Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion behandelt?

Foto von Frau beim Lesen eines Beipackzettels (Dmitriy Yakovlev / iStock / Thinkstock) Eine Schilddrüsenüberfunktion kann mit Medikamenten, einer Operation oder einer Radiojodtherapie behandelt werden. Welche Therapie am besten geeignet ist, hängt vor allem von der Ursache der Erkrankung ab.

Wenn die Schilddrüse zu viele Hormone bildet und in den Blutkreislauf abgibt, kann es zum Beispiel zu Gewichtsverlust, nervöser Unruhe und Herzrasen kommen. Für eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommen verschiedene Ursachen infrage – die häufigste ist die sogenannte Basedow-Krankheit. Oft haben auch Schilddrüsenzellen, die zu viele Hormone produzieren, einen größeren Knoten gebildet oder sich in der gesamten Drüse verteilt (sogenannte Schilddrüsenautonomie).

Bei milden Verlaufsformen kann eine Schilddrüsenüberfunktion von selbst zurückgehen. In der Regel verschlechtern sich die Symptome aber ohne Therapie. Medikamente können manchmal ausreichen, um sie zu lindern. Dauerhaft verschwinden die Symptome aber meist nur nach einer Operation oder der sogenannten Radiojodtherapie.

Wann wird wie behandelt?

In der Regel wird zunächst die Überproduktion von Schilddrüsenhormonen mit Medikamenten gebremst, um normale Hormonwerte zu erreichen. Sie sind die Voraussetzung für weitere Behandlungen. Eine Schilddrüsenautonomie wird danach häufig mit Radiojod behandelt, bei stark vergrößerter Schilddrüse wird meist zu einer Operation geraten. Bei der Basedow-Krankheit reicht eine medikamentöse Therapie über einige Monate oft aus, um die Schilddrüsenfunktion zu normalisieren. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen kehrt die Schilddrüsenüberfunktion nach Absetzen der Medikamente wieder zurück. Dann sind eine Operation oder eine Radiojodtherapie sinnvoll.

Für die Wahl der Therapie sind nicht nur die Ursachen entscheidend: Manche Menschen vertragen zum Beispiel die nötigen Medikamente nicht, andere möchten sich nicht operieren lassen. Dann ist es ratsam, die infrage kommenden Behandlungsmöglichkeiten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen.

Welche Medikamente kommen infrage?

Die wichtigsten Medikamente zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion sind die sogenannten Thyreostatika. Sie hemmen die Bildung von Schilddrüsenhormonen. In der Regel werden die Wirkstoffe Thiamazol und Carbimazol eingesetzt. Wenn diese Mittel nicht vertragen werden, wird manchmal auch Propylthiouracil angewendet. Es ist in jedem Fall sinnvoll, die Vor- und Nachteile dieser Medikamente mit seiner Ärztin oder seinem Arzt abzuwägen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Thyreostatika-Therapie zählen Hautausschlag, Fieber und Gelenkbeschwerden. Bei Fieber ist ein sofortiger Arztbesuch wichtig, da es – wenn auch selten – auf eine gestörte Blutbildung (Agranulozytose) hinweisen kann.

Manchmal wird auch der Wirkstoff Perchlorat gegeben. Er verhindert, dass die Schilddrüse Jod aufnimmt. Jod ist ein Spurenelement, das die Drüse für die Hormonbildung benötigt. Steht viel Jod zur Verfügung, kann eine überaktive Drüse auch viele Hormone herstellen. Das Medikament wird zum Beispiel bei Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt, die sich einer Röntgenuntersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel unterziehen müssen.

Wenn die Hyperthyreose zu Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen führt, kann zusätzlich zu Thyreostatika auch ein Betablocker (meist Propranolol) eingenommen werden. Bei stark hervortretenden Augen im Rahmen einer Basedow-Krankheit werden auch kortisonhaltige Mittel eingesetzt.

