Einleitung

Lurasidon (Handelsname Latuda) ist seit März 2014 für Erwachsene mit Schizophrenie zugelassen.

Die Schizophrenie zählt zu den psychischen Erkrankungen. Dabei verändert sich das Denken und Fühlen, die Wahrnehmung und die Beurteilung der Realität sind gestört. Zu den möglichen Beschwerden gehören Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Realitätsverlust. Die Erkrankung beeinträchtigt das soziale Verhalten, den Antrieb und die Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen.

Eine Schizophrenie kann chronisch verlaufen oder schubweise wiederkehren. Ein akuter Krankheitsschub kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Die Erkrankung kann nach einem einmaligen Auftreten auch komplett ausheilen.

Sie wird normalerweise mit antipsychotischen Medikamenten aus der Gruppe der Neuroleptika behandelt. Neuroleptika drängen vor allem Wahnvorstellungen und Halluzinationen zurück. Außerdem haben die Mittel eine beruhigende Wirkung: Sie dämpfen Angst, Erregung und Aggressivität. Auch in der stabilen Phase nach einem akuten Krankheitsschub nehmen Betroffene Neuroleptika ein, um einem Rückfall vorzubeugen. Die Wahl des Wirkstoffs hängt vom Krankheitsbild sowie von den möglichen Nebenwirkungen ab. Eine Psychotherapie sollte die Arzneimitteltherapie ergänzen.

Lurasidon blockiert die Rezeptoren der biochemischen Botenstoffe (Neurotransmitter) Dopamin und Serotonin.

Anwendung

Lurasidon wird als Tablette zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen. Die Anfangsdosis beträgt einmal täglich 40 mg. Sie kann bei Bedarf gesteigert werden, sollte aber 160 mg nicht überschreiten.

Andere Behandlungen

Für Menschen mit Schizophrenie kommt als Standardtherapie eine Behandlung mit antipsychotischen Wirkstoffen wie Amisulprid, Aripiprazol, Olanzapin, Paliperidon, Risperidon, Quetiapin oder Ziprasidon infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2015 geprüft, welche Vor- und Nachteile Lurasidon für Erwachsene mit Schizophrenie im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien hat.

Dabei hat es zwischen zwei Anwendungsmöglichkeiten von Lurasidon unterschieden:

  • Lurasidon für Erwachsene mit Schizophrenie, die wegen akuter Beschwerden sofort behandelt werden müssen. Zu dieser Fragestellung legte der Hersteller drei Studien vor, die Lurasidon mit einer Standardtherapie verglichen. Die Standardtherapie bestand aus Risperidon, Olanzapine oder Quetiapin mit verzögerter Freigabe des Wirkstoffs. Den Studiendaten war allerdings nicht zu entnehmen, dass Lurasidon die Beschwerden einer Schizophrenie mindestens genauso gut lindert wie eine Standardbehandlung. Damit fehlte eine wesentliche Voraussetzung für die Beantwortung der Frage, welche Vor- und Nachteile Lurasidon bei akuter Schizophrenie gegenüber der bisherigen Standardtherapie hat.
  • Lurasidon als fortwährende Therapie, um einem Rückfall vorzubeugen. Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller eine relevante Studie vor. Ein Ziel der Studie war es nachzuweisen, dass Lurasidon Rückfälle mindestens so gut verhindert wie eine Standardtherapie mit Risperidon. Dies ist jedoch nicht gelungen.

Die weiteren Ergebnisse aus dieser Studie:

Welche Vorteile hat Lurasidon?

  • Verstopfung: Die Studie liefert einen schwachen Hinweis, dass Lurasidon seltener eine Verstopfung (Obstipation) auslöst. Etwa 2 von 100 Personen, die Lurasidon erhielten, hatten mit einer Verstopfung zu tun – verglichen mit etwa 7 von 100 Personen, die Risperidon erhielten.
  • Nebenwirkungen auf Geschlechtsorgane und Brustdrüse: Die Studie gibt einen schwachen Hinweis, dass Beschwerden, die die Geschlechtsorgane oder die Brustdrüse betreffen, bei einer Behandlung mit Lurasidon seltener auftreten. Etwa 5 von 100 Personen, die Lurasidon einnahmen, hatten damit zu tun – aber etwa 9 von 100 Personen, die Risperidon erhielten.

Welche Nachteile hat Lurasidon?

  • Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen: Die Studie liefert einen schwachen Hinweis, dass Lurasidon häufiger Nebenwirkungen auslöst, die zum Abbruch der Behandlung führen: 11 von 100 Personen, die Lurasidon erhielten, brachen die Behandlung ab – gegenüber 5 von 100 Personen, die die Standardbehandlung mit Risperidon erhielten.
  • Erbrechen: Die Studie ergab außerdem einen schwachen Hinweis, dass Personen, die Lurasidon erhielten, häufiger erbrechen: Bei 10 von 100 Personen, die Lurasidon einnahmen, traten Übelkeit und Erbrechen auf – im Vergleich zu etwa 4 von 100 Personen, die Risperidon erhielten.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Todesfälle: Im Vergleich zeigte sich bei Auswertung der Studie kein Unterschied zwischen einer Behandlung mit Lurasidon oder Risperidon.
  • Erneuter Krankenhausaufenthalt: In der Studie zeigte sich kein Unterschied.
  • Unruhe und Muskelstarre: Diese Nebenwirkungen traten in beiden Behandlungsgruppen gleich häufig auf.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Krankheitsbeschwerden: Aus den vorgelegten Daten lässt sich nicht sicher ableiten, ob Lurasidon die Beschwerden mindestens ähnlich gut lindert wie die Standardbehandlung mit Risperidon.
  • Lebensqualität: Die Studie enthielt keine Daten zur Lebensqualität.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den .