Wann nützen Statine zur Cholesterinsenkung?

Foto von Frau beim Lesen eines Beipackzettels (PantherMedia / Diego Cervo) Ungünstige Cholesterinwerte können auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinweisen. Bestimmte Medikamente, die Statine, senken die Cholesterinmenge im Blut. Sie können Folgeerkrankungen vorbeugen und die Lebenserwartung verlängern. Ob sich ihre Einnahme lohnt, hängt aber auch davon ab, welche anderen Risikofaktoren ein Mensch hat.

Wenn allgemeine Maßnahmen nicht ausreichen, um das Herz-Kreislauf-Risiko wirksam zu senken, kann eine Behandlung mit Medikamenten infrage kommen. Ob eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist, hängt außer von den persönlichen Risikofaktoren auch davon ab, wie man die Vor- und Nachteile einer Behandlung für sich beurteilt.

Dabei spielt es eine große Rolle, ob bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie zum Beispiel eine Koronare Herzkrankheit besteht. Denn dann kann das Risiko zum Beispiel für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich erhöht sein. Medikamente können dieses Risiko deutlich senken.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie ist es hilfreich, ihre Vor- und Nachteile genauer zu kennen. Grundsätzlich gibt es verschiedene Wirkstoffgruppen, die Cholesterin senken können. Für Menschen, die noch nie einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, ist aber nur eine Gruppe von Medikamenten gut erprobt: die sogenannten Statine. Von ihnen sind in Deutschland mehrere Wirkstoffe zugelassen: Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pitavastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin.

Nutzen von Statinen und persönliches Risiko

Was die Risikosenkung durch Statine für eine einzelne Person bedeutet, hängt entscheidend davon ab, wie hoch ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Das persönliche Risiko kann gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt ermittelt werden.

Die folgende Tabelle verdeutlicht dies: Sie enthält Beispiele für zwei Männer und zwei Frauen, die ein „niedriges“ oder ein „erhöhtes“ Risiko haben. „Niedriges Risiko“ heißt: nur das Cholesterin ist ungünstig. „Erhöhtes Risiko“ heißt: Zu einem hohen Cholesterin kommen noch weitere Risikofaktoren wie zum Beispiel Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus hinzu.

Die erste Spalte der Tabelle gibt an, wie viele von 100 Personen in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommen, wenn sie kein Statin nehmen. Die zweite Spalte gibt an, bei wie vielen Personen in zehn Jahren eine dieser Folgeerkrankungen auftritt, wenn sie während dieser Zeit ein Statin einnehmen. Die dritte Spalte zeigt den Unterschied zwischen den beiden Gruppen: also die Zahl der Menschen, die die Einnahme eines Statins vor Herzinfarkten oder Schlaganfällen geschützt hat.

Tabelle: Risiko, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu haben
  Ohne Statin Mit Statin Vor Herzinfarkt oder Schlaganfall bewahrt
Frau mit niedrigem Risiko 4 von 100 3 von 100 1 von 100
Frau mit erhöhtem Risiko 18 von 100 13 von 100 5 von 100
Mann mit niedrigem Risiko 11 von 100 8 von 100 3 von 100
Mann mit erhöhtem Risiko 33 von 100 23 von 100 10 von 100

Die Tabelle verdeutlicht, dass Frauen und Männer mit einem erhöhten Risiko häufiger von einem Statin profitieren als jene mit einem niedrigen Risiko. Je höher also das eigene Risiko ist, desto größer ist die Aussicht, dass die Einnahme eines Statins nützt. Allerdings lässt sich nicht vorhersagen, wer von der Behandlung profitieren wird und wer nicht.

Welche Nebenwirkungen haben Statine?

Die meisten Menschen vertragen Statine gut. Einzelne Studien deuten aber an, dass es eine kleine Gruppe von Personen gibt, die empfindlicher auf Statine reagieren und bei denen die Mittel Muskelschmerzen auslösen können.

Eine weitere Nebenwirkung von Statinen ist, dass sie den Blutzuckerwert erhöhen können. In Studien führten Statine bei einer von 1000 Personen pro Jahr zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Ob dies eine gesundheitliche Bedeutung hat, ist jedoch unklar.

Eine äußerst seltene, aber ernsthafte Nebenwirkung ist die sogenannte Rhabdomyolyse. Dabei lösen sich die Muskelfasern bestimmter Muskeln langsam auf. Dadurch können bleibende Lähmungen auftreten und die frei werdenden Stoffe können die Nieren schwer schädigen. Diese Nebenwirkung trat in Studien bei einem von 10.000 Menschen auf, die längerfristig Statine anwendeten. Anzeichen hierfür können Muskelschmerzen und dunkel verfärbter Urin sein. Bei diesen Symptomen ist es daher wichtig, die Einnahme zu pausieren und umgehend ärztlichen Rat einzuholen.

Viele Menschen möchten es vermeiden, Medikamente über lange Zeit regelmäßig einzunehmen, etwa weil sie fürchten, dass sich mit der Zeit Wirkstoffreste im Körper ansammeln. Solche Befürchtungen sind unbegründet: Der Körper verfügt über verschiedene Mechanismen, um Arzneistoffe laufend abzubauen und auszuscheiden.

Schlagwörter: Blutfette, Cholesterin, E78, Herz und Kreislauf, Hypercholesterinämie, Statine