Einleitung

Der Wirkstoff Ibrutinib (Handelsname Imbruvica) ist seit Oktober 2014 für Erwachsene mit Mantelzell-Lymphom zugelassen.

Das Mantelzell-Lymphom ist eine sehr seltene bösartige Erkrankung, bei der sich B-Zellen im Blut unkontrolliert vermehren. Die krankhaft veränderten Zellen des Immunsystems produzieren zudem eine große Menge Antikörper.

Die Krankheit bleibt meist lange unentdeckt und fällt erst auf, wenn durch die Vermehrung der Zellen die Lymphknoten anschwellen. Beim Voranschreiten der Erkrankung können die Milz, Leber, der Magen-Darm-Bereich oder auch das Knochenmark geschädigt werden. Der Körper stellt auch weniger gesunde Abwehrzellen her. Der Mangel kann das Immunsystem  und die Organe so sehr schwächen, dass die Krankheit lebensbedrohlich wird. Durch die Schädigung des Knochenmarks werden auch nicht mehr genügend rote Blutkörperchen und Blutplättchen hergestellt. Es kommt zu einer Blutarmut (Anämie) und zu Gerinnungsstörungen.

Ibrutinib soll die Entartung von B-Zellen und deren Ausbreitung hemmen und so das Voranschreiten der Erkrankung verhindern. Der Wirkstoff kommt für Erwachsene infrage,

  • bei denen die Erkrankung nach einer zunächst erfolgreichen Therapie zurückgekehrt ist (Rezidiv),
  • bei denen vorherige Therapien erfolglos waren,
  • oder für die eine Chemotherapie nicht geeignet ist.

Anwendung

Ibrutinib ist als Kapsel in einer Dosierung von 140 mg verfügbar. Es werden einmal täglich vier Kapseln (insgesamt 560 mg) eingenommen. Der Wirkstoff sollte abgesetzt werden, wenn er nicht mehr vertragen wird oder die Krankheit voranschreitet.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten mit einem Mantelzell-Lymphom kommen verschiedene Therapien infrage. Eine individuell optimierte Therapie hängt unter anderem davon ab, ob es sich um eine Erstbehandlung handelt oder welche Behandlungen bereits versucht wurden. Sie wird durch die Ärztin oder den Arzt angepasst.

Zudem kommt für einige Personen mit Mantelzell-Lymphom im Off-Label-Use eine Kombination aus Fludarabin mit Cyclophosphamid, Mitoxantron und Rituximab infrage, deren Tumor gegen eine kombinierte Chemotherapie mit den Wirkstoffen Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednison / Prednisolon resistent ist.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Ibrutinib bei Personen mit Mantelzell-Lymphom im Vergleich zu bewährten Standardtherapien hat.

Der Hersteller legte eine Studie vor, in der Ibrutinib mit Temsirolimus verglichen wurde. Der Wirkstoff Temsirolimus ist eine von mehreren Optionen der individuellen optimierten Therapie. Zudem waren die Patientinnen und Patienten mit mindestens einer Rituximab-haltigen Chemotherapie vorbehandelt worden. Die nachfolgend genannten Ergebnisse gelten nur für diese Patientengruppe.

Für Patientinnen und Patienten, für die Temsirolimus keine oder eine nachrangige Behandlungsmöglichkeit darstellt, legte der Hersteller keine Daten vor. Ob Ibrutinib für diese Personen im Vergleich zu einer individuellen optimierten Therapie Vor- oder Nachteile hat, bleibt daher offen.

Auch zur Beantwortung der Frage, ob Ibrutinib im Vergleich zu anderen bewährten Chemotherapien Vor- oder Nachteile hat, lagen keine Daten vor.

Welche Vorteile hat Ibrutinib?

  • Gesundheitszustand: Die Studie gab schwache Hinweise auf einen Vorteil von Ibrutinib. Nach ungefähr 12 Monaten hatte sich bei der Hälfte der Personen der Gesundheitszustand verschlechtert. In der Gruppe, die mit Temsirolimus behandelt wurde, war das bereits nach etwa 2 Monaten der Fall.
  • Schwere Nebenwirkungen: Die Studie zeigt einen Hinweis auf einen