Einleitung

Foto von Frau mit Nackenschmerzen (George Doyle / Photos.com) Akute Nackenschmerzen sind weit verbreitet und normalerweise kein Grund zur Sorge. Oft sind sie mit Muskelverspannungen verbunden, zum Beispiel nach langer Computerarbeit, wenn man Zugluft ausgesetzt war oder im Schlaf ungünstig gelegen hat. Nackenschmerzen können aber auch ohne erkennbaren Grund einsetzen. Solche Schmerzen klingen in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab. Bei manchen Menschen kehren sie auch nach bestimmten Belastungen wieder, etwa nach der Arbeit oder intensivem Sport.

Eine genaue Ursache für Nackenschmerzen zu finden, gelingt nur selten. Oft tragen mehrere Faktoren zu ihrer Entstehung bei. Andere beeinflussen, wie sie sich entwickeln: So kommen oft psychische Belastungen und Stress hinzu, wenn Nackenschmerzen chronisch werden. Von chronischen Nackenschmerzen spricht man, wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten. Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule spielen meistens keine entscheidende Rolle.

Manche Menschen mit Nackenschmerzen befürchten, dass ihre Beschwerden zunehmen oder sie sich verletzen könnten, wenn sie körperlich aktiv bleiben. Dies ist bei Schmerzen ohne Warnzeichen für ernsthafte Probleme in der Regel aber nicht der Fall. Auf lange Sicht ist es sogar sinnvoll, trotz Schmerzen in Bewegung zu bleiben und wie gewohnt dem Alltag nachzugehen. Den Nacken gezielt zu trainieren, kann mit der Zeit die Belastbarkeit erhöhen.

Symptome

Es gibt verschiedene Arten von Nackenschmerzen. Oft treten sie in einem begrenzten Bereich auf. Fachleute sprechen dann von axialen Schmerzen. Sogenannte radikuläre Schmerzen strahlen dagegen entlang von Nervenbahnen aus, zum Beispiel in den Hinterkopf oder bis in einen Arm. Dies kann auch die Reflexe und Muskelkraft in diesen Bereichen beeinträchtigen und zu Kribbeln oder ähnlichen Symptomen führen. Radikuläre Schmerzen werden meist durch eine gereizte Nervenwurzel ausgelöst, etwa infolge einer Bandscheibenveränderung.

Nur sehr selten weisen Nackenschmerzen auf eine ernsthafte Erkrankung oder einen Notfall hin. Wenn sie mit folgenden Symptomen oder Situationen verbunden sind, ist rasche ärztliche Hilfe wichtig:

  • Nervenstörungen und Lähmungserscheinungen wie zum Beispiel Probleme, den Arm oder die Finger zu bewegen
  • vorangegangener Unfall
  • gleichbleibend starke Schmerzen in Ruhe wie bei Bewegung
  • unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Fieber oder Schüttelfrost
  • Kontrollverlust beim Wasserlassen oder Stuhlgang

Auch dauerndes Kribbeln, häufig eingeschlafene Hände oder Beine, Schwäche in den Beinen und Probleme mit der Balance beim Gehen sind Beschwerden, die ärztlich abgeklärt werden sollten.

Ursachen

Nackenschmerzen können viele verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören:

  • schwache Halsmuskulatur und Überlastung: Langes Sitzen am Schreibtisch – oft in ungünstiger Haltung und mit dauernd leicht angespannten Muskeln – kann zu Schmerzen und Steifheit im Nacken- oder Schulterbereich führen, manchmal auch zu Kopfschmerzen. Bei schwacher Hals- und Rumpfmuskulatur können zudem andere Belastungen muskuläre Probleme auslösen, etwa Sportarten wie Rennradfahren oder Brustschwimmen.
  • Verschleiß an den Gelenken der Halswirbelsäule: Im Laufe des Lebens können an der Wirbelsäule verschiedene Verschleißerscheinungen auftreten: Etwa wenn der Abstand zwischen den Wirbelkörpern kleiner wird und sich kleine Zacken an den Rändern der Wirbelkörper bilden. Dies nennt sich Osteochondrose. Eine Arthrose an den Wirbelgelenken bezeichnet man als Spondylarthrose. Grundsätzlich gehört Verschleiß aber zum normalen Alterungsprozess dazu. Dadurch kann die Beweglichkeit der Halswirbelsäule abnehmen, dies ist aber eher selten mit Nackenschmerzen verbunden.
  • Veränderungen an den Bandscheiben: Auch die Bandscheiben verschleißen: Ihr Gewebe wird spröde. Weniger elastische Bandscheiben können Druckbelastungen nicht mehr so gut abfangen. Manchmal wölbt sich dann Bandscheibengewebe vor, oder es kommt zu einem Bandscheibenvorfall.
  • Schleudertrauma: Diese Verletzung kann bei Auffahrunfällen entstehen. Durch einen heftigen Aufprall werden Halswirbelsäule, Bänder und Muskeln rasch vor und zurück geschleudert. Die Folge sind meist kleine Verletzungen im Muskel- und Bindegewebe, schmerzhafte Verspannungen und eingeschränkte Beweglichkeit für einige Tage. Meist bilden sich die Symptome bald wieder vollständig zurück.
  • Verengung des Wirbelkanals oder Bandscheibenvorfall: Wenn der Wirbelkanal verengt ist oder vorgewölbtes oder ausgetretenes Bandscheibengewebe auf eine Nervenwurzel drückt, kann es zu Nackenschmerzen kommen, die in die Schulter oder den Arm ausstrahlen.

