Mit welchen Medikamenten wird die feuchte AMD behandelt?

Foto von Patientin und Arzt im Gespräch (Catherine Yeulet / iStock / Thinkstock) Im Gegensatz zur trockenen Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) lässt sich die feuchte Form mit Medikamenten wirksam behandeln. Verschiedene Wirkstoffe können helfen, die Sehkraft zumindest vorübergehend zu verbessern oder länger zu erhalten.

Bei der feuchten AMD wachsen neue Blutgefäße unterhalb der Netzhaut. Sie wachsen in die Netzhaut ein und können sie anheben. Die neuen Gefäße können durchlässig werden, sodass Blut und Flüssigkeit in die Netzhaut sickern und den Bereich des zentralen Sehens schädigen.

Zur Behandlung der feuchten AMD werden vor allem folgende Wirkstoffe eingesetzt, die zur Gruppe der Anti-VEGF-Präparate gehören:

  • Ranibizumab (Handelsname Lucentis)
  • Aflibercept (Handelsname Eylea)

Daneben kommt das Medikament Bevacizumab (Avastin) zur Anwendung. Es ist allerdings nicht zur Behandlung der AMD, sondern von Krebserkrankungen zugelassen. Von Ärztinnen und Ärzten wird es deshalb „off-label“ verschrieben (siehe letzter Abschnitt).

Alle drei Medikamente haben ein ähnliches Wirkprinzip: Sie hemmen bestimmte Wachstumsfaktoren, die für das Einsprießen der abnormen Blutgefäße in das Auge verantwortlich sind. Ziel der Medikamenten-Behandlung ist es, das Fortschreiten der AMD zu verlangsamen oder zumindest vorübergehend aufzuhalten.

Wie werden die Medikamente angewendet?

Im Rahmen eines ambulanten Eingriffs werden diese Medikamente in den Glaskörper des Auges gespritzt. Dabei wird zunächst ein Betäubungsmittel ins Auge getropft. Danach spritzt die Ärztin oder der Arzt das eigentliche Medikament mit einer dünnen Nadel in das Augeninnere.

Zunächst bekommt man dreimal im monatlichen Abstand eine Medikamenten-Spritze. Wie oft die Behandlung wiederholt wird und in welchen Zeitabständen, hängt bei Lucentis davon ab, wie sich die Erkrankung entwickelt. Dazu werden regelmäßig Augenuntersuchungen und Sehtests durchgeführt. Eylea wird nach den ersten drei Behandlungsmonaten alle zwei Monate gespritzt. Nach einem Jahr wird dann ebenfalls je nach Krankheitsverlauf weiterbehandelt.

Wie gut sind die Medikamente untersucht?

Um den Nutzen von Lucentis und Avastin zu untersuchen, wertete eine Forschergruppe die Ergebnisse von elf Studien mit über 5000 Teilnehmenden aus:

  • drei Studien verglichen Lucentis mit einem Scheinmedikament (Placebo),
  • sechs Studien verglichen Lucentis mit Avastin,
  • zwei Studien verglichen Avastin mit einem Placebo.

Die meisten Studien waren von guter Qualität. Deshalb bieten ihre Ergebnisse eine gute Basis, um die Vor- und Nachteile dieser Medikamente einzuschätzen.

Das Medikament Eylea ist seit 2012 zur Behandlung der AMD zugelassen. In Studien wurde es mit Lucentis verglichen. Es bleibt aber weiterhin unklar, ob Eylea Vor- oder Nachteile gegenüber Lucentis hat.

Wie gut helfen die Medikamente?

Die Medikamente können die Verschlechterung des Sehens bei vielen Menschen mit einer feuchten AMD vorübergehend stoppen oder zumindest verlangsamen. Manchmal verbessert sich die Sehschärfe während der Behandlung sogar wieder. Heilen können sie die Erkrankung nicht.

Die Studien zu Lucentis zeigen, was Menschen mit einer feuchten AMD von der Behandlung erwarten können:

  • Ohne Behandlung: Bei etwa 60 von 100 Personen, die ein Placebo erhielten, verschlechterte sich die Sehschärfe innerhalb eines Jahres nur leicht oder blieb erhalten.
  • Mit Behandlung: Bei etwa 90 von 100 Personen, die Lucentis erhielten, verschlechterte sich die Sehschärfe im selben Zeitraum nur leicht oder blieb erhalten.

Anders ausgedrückt: Bei etwa 30 von 100 Menschen konnte Lucentis den Verlust der Sehschärfe spürbar verlangsamen.

Etwa 17 von 100 Menschen sahen durch das Medikament nach einem Jahr sogar wieder besser. Die Studien zeigen zudem, dass die Behandlung auch die Lebensqualität der Betroffenen verbessern konnte. Wie sich die Medikamente längerfristig auf den Krankheitsverlauf auswirken, ist noch nicht ausreichend untersucht.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Spritzen können zu vorübergehenden, normalerweise nur leichten Augenschmerzen führen. Flüssigkeit ins Auge zu spritzen, kann den Druck im Augeninneren erhöhen. Weitere häufige Nebenwirkungen sind das Sehen von Punkten oder Flecken, die sich bei Augenbewegungen mitbewegen. Sie entstehen, wenn durch das Spritzen Luftbläschen ins Augeninnere gelangen. Diese sind harmlos und verschwinden nach ein bis zwei Tagen von selbst.

Seltene, aber schwere Nebenwirkungen der Behandlung können sein: Eine Entzündung im Augeninneren (Endophthalmitis) oder der Augenhaut (Uveitis), Grauer Star oder Netzhautschäden. Solche Nebenwirkungen treten zusammengenommen bei weniger als einem von 100 Behandelten auf.

Studien deuten darauf hin, dass es durch die regelmäßige Anwendung der Medikamente ein leicht erhöhtes Risiko für Krankheiten der Gehirngefäße wie Durchblutungsstörungen, Blutungen oder Schlaganfälle geben könnte. Bei etwa einem von 100 Teilnehmenden, die Lucentis bekamen, löste es eine dieser Nebenwirkungen aus.

Off-Label: Avastin bei altersabhängiger Makuladegeneration

Wie bereits erwähnt, sind Lucentis und Eylea zur Behandlung der Makuladegeneration zugelassen, Avastin aber nur in der Krebstherapie. Die Wirkstoffe von Avastin und Lucentis sind sich jedoch sehr ähnlich. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Avastin bei der feuchten AMD genauso wirksam ist wie Lucentis.

Auch Nebenwirkungen treten bei Lucentis und Avastin vergleichbar häufig auf. Einzig Magen-Darm-Beschwerden sind bei Avastin etwas häufiger: In Studien hatten 3 von 100 mit Avastin behandelte Teilnehmende solche Beschwerden, im Vergleich zu 2 von 100 bei Lucentis.

Da Avastin bei vergleichbarer Wirksamkeit deutlich weniger kostet als Lucentis, wird es von einigen Ärztinnen und Ärzten „off-label“ zur AMD-Behandlung verschrieben. Eine Behandlung im Rahmen des sogenannten Off-Label-Use erfordert eine besondere ärztliche Aufklärung. Zudem sind Krankenkassen nicht verpflichtet, die Kosten einer solchen Behandlung zu erstatten. Es ist daher wichtig, die Kostenübernahme vor der Behandlung mit der Krankenkasse zu klären.

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