Einleitung

Nalmefen (Handelsname Selincro) ist seit Februar 2013 für Personen mit Alkoholabhängigkeit zugelassen, die keine körperlichen Entzugserscheinungen haben und keinen sofortigen Entzug benötigen. Das Mittel kommt für Personen infrage, die ihren Alkoholkonsum verringern möchten, das aber innerhalb von zwei Wochen nicht aus eigenem Antrieb schaffen. Bei Männern muss die tägliche Alkoholmenge über 60 Gramm, bei Frauen über 40 Gramm pro Tag liegen. Das entspricht bei Männern etwa drei Flaschen Bier und bei Frauen zwei Flaschen.

Nalmefen kommt insbesondere für Männer und Frauen infrage, die gar keinen Alkohol mehr trinken wollen, die aber auf einen Therapieplatz warten müssen.

Nalmefen beeinflusst die Freisetzung von Botenstoffen im Gehirn. Der Wirkstoff soll so das Verlangen nach Alkohol dämpfen.

Anwendung

Patientinnen und Patienten sollen eine Tablette Nalmefen an den Tagen einnehmen, an denen sie anfällig dafür sind, Alkohol zu trinken. Die Dosis beträgt 18 Milligramm. Personen mit Alkoholabhängigkeit wissen meist, wann im Verlauf eines Tages ihr Verlangen einsetzt. Der Wirkstoff sollte ein bis zwei Stunden vorher eingenommen werden.

Die Behandlung wird mit einer psychosozialen Maßnahme wie beispielsweise einer Beratung, einer Verhaltens- oder Psychotherapie kombiniert.

Andere Behandlungen

Wenn Medikamente zur Verminderung des Alkoholkonsums infrage kommen, steht für Patientinnen und Patienten mit Alkoholabhängigkeit bisher als Standardtherapie eine Behandlung mit Naltrexon zur Verfügung. Auch hier soll eine Beratung, Verhaltens- oder Psychotherapie die medikamentöse Therapie ergänzen.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Ende 2014 geprüft, welche Vor- und Nachteile Nalmefen in Verbindung mit einer psychosozialen Maßnahme im Vergleich zu Standardtherapien für Personen mit Alkoholabhängigkeit hat.

Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor. Ob Nalmefen Vor- oder Nachteile hat, lässt sich deshalb nicht beurteilen.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Nalmefen (Selincro).