Behandlungen und Untersuchungen

Knochenuntersuchungen verstehen

Wie andere Körpergewebe und Organe können auch die Knochen erkranken. Die Ursache können Brüche oder Verschleißerscheinungen, Entzündungen oder eine Krebserkrankung sein. In jungen Jahren sind Verletzungen und Brüche häufig. Mit dem Alter nimmt die Anfälligkeit für Erkrankungen wie Osteoporose und Arthrose zu. Um herauszufinden, welche Ursache Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen haben, stehen verschiedene Knochenuntersuchungen zur Verfügung.

Bevor bildgebende Untersuchungen oder Tests gemacht werden, wird die Patientin oder der Patient in der Regel zunächst befragt (Anamnese) und körperlich untersucht. Zur Anamnese bittet die Ärztin oder der Arzt, Beschwerden zu beschreiben und fragt beispielsweise nach Art und Ort von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Auch Erkrankungen in der Vergangenheit oder in der Familie sowie Informationen zu beruflichen Belastungen und dem persönlichen Lebensstil können hilfreiche Informationen liefern. Bei der körperlichen Untersuchung untersucht die Ärztin oder der Arzt den Körper ohne technische Hilfsmittel beispielsweise auf Fehlstellungen und Beweglichkeit. Ergibt sich ein Verdacht auf ein bestimmtes Problem, können dann verschiedene bildgebende Untersuchungen und andere Tests infrage kommen.

Röntgenuntersuchung

Mit Röntgenstrahlen lassen sich verschiedene Bereiche des Körpers durchleuchten. Da unterschiedliche Arten von Gewebe unterschiedlich viel Strahlung durchlassen, können auf diese Weise bestimmte Strukturen abgebildet werden. Wegen ihrer Dichte fangen Knochen fast die ganze Röntgenstrahlung auf – sie sind daher deutlich als weiße oder graue Konturen auf dem Röntgenbild zu erkennen. Weiche Gewebe wie Fett und Muskeln lassen fast die ganze Strahlung durch – sie sehen im Röntgenbild schwarz aus.

Deshalb sind Röntgenaufnahmen besonders zur Darstellung von Knochen, aber weniger gut zur Untersuchung von Weichteilen geeignet. Da Röntgenuntersuchungen immer mit einer Strahlenbelastung einhergehen, sollten sie nur durchgeführt werden, wenn sie medizinisch notwendig sind. Schwangere Frauen dürfen nur im äußersten Notfall geröntgt werden.

Wann wird sie eingesetzt?

Geröntgt wird beispielsweise, um Knochenbrüche, Verschleißerscheinungen, Fehlstellungen und die Folgen von Knochenentzündungen zu erkennen oder auszuschließen.

Wie läuft sie ab?

Vor der Untersuchung wird man gebeten, den Körperabschnitt zu entkleiden, der geröntgt wird, und Schmuck abzulegen. Je nachdem welcher Körperteil geröntgt wird, findet die Untersuchung im Sitzen, Liegen oder Stehen statt. Der Körper befindet sich während des Röntgens zwischen der Strahlenquelle und dem Aufnahmegerät. Wegen der Strahlenbelastung werden die Geschlechtsorgane, sofern möglich, mit einer Bleischürze abgeschirmt. Auch das medizinische Personal schützt sich in der Regel durch eine Bleischürze. Die Aufnahme selbst dauert nur wenige Sekunden.

Computertomografie

Die Computertomografie (CT) ermöglicht genauere Röntgenaufnahmen des Körpers. Die Röntgenstrahlung wird hierbei aus unterschiedlichen Richtungen durch den Körper geschickt. Außerdem wird nicht die ganze Untersuchungsregion auf einmal durchstrahlt, sondern immer nur dünne Scheiben („Schichten“).

Aus den vielen Informationen der einzelnen Aufnahmen berechnet der Computer ein mehrdimensionales Schnittbild der jeweiligen Körperregion. Eine CT-Aufnahme geht mit einer deutlich höheren Strahlenbelastung einher als eine einfache Röntgenuntersuchung.

Wann wird sie eingesetzt?

Eine Computertomografie wird beispielsweise eingesetzt, um Veränderungen der Knochen zu sehen, die auf einem klassischen Röntgenbild nicht oder nicht eindeutig zu erkennen sind.

Wie läuft sie ab?

Bei dieser Untersuchung wird man liegend durch ein ringförmiges CT-Gerät geschoben. Dabei rotiert eine Röntgenquelle im CT-Gerät um die ausgewählte Körperregion. Die Untersuchung dauert, je nach Größe der zu untersuchenden Region, etwa 5 bis 30 Minuten.

Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie)

Auch bei einer Kernspintomografie werden detaillierte Schnittaufnahmen des Körpers erstellt. Dabei kommen jedoch keine Röntgenstrahlen zum Einsatz, sondern Magnetfelder und Radiowellen. Das Verfahren wird daher auch Magnetresonanztomografie (MRT) genannt.

Der Kernspintomograf misst – etwas vereinfacht gesagt – die Aktivität in den Wasserstoffatomen des Körpers. Die so gemessenen Signale werden in Bildinformationen umgewandelt und auf einem Computer als zwei- oder dreidimensionale Abbildungen von Knochen, Gelenken und Weichteilen dargestellt.

Aufgrund ihres hohen Wassergehalts lassen sich Weichteile wie Muskeln, Bänder oder Gelenkknorpel in der Kernspintomografie besonders gut beurteilen.

Wann wird sie eingesetzt?

Eine Kernspintomografie wird unter anderem bei Erkrankungen der Knie, Schulter oder Wirbelsäule eingesetzt. So sollen beispielsweise Abnutzungen, Band- und Meniskusverletzungen sowie Entzündungsprozesse an den Knochen sichtbar werden.

Wie läuft sie ab?

Der Kernspintomograf ist ein großes, röhrenartiges Gerät, in dem sich spezielle Spulen befinden, die die Magnetfelder und Radiowellen erzeugen. Für die Untersuchung muss man auf einer Liege Platz nehmen, die dann ganz oder teilweise in eine Röhre gefahren wird – je nachdem, welcher Körperteil untersucht werden soll. Während der Messungen sind laute klopfende Geräusche zu hören. Für einige Menschen kann die Untersuchung wegen der räumlichen Enge und der ungewohnten Geräusche belastend sein. Insgesamt kann eine Kernspintomografie etwa 15 bis 30 Minuten dauern.

Patienten mit Implantaten (zum Beispiel einem Herzschrittmacher), die keine Magnetfelder vertragen, dürfen nicht mit einem Kernspintomografen untersucht werden. Mittlerweile gibt es in manchen Praxen und Krankenhäusern auch offene Kernspintomografen, die für Menschen mit Platzangst oder starkem Übergewicht eine Alternative sein können.

Knochendichtemessung (Osteodensitometrie)

Bei einer Knochendichtemessung wird der Mineralsalzgehalt der Knochen bestimmt. Aus diesen Ergebnissen lassen sich Rückschlüsse auf die Bruchfestigkeit des Knochens ziehen. Meist wird die Knochendichte mit einer speziellen Röntgenmethode untersucht, der DEXA oder DXA (als Abkürzung für den englischen Begriff „Dual Energy X-Ray Absorptiometry“). In der Regel werden dabei schwache Röntgenstrahlen von unten durch die Knochen der Wirbelsäule und des Oberschenkelhalses geleitet.

Bei Personen mit starken Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule werden nur Oberschenkelmessungen durchgeführt, bei Personen mit künstlichen Hüftgelenken nur Messungen der Wirbelsäule. Die Strahlenbelastung durch die DEXA ist geringer als bei einer normalen Röntgenaufnahme und viel geringer als bei einer Computertomografie.

Bei der Osteodensitometrie wird kein Röntgenbild erstellt, sondern gemessen, wie stark die Knochen die Röntgenstrahlen abschwächen. Je poröser und brüchiger die Knochen sind, desto mehr Röntgenstrahlen durchdringen sie. Die Menge der Röntgenstrahlen, die den Knochen durchdringen, wird in ein Maß umgerechnet, das den aktuellen Knochendichtewert mit dem von jungen, gesunden Erwachsenen vergleicht. Dieses Maß heißt T-Score.

Ein T-Score bis -1 gilt als normal, ein T-Score von -1 bis -2,5 als niedrig. Von Osteoporose spricht man laut den einschlägigen Empfehlungen, wenn der T-Score gleich oder kleiner ist als -2,5.

Manchmal werden auch Knochendichtemessungen an der Ferse per Ultraschall oder per Computertomografie (CT) gemacht. Es gibt aber nicht genug aussagekräftige Studien, um zu beurteilen, ob diese Verfahren eine bessere oder schlechtere Aussagekraft haben als die DEXA. Zudem geht die Computertomografie, wie bereits erwähnt, mit einer deutlich höheren Strahlenbelastung einher.

Wann wird sie eingesetzt?