Operation

Chirurginnen und Chirurgen gehen bei der Schilddrüsenoperation so vor: Ist lediglich ein einzelner Knoten (autonomes Adenom) für die Überfunktion verantwortlich, reicht es, den Knoten oder die betroffene Hälfte der Schilddrüse zu entfernen. Ist die gesamte Drüse vergrößert und von autonomem Schilddrüsengewebe oder Knoten durchsetzt, entfernen sie das Organ meist komplett. Dies wird auch gemacht, wenn bei einer Basedow-Krankheit operiert wird.

Neben den allgemeinen Operationsrisiken wie Blutungen, Wundinfektionen oder Wundheilungsstörungen ist es möglich, dass der sogenannte Stimmnerv (Nervus recurrens) verletzt wird. Die Folge können Heiserkeit, sehr selten auch Atemprobleme sein. Auch die Nebenschilddrüsen können geschädigt werden. Diese sind jeweils etwa so groß wie eine Linse, liegen der Schilddrüse von hinten an und steuern den Kalziumhaushalt. Heiserkeit und Funktionsstörung der Nebenschilddrüsen sind nach einer Schilddrüsenoperation meist nur vorübergehend.

Radiojodtherapie

Um Schilddrüsenhormone herstellen zu können, nimmt die Schilddrüse Jod auf. Diese Eigenschaft nutzt man bei der Radiojodtherapie aus: Radioaktives Jod (Radiojod) wird als Kapsel oder in Wasser gelöst eingenommen. Es sammelt sich in der Schilddrüse an und zerstört überaktive Zellen. Dadurch verringert sich die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Die Strahlungsmenge ist dabei sehr gering und verlässt den Körper zum Großteil innerhalb von ein paar Tagen auf natürlichem Wege. Um andere Menschen und die Umwelt nicht mit Strahlung zu belasten, ist eine Radiojodtherapie in Deutschland mit einem Krankenhausaufenthalt von wenigen Tagen verbunden. Während dieser Zeit wird man abgeschirmt und muss auf Besuche von Angehörigen in der Regel verzichten. Die Radiojodtherapie wird erst nach einigen Wochen wirksam.

Eine Radiojodtherapie ist für Schwangere und stillende Mütter nicht geeignet. Bei Menschen mit einer Basedow-Krankheit kann eine Radiojodtherapie möglicherweise das Risiko für Augensymptome wie hervortretende Augäpfel oder Sehstörungen erhöhen.

Schwerwiegende Komplikationen sind bei einer Radiojodtherapie sehr selten. Zum Beispiel kann vorübergehend der Schilddrüsenhormonspiegel ansteigen, da die zerstörten Zellen gespeichertes Schilddrüsenhormon freisetzen. Dann können Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten, etwa Herzbeschwerden. Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen haben und eine Radiojodtherapie erhalten, wird deshalb eine zusätzliche Behandlung mit Thyreostatika empfohlen. Dass eine Radiojodtherapie das Krebsrisiko erhöht, gilt als unwahrscheinlich. Die Studienlage dazu ist allerdings unklar.

Nach einer Schilddrüsenoperation oder einer Radiojodtherapie besteht oft eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Besonders dann, wenn ein großer Teil der Schilddrüse entfernt wurde oder viele Drüsenzellen zerstört wurden. Wird man wegen einer Basedow-Krankheit operiert oder mit Radiojod behandelt, ist ein vollständiges Entfernen oder Zerstören des Schilddrüsengewebes sogar beabsichtigt. Eine ausreichende Produktion von Schilddrüsenhormonen ist dann nicht mehr möglich – das bedeutet, dass man dann meist lebenslang Schilddrüsenhormone als Tabletten einnehmen muss. Richtig eingestellt, sind die Hormone aber gut verträglich. Bei zu hoher Dosierung können sie Beschwerden wie bei einer Schilddrüsenüberfunktion hervorrufen, zum Beispiel Herzrasen.

Schlagwörter: Basedow-Krankheit, Drüsen und Hormone, E05, E06, E07, Hyperthyreose, Kropf, Morbus Basedow, Schilddrüsenüberfunktion, Struma