Multimodale Schmerztherapie und kognitive Verhaltenstherapie

Foto von Patient in einer Psychotherapie-Sitzung (PantherMedia / Dmitriy Shironosov) Kreuzschmerzen, die trotz Behandlung nicht verschwinden oder immer wiederkehren, können stark einschränken. Eine Möglichkeit ist dann zu lernen, besser mit den Schmerzen umzugehen – zum Beispiel mithilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie oder im Rahmen einer multimodalen Schmerzbehandlung.

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gehört zu den wirksamsten Behandlungen bei chronischen Kreuzschmerzen. Während der Behandlung lernt man unter anderem, unnötige Ängste und Gedanken abzubauen, mit denen man sich selbst schadet. Dies kann helfen, besser mit Schmerzen zurechtzukommen und sie dadurch auch zu lindern.

Unnötig ist zum Beispiel die verbreitete Angst, mit bestimmten Aktivitäten dem Rücken zu schaden. Denn auf Dauer schadet es eher, sich zu schonen – während Bewegung hilft, die Muskulatur zu kräftigen und Schmerzen vorzubeugen. Trotz Schmerzen körperlich aktiv zu bleiben oder wieder zu werden, ist nicht einfach. Wichtig ist, sich realistische Ziele zu setzen und weder zu sehr auf die Schmerzen zu achten noch sie zu verdrängen.

Die kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen. Während der Therapie lernt man, negative Gedanken zu erkennen, die zu schädlichem Verhalten führen. Im nächsten Schritt versucht man dann, solche Gedanken zu verändern. Beispiele dafür sind:

  • „Ich muss besonders vorsichtig sein, sonst verletze ich mich und die Beschwerden gehen nie weg.“
  • „Wegen meiner Schmerzen bleibe ich besser zu Hause, sonst werden sie noch schlimmer.“

Denkmuster wie diese können übertriebene Sorgen auslösen und zur Folge haben, dass man inaktiv wird und sich zurückzieht. Dies kann aber auf Dauer mehr Probleme verursachen und die Schmerzen noch verstärken.

Wie wirksam ist die kognitive Verhaltenstherapie?

Für die kognitive Verhaltenstherapie ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie chronische Kreuzschmerzen lindern und die empfundene Beeinträchtigung durch die Beschwerden verringern kann. In einer aussagekräftigen Studie bewirkte die kognitive Verhaltenstherapie im Vergleich zu einer üblichen konservativen Behandlung bei zusätzlich 1 bis 2 von 10 Menschen eine spürbare Besserung. Weitere Studien deuten darauf hin, dass eine KVT auch längerfristig wirksam sein könnte.

Die kognitive Verhaltenstherapie kann chronische Kreuzschmerzen zwar nicht zum Verschwinden bringen. Sie hilft jedoch, die Schmerzen zu lindern und besser mit ihnen zurechtzukommen. Im Rahmen der Behandlung werden oft auch Entspannungstechniken eingesetzt.

Wann werden die Kosten der Therapie übernommen?

Wenn chronische Kreuzschmerzen zu einem erheblichen Leidensdruck führen oder im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung wie Depression auftreten, kann eine Verhaltenstherapie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.

Es kann allerdings eine Weile dauern, einen Behandlungsplatz für eine psychotherapeutische Schmerzbehandlung zu bekommen.

Multimodale Behandlungsprogramme

Bei einem multimodalen Behandlungsprogramm wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut – meist aus Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Die Behandlung kombiniert Bewegung, Schulungen, Entspannungstechniken und die Behandlung mit Medikamenten. Psychotherapeutinnen und -therapeuten vermitteln in Gruppen- oder Einzelgesprächen psychologische Strategien, die helfen, mit chronischen Schmerzen zurechtzukommen und mit Belastungen bei der Arbeit oder in der Familie umzugehen. Multimodale Behandlungsprogramme werden im Rahmen einer Schmerztherapie oder zur Rehabilitation angeboten.

Multimodale Behandlungsprogramme können Rückenschmerzen auch über längere Zeit lindern. Da sich in Studien vor allem die kognitive Verhaltenstherapie auch längerfristig als hilfreich erwiesen hat, sollte sie in einem Behandlungsprogramm enthalten sein.

Multimodale Behandlungsprogramme werden vor allem von Schmerzkliniken, psychosomatischen Abteilungen in Krankenhäusern und orthopädischen, psychosomatischen oder rheumatologischen Rehabilitationszentren angeboten. Sie können in einer Klinik (stationär), ambulant oder teils in der Klinik, teils ambulant (teilstationär) stattfinden. Die Behandlungsprogramme dauern mindestens sieben Tage, üblich sind 2 bis 4 Wochen.

Eine Teilnahme kommt infrage, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben und die Lebensqualität oder Leistungsfähigkeit im Alltag stark beeinträchtigt sind. Sie können durch einen niedergelassenen Arzt verordnet werden, zum Beispiel in einer hausärztlichen, orthopädischen oder schmerzmedizinischen Praxis. Einen Behandlungsplatz bekommt man im Durchschnitt nach drei Monaten.

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