Eine Knochendichtemessung kann eingesetzt werden, um festzustellen, ob jemand Osteoporose hat und wie hoch das Risiko für einen Knochenbruch ist. Sie wird auch eingesetzt, um den Verlauf einer Behandlung zu beobachten.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Für eine DEXA legt man sich flach auf den Rücken. Für die Messung der Wirbelsäule werden die Beine in einem 90-Grad-Winkel angewinkelt und hochgelagert. Zur Messung des Oberschenkelhalses werden die Beine flach ausgestreckt.

Unter der Liege befindet sich die Strahlenquelle, von der die Röntgenstrahlen ausgehen. Eine Art Messarm bewegt sich dann über den Körper und misst, wie viele Röntgenstrahlen vom Körper aufgenommen werden. Die Untersuchung dauert etwa 5 bis 10 Minuten.

Knochenszintigrafie

Eine Knochenszintigrafie (Skelettszintigrafie) liefert eine bildliche Darstellung des Stoffwechsels in den Knochen. Um ein genaues Bild zu erhalten, wird den Untersuchten vorher eine schwach radioaktive Substanz gespritzt. Die radioaktive Substanz sammelt sich in den Knochen an und verbessert die Darstellung der unterschiedlichen Strukturen auf dem Untersuchungsbild. So speichern beispielsweise Krebsmetastasen, oder auch Entzündungsherde die Substanz oft stärker als gesundes Gewebe, wodurch sie auf dem Bild erkennbar werden. Die Untersuchung bringt ebenfalls eine Strahlenbelastung mit sich.

Wann wird sie eingesetzt?

Der Stoffwechsel in den Knochen verändert sich beispielsweise bei einem wachsenden Tumor und Entzündungen in den Knochen. Daher wird eine Knochenszintigrafie bei Verdacht auf eine solche Erkrankung eingesetzt, manchmal auch bei schlecht heilenden Knochenbrüchen.

Wie läuft sie ab?

Zur Vorbereitung wird die radioaktive Substanz in eine Vene gespritzt. Dann wartet man einige Stunden, bis sich die Substanz im Körper verteilt hat. Nach dieser Wartezeit wird mit einer speziellen Kamera ein Bild vom Körper aufgenommen. Dafür legt man sich hin und die Kamera bewegt sich über den Körper.

Knochenbiopsie und Knochenmarkbiopsie

Bei der Knochenbiopsie entnimmt die Ärztin oder der Arzt mit einer feinen Nadel etwas Gewebe aus dem Knochen mit dem Ziel, bestimmte krankhafte Veränderungen festzustellen. Bei einer Knochenmarkbiopsie wird die Probe aus dem Knochenmark im Inneren der Knochen genommen.

Wann wird sie eingesetzt?

Eine Knochenbiopsie kommt unter anderem bei der Untersuchung von Tumoren, Entzündungen und Störungen des Knochenaufbaus wie der Osteoporose zum Einsatz. Eine Knochenmarkbiopsie kann bei Verdacht auf eine Erkrankung des blutbildenden Systems in Erwägung gezogen werden, beispielsweise bei Verdacht auf Blutarmut.

Wie läuft sie ab?

Zur Vorbereitung wird der Hautbereich oberhalb des Knochens örtlich betäubt und anschließend ein kleiner Schnitt gesetzt, durch den die Biopsienadel eingeführt wird. Bei einer Knochenbiopsie wird häufig Gewebe aus dem Beckenknochen entnommen, aber auch aus dem Knie- oder Oberschenkelknochen. Bei einer Knochenmarkbiopsie wird die Probe in der Regel aus Beckenkamm oder Brustbein genommen. Die Probe wird dann im Labor untersucht.

Blutuntersuchungen

Um bestimmte Knochenkrankheiten festzustellen, werden auch Blutwerte zu Rate gezogen. Eine Blutuntersuchung wird beispielsweise bei einem Verdacht auf Osteoporose durchgeführt, um Risikofaktoren zu bestimmen und andere Krankheiten auszuschließen. Die Höhe des Kalziumspiegels beispielsweise soll zeigen, ob jemand ausreichend Kalzium zu sich nimmt. Es sagt nichts darüber aus, wie viel Kalzium in den Knochen ist. Bedeutend ist auch der Blutwert „Alkalische Phosphatase“. Das ist ein Eiweiß, das bei bestimmten Knochenerkrankungen erhöht ist.

Weitere Blutwerte können Hinweise auf Entzündungen, Tumore oder Stoffwechselerkrankungen geben, die sich auf den Zustand der Knochen auswirken können.

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