Nackenschmerzen können zudem als Begleiterscheinung bei entzündlichen Erkrankungen der Wirbelsäule, Problemen im Kiefergelenk oder starken Kopfschmerzen auftreten.

Oft ist es aber nicht möglich, eine eindeutige Ursache für Nackenschmerzen auszumachen: Verschleiß kann, muss aber nicht zu Schmerzen führen. Zudem liegen die Knochen, Bänder und Nerven der Halswirbelsäule so eng beieinander, dass sich meist nur schwer beurteilen lässt, was letztlich die Beschwerden ausgelöst haben könnte.

Wenn sich kein bestimmter Grund finden lässt, spricht man von „unspezifischen Nackenschmerzen“. Gerade bei chronischen Nackenschmerzen ist die Ursache oft unklar.

 

Grafik: Aufbau der Halswirbelsäule: Knochen, Bandscheiben und NervenAufbau der Halswirbelsäule: Knochen, Bandscheiben und Nerven

Häufigkeit und Verlauf

Nackenschmerzen sind sehr häufig: Nach Schätzungen hat fast jeder Dritte einmal im Jahr damit zu tun, Frauen öfter als Männer. Meist sind die Beschwerden harmlos und verschwinden nach einer Weile von selbst wieder. Sie können aber immer wieder auftreten. Bei schätzungsweise jedem zehnten Menschen mit wiederkehrenden Beschwerden werden die Schmerzen chronisch.

Grundsätzlich steigt mit dem Alter das Risiko, dass die Nackenschmerzen zu einem längerfristigen Problem werden. Auch bei Menschen, die bereits mit Rückenschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall zu tun hatten, sind Nackenschmerzen oft hartnäckiger.

Wie sich Nackenschmerzen nach einem Schleudertrauma entwickeln, hängt unter anderem von der Stärke des Aufpralls ab. Menschen, die der Unfall psychisch sehr belastet oder die sich große Sorgen über die Folgen machen, haben oft längere und stärkere Beschwerden.

Diagnose

In der Arztpraxis werden zunächst einige Fragen gestellt – etwa, ob man zuvor einen Unfall hatte, wo genau es schmerzt und ob besondere körperliche Belastungen oder starker Stress eine Rolle spielen könnten.

Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung geht es zunächst darum, ernsthafte Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. Dazu tastet die Ärztin oder der Arzt den Hals und Nacken ab, untersucht die Beweglichkeit des Kopfes, die Reflexe und die Muskelkraft.

Eine Röntgenuntersuchung, Computer- oder Kernspintomografie ist normalerweise nur bei Verdacht auf eine Unfallverletzung oder bei Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung nötig. Fehlen solche Hinweise, helfen Röntgenaufnahmen oft nicht weiter: Denn einerseits haben auch viele Menschen ohne Schmerzen Auffälligkeiten an Knochen oder Bandscheiben. Andererseits können bei Menschen mit Schmerzen keine oder nur wenige Veränderungen zu sehen sein. Deshalb ist es bei unspezifischen Nackenschmerzen mit Röntgen- und anderen bildgebenden Untersuchungen schwierig oder unmöglich, eine eindeutige Ursache zu finden.

Behandlung

Unspezifische Nackenschmerzen können mit Schmerzmitteln sowie unter anderem mit Dehnungs- und Kräftigungsübungen, Massagen, Kälte- und Wärmeanwendungen behandelt werden.

Eine Operation kommt nur infrage, wenn eine eindeutige Ursache festgestellt wurde, die sich durch einen Eingriff mit guter Aussicht auf Erfolg beheben lässt. Eine Operation kann zum Beispiel sinnvoll sein, um Bandscheibengewebe zu entfernen, das auf einen Nerv drückt. Mit der Zeit können sich aber selbst Beschwerden durch einen Bandscheibenvorfall von allein oder mithilfe von konservativen Behandlungen bessern, sodass eine Operation möglicherweise keinen großen Vorteil hat. Hinzu kommt, dass Eingriffe im Bereich der Halswirbelsäule auch Risiken haben. Deshalb ist es wichtig, die Vor- und Nachteile einer Operation sorgfältig abzuwägen.

Bei chronischen Schmerzen kann eine begleitende Schmerzbehandlung sinnvoll sein. Sie wird von Ärztinnen, Ärzten oder psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten angeboten, die sich auf die Betreuung von Menschen mit lang anhaltenden oder starken Schmerzen spezialisiert haben. Eine Schmerzbewältigungstherapie kann dabei helfen, so mit den Beschwerden umzugehen, dass sie nicht mehr den Alltag bestimmen.

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Schlagwörter: M50, M53, M54.1, Muskeln, Knochen und Gelenke, Nackenschmerzen