Einleitung

Die Fixkombination aus Ledipasvir / Sofosbuvir (Handelsname Harvoni) ist seit Juli 2017 für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen, die mit Hepatitis-C-Viren infiziert sind. Die Behandlung soll die Vermehrung des Virus stoppen und dadurch Folgeerkrankungen der Hepatitis C verhindern.

Hepatitis-C-Viren (HCV) befallen die Leber und können dort eine akute Entzündung auslösen. Bisher sind sieben verschiedene Formen von Hepatitis-C-Viren bekannt, die als Genotypen 1 bis 7 bezeichnet werden. Bei bis zu 80 von 100 Personen mit Hepatitis C kann das Immunsystem allein das Virus nicht erfolgreich bekämpfen. Bei ihnen entwickelt sich eine dauerhafte (chronische) Entzündung der Leber, die zu einer sogenannten Zirrhose führen kann. Dadurch arbeitet die Leber zunehmend schlechter.

Solange die Leberfunktion durch die Zirrhose noch nicht merklich eingeschränkt ist, spricht man von einer kompensierten Zirrhose. Zeichen einer fortgeschrittenen (dekompensierten) Zirrhose können Wasseransammlungen im Bauchraum, Störungen der Blutgerinnung und neurologisch-psychiatrische Beschwerden bis hin zum Koma sein. Zudem steigt das Risiko für Leberkrebs. Man nimmt an, dass Behandlungen, nach denen im Blut dauerhaft keine Viren mehr nachweisbar sind, das Risiko für solche Folgeerkrankungen verringern.

Die Zulassung von Ledipasvir / Sofosbuvir beschränkt sich auf Personen mit chronischer Hepatitis C Genotyp 1, 3, 4, 5 oder Genotyp 6.

Anwendung

Ledipasvir / Sofosbuvir wird einmal täglich als Tablette unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen. Eine Tablette enthält 90 mg Ledipasvir und 400 mg Sofosbuvir. Die Behandlung dauert zwischen 8 und 24 Wochen. Dies hängt unter anderem von der Ausprägung der Krankheit ab. Der Wirkstoff wird je nach Krankheitsverlauf mit Ribavirin kombiniert.

Andere Behandlungen

Als Standardtherapie kommt für Jugendliche mit Hepatitis C, die noch nicht behandelt wurden, eine Kombination aus Peginterferon alfa und Ribavirin infrage.

Jugendliche mit Hepatitis C, bei denen eine frühere Behandlung erfolglos war, erhalten eine bestmögliche unterstützende Behandlung („Best Supportive Care“ oder BSC). Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Ende 2017 geprüft, welche Vor- und Nachteile Ledipasvir / Sofosbuvir für Jugendliche mit Hepatitis C im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien hat.

Für die Bewertung legte der Hersteller dem IQWiG eine Studie vor, die auf einige Fragen zumindest vorläufige Antworten gibt. In der Studie wurde die Behandlung mit Ledipasvir / Sofosbuvir untersucht, aber nicht direkt mit einer anderen Therapie verglichen. Die Resultate solcher Studien sind grundsätzlich wenig aussagekräftig für den Vergleich verschiedener Behandlungen. Die Studie wurde trotzdem für die Bewertung herangezogen, da es derzeit keinen Hinweis gibt, dass eine andere Therapie vergleichbar günstige Ergebnisse zeigt.

Personen mit chronischer Hepatitis C lassen sich nach Genotyp des Virus, nach Stadium ihrer Erkrankung und vorherigen Therapien in verschiedene Gruppen unterteilen. Für zwei Gruppen von Jugendlichen mit einer chronischen Hepatitis C, verursacht durch das Virus vom Genotyp 1, lagen Daten aus der Studie vor:

Das IQWiG wertete die Daten von insgesamt 100 Jugendlichen aus: 80 waren zuvor noch nicht mit einer anderen Therapie behandelt worden, bei 20 war eine frühere Behandlung erfolglos. Alle Jugendlichen nahmen über einen Zeitraum von 12 Wochen einmal täglich eine Tablette Ledipasvir / Sofosbuvir ein.

Welche Vorteile hat Ledipasvir / Sofosbuvir?

Folgeerkrankungen: Die Studie dauerte bisher nicht lange genug, um den Einfluss von Ledipasvir / Sofosbuvir auf Folgeerkrankungen wie Leberkrebs beurteilen zu können. Erste Abschätzungen weisen aber auf einen Vorteil von Ledipasvir / Sofosbuvir hin:

  • Bei etwa 98 von 100 Jugendlichen, die noch nicht mit einer anderen Therapie behandelt wurden, war 24 Wochen nach Abschluss der Behandlung kein Virus mehr im Blut nachweisbar.
  • Bei allen Jugendlichen, bei denen eine frühere Behandlung erfolglos war, war 24 Wochen nach Abschluss der Behandlung kein Virus mehr im Blut nachweisbar.

Solch günstige Ergebnisse sind für die Standardtherapien nicht zu erwarten. Wie groß der Vorteil von Ledipasvir / Sofosbuvir tatsächlich ist, lässt sich aber nicht abschließend beurteilen.

Wo gibt es keinen Unterschied?

Schwere Nebenwirkungen: Nach ersten Abschätzungen hat eine Behandlung mit Ledipasvir / Sofosbuvir im Vergleich zu einer Standardbehandlung keine größeren Nachteile. In der Studie traten keine schweren Nebenwirkungen auf.

Welche Fragen sind noch offen?

Lebensqualität: Die Studie enthielt keine Daten zur Lebensqualität.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Ledipasvir / Sofosbuvir (Harvoni).