Lässt sich Lippenherpes vorbeugen?

Foto von älterem Mann (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Mit Sonnencreme und guter Pflege kann man die Lippen vor möglichen Herpes-Auslösern wie Sonnenstrahlen und Rissen schützen. Ob vorbeugende Medikamente für Menschen mit einem gesunden Immunsystem hilfreich sind, ist nicht gut untersucht.

Manche Menschen haben immer wieder mit Lippenherpes zu tun. Bei schätzungsweise 5 bis 10 von 100 Betroffenen bricht das Virus mehr als fünfmal im Jahr aus. Wer vorbeugen möchte, kann versuchen, mögliche Auslöser zu vermeiden.

Für Menschen, die häufig Lippenherpes haben und sich dadurch sehr beeinträchtigt fühlen, kommt auch eine vorbeugende Behandlung mit virushemmenden Medikamenten zum Einnehmen infrage. Sie sind aber nur zur Vorbeugung von anderen Herpeserkrankungen zugelassen. Wenn sie bei Lippenherpes angewendet werden, handelt es sich um einen nicht bestimmungsmäßigen Gebrauch, für den besondere Regelungen gelten (Off-Label-Use).

Wodurch können Ausbrüche begünstigt werden?

Lippenherpes wird durch Viren verursacht, die sich in Nervenzellen der Lippen festgesetzt haben. Die meiste Zeit werden sie durch das Immunsystem in Schach gehalten. Ein Ausbruch ist wahrscheinlicher, wenn die Abwehr geschwächt ist. Als mögliche Auslöser gelten vor allem:

Die meisten dieser möglichen Auslöser lassen sich nicht oder nur bedingt vermeiden. Ob sich Ausbrüche verhindern lassen, indem man auf vermeidbare Auslöser wie Solarienbesuche und anstrengenden Sport verzichtet, ist nicht gut untersucht.

Manche Leute glauben, dass Ekel einen Herpes-Ausbruch auslösen kann. Das ist aber nicht durch Studien belegt.

Können Medikamente vor Lippenherpes schützen?

Bei sehr häufig wiederkehrendem Lippenherpes kommt eine vorbeugende Behandlung mit systemisch wirksamen Medikamenten infrage, die die Vermehrung der Viren hemmen. Systemisch nennt man eine Behandlung mit Arzneimitteln, die im Gegensatz zu einer örtlichen (lokalen) Therapie im ganzen Körper wirken. Zu diesen Medikamenten gehören Aciclovir, Famciclovir und Valaciclovir. Sie werden auch antivirale Mittel oder Virostatika genannt. Diese Mittel werden meist als Tabletten eingenommen. In Studien wurde überwiegend Aciclovir untersucht.

Medikamente zur Vorbeugung von Lippenherpes können je nach Behandlungsziel kurz- oder langfristig angewendet werden:

  • Kurzfristig bedeutet, dass die Mittel etwa eine Woche lang eingenommen werden, um einen Ausbruch möglichst zu verhindern – zum Beispiel kurz bevor und während eines Skiurlaubs, wenn man sich körperlicher Belastung und starkem Sonnenlicht aussetzt.
  • Langfristig bedeutet, dass die Mittel über mehrere Monate eingenommen werden, um die Zahl der Ausbrüche zu verringern.

Forschungsergebnisse zur kurzfristigen Anwendung

Es gibt nur wenige Studien zur kurzfristigen Vorbeugung von Lippenherpes mit Aciclovir bei Menschen mit gesundem Immunsystem. Es ist nicht nachgewiesen, dass eine kurzfristige Einnahme von virushemmenden Medikamenten vor Lippenherpes schützt.

Forschungsergebnisse zur langfristigen Anwendung

Eine einzelne Studie hat untersucht, ob Aciclovir vor Lippenherpes schützt, wenn es langfristig eingenommen wird. An dieser Studie nahmen Menschen teil, die mehr als fünfmal im Jahr Lippenherpes hatten. Sie nahmen das Medikament vier Monate lang zweimal täglich ein, in einer Dosis von insgesamt 800 mg pro Tag. Nach den vier Monaten zeigte sich:

  • Die Teilnehmenden, die lediglich ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen, bekamen im Durchschnitt zweimal Lippenherpes.
  • Die Teilnehmenden, die Aciclovir nahmen, bekamen im Durchschnitt einmal Lippenherpes.

Anders ausgedrückt: Die langfristige Anwendung von Aciclovir verringerte die Zahl der Ausbrüche um die Hälfte. Da dieses Ergebnis auf nur einer kleinen Studie mit 22 Teilnehmenden beruht, ist es allerdings sehr unsicher.

Aciclovir ist gut verträglich. Mögliche Risiken einer langfristigen Einnahme sind aber nicht gut untersucht. Bei einer Nierenschwäche werden niedrigere Dosierungen und Kontrollen der Nierenfunktion empfohlen, um mögliche Komplikationen zu vermeiden.

Was gilt bei einem geschwächten Immunsystem?

Sechs Studien haben untersucht, ob Aciclovir Menschen mit einem geschwächten Immunsystem vor Lippenherpes schützen kann. Im Studienzeitraum erhielten die Teilnehmenden eine Chemotherapie oder Knochenmarktransplantation zur Krebsbehandlung. Sie nahmen während dieser Zeit zusätzlich 4 bis 11 Wochen lang zwei- bis fünfmal täglich Aciclovir: Die Höchstdosis betrug 2000 mg pro Tag.

Die Ergebnisse zeigten, dass Aciclovir etwa 50 % der Personen während der Krebsbehandlung vor Lippenherpes schützen konnte. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können antivirale Medikamente das Risiko für Herpes-Ausbrüche also deutlich senken. Außerdem können sie einen Ausbruch eindämmen, wenn es doch dazu kommt.

Welche anderen Behandlungen kommen infrage?

Für äußerliche Behandlungen mit virushemmenden Cremes, Gels oder Salben wurde in bisherigen Studien keine vorbeugende Wirkung nachgewiesen. Fachleute gehen davon aus, dass diese Mittel nicht vor Lippenherpes-Schüben schützen können, weil die Wirkstoffe nicht bis in die befallenen Nervenzellen vordringen.

Auch andere Behandlungen wie das Mittel Lysin, Laserbestrahlungen, örtliche Wärmeanwendungen und Hypnose sind bislang kaum erforscht. Ob sie helfen können, ist daher unklar.

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