Komplementäre und alternative Therapien

Foto von Yoga-Übungen in einer Gruppe (PantherMedia / Ingram Vitantonio Cicorella) Studien geben Hinweise, dass fernöstliche Bewegungsarten wie Tai Chi, Qi Gong und Yoga Fibromyalgie-Beschwerden lindern können. Dass andere Behandlungen aus der Alternativ- oder Komplementärmedizin helfen, ist nicht nachgewiesen.

Menschen mit Fibromyalgie probieren mit der Zeit oft vieles aus, um die Schmerzen zu lindern und im Alltag mit der Erkrankung zurechtzukommen. Manche Menschen setzen große Hoffnung in komplementäre und alternative Verfahren und wenden sich an Heilpraktiker oder andere Anbieter solcher Methoden – vor allem, wenn sie das Gefühl haben, dass Ärztinnen und Ärzte ihnen nicht helfen können oder sie nicht ernst nehmen. Anbieter von komplementären und alternativen Behandlungen nehmen sich oft mehr Zeit. Sie müssen jedoch in der Regel privat bezahlt werden.

Andere Menschen halten nichts von komplementär- und alternativmedizinischen Behandlungen. Das hat auch damit zu tun, dass es für die meisten dieser Behandlungen keine naturwissenschaftlich anerkannte Wirkungsweise gibt. Ob eine Behandlung hilft, lässt sich unabhängig davon durch gut gemachte Studien prüfen. Solche Studien sind nötig, weil die Beschwerden einer Fibromyalgie schwanken. Daher kann es Zufall sein, wenn die Beschwerden nach einer bestimmten Behandlung zurückgehen – vor allem, weil man eine Behandlung am ehesten beginnt, wenn die Beschwerden besonders stark sind.

Welche Verfahren können helfen?

Für Menschen mit Fibromyalgie ist leichte körperliche Aktivität sehr wichtig. Am besten erforscht sind bislang Walking, Radfahren und Wassergymnastik. Studien weisen aber darauf hin, dass außerdem fernöstliche Bewegungsarten Fibromyalgie-Beschwerden lindern können. Dazu gehören Tai Chi, Qi Gong und ruhigere Yoga-Stile. Sie werden bei Fibromyalgie von den medizinischen Fachgesellschaften als Alternative zu anderen Bewegungsformen auch ausdrücklich empfohlen – am besten zwei- bis dreimal pro Woche für eine Stunde.

Für komplementär- und alternativmedizinische Behandlungen wie zum Beispiel Heilfasten, Homöopathie, Nahrungsergänzungsmittel oder eine Magnetfeldtherapie ist nicht durch Studien nachgewiesen, dass sie bei Fibromyalgie helfen. Anbieter von solchen Behandlungen argumentieren oft mit Behandlungserfolgen von einzelnen Patienten. Dies ist unseriös. Außerdem kommen Menschen, bei denen sich die Beschwerden verschlechtert haben oder unverändert geblieben sind, hierbei gar nicht zu Wort.

Warum ist eine gesunde Skepsis wichtig?

Die Frage, ob und wie komplementär- und alternativmedizinische Behandlungen wirken, ist auch deshalb wichtig, weil diese Verfahren entgegen weit verbreiteter Vorstellungen Nebenwirkungen haben können. Eine gesunde Skepsis ist daher auch bei manchen Angeboten von Ärztinnen und Ärzten angebracht. Beispielsweise gibt es keinerlei aussagekräftige Studien, die zeigen, dass sich eine Fibromyalgie durch eine bestimmte Operationstechnik (die sogenannte Quadranten-Operation) heilen lässt. Medizinische Fachgesellschaften raten daher von diesem Verfahren ab.

Es ist verständlich, dass Menschen mit Fibromyalgie nichts unversucht lassen wollen, um ihre Beschwerden zu lindern. Doch vor allem bei Behandlungen, die Heilung versprechen, sehr teuer sind und selbst bezahlt werden müssen, ist Vorsicht geboten. Immer neue Therapien zu beginnen, kann zudem zu immer neuen Enttäuschungen führen.

Für die meisten Menschen ist es ein wichtiger Schritt, die Erkrankung schließlich zu akzeptieren, statt gegen sie anzukämpfen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die dabei helfen, im Alltag mit der Erkrankung zurechtzukommen – von Bewegungstraining über Entspannungstechniken bis hin zu einer auf Schmerzbewältigung ausgerichteten kognitiven Verhaltenstherapie.

Schlagwörter: Chronische Schmerzen, Fibromyalgie, Kopf und Nerven, M79.7, Muskeln, Knochen und Gelenke, Muskelschmerzen, Psyche und Gemüt, Schmerzerkrankung