemotherapie auf Cisplatin-Basis erhalten, die bei fast allen Patienten Brechreiz auslöst.

Eine Chemotherapie soll das Wachstum von Krebszellen aufhalten. Die Medikamente wirken aber auch auf gesunde Zellen. Das kann zu unerwünschten Wirkungen wie Haarausfall, Blutarmut, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.

Chemotherapien, die auf das Brechzentrum im Gehirn einwirken und Übelkeit und Erbrechen auslösen, nennt man emetogen. Übelkeit und Erbrechen können akut innerhalb von 24 Stunden oder verzögert, also 24 Stunden nach Beginn der Chemotherapie, auftreten.

Netupitant und Palonosetron setzen an unterschiedlichen Stellen an, um Übelkeit und Erbrechen zu verhindern: Palonosetron ist ein sogenannter Serotonin-Antagonist. Er bekämpft im Magen-Darm-Trakt den akuten Brechreiz. Netupitant, ein Neurokinin-1-Rezeptorantagonist, wirkt im zentralen und peripheren Nervensystem. Beide Substanzen hemmen die Wirkung von Botenstoffen, die das Brechzentrum im Gehirn anregen.

Anwendung

Netupitant / Palonosetron wird als Kapsel etwa eine Stunde vor Beginn jedes Chemotherapiezyklus eingenommen. Eine Kapsel enthält 300 mg Netupitant und 0,5 mg Palonosetron.

Wird gleichzeitig das Kortisonpräparat Dexamethason eingenommen, ist die Dosierung zu halbieren.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, gibt es verschiedene Standardtherapien, um Übelkeit und Erbrechen vorzubeugen. Diese hängen davon ab, welche Chemotherapie eingesetzt wird.

  • Für Patientinnen und Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, die bei vielen Patienten Brechreiz auslöst, kommt eine Zweifachtherapie mit einem Serotonin-Antagonisten und Dexamethason infrage.
  • Für Patientinnen und Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, die bei fast allen Patienten Brechreiz auslöst, kommt eine Dreifachtherapie mit einem Serotonin-Antagonisten, einem Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten und Dexamethason infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2015 geprüft, welche Vor- und Nachteile Netupitant / Palonosetron im Vergleich zu den bewährten Standardtherapien gegen Übelkeit und Erbrechen hat.

Für Patientinnen und Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, die bei vielen Patienten Brechreiz auslöst, legte der Hersteller keine geeigneten Daten vor. Für diese Menschen kann daher die Frage, welche Vor- und Nachteile Netupitant / Palonosetron gegenüber den Standardtherapien hat, nicht beantwortet werden.

Für Patientinnen und Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, die bei fast allen Patienten Brechreiz auslöst, legte der Hersteller eine Studie vor. Aus dieser Studie konnten die Daten von 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern herangezogen werden: 74 Personen erhielten die Fixkombination Netupitant / Palonosetron und Dexamethason und 26 Personen eine Dreifachtherapie mit Palonosetron (Serotonin-Antagonist), Aprepitant (Neurokinin-1-Rezeptorantagonist) und Dexamethason. Die Ergebnisse dieser Studie sind im Folgenden dargestellt.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Im Vergleich zwischen Netupitant / Palonosetron und der Standardtherapie zeigte sich kein relevanter Unterschied.
  • Nebenwirkungen: Im Hinblick auf das Auftreten schwerer Nebenwirkungen oder Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen konnte in der Studie kein bedeutsamer Unterschied zwischen den beiden Behandlungen gezeigt werden.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Übelkeit und Erbrechen: Die Studie liefert keine geeigneten Daten, wie die Fixkombination Netupitant / Palonosetron im Vergleich zur Standardbehandlung abschneidet.
  • Lebensqualität: In der Studie wurde die Lebensqualität nicht untersucht.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den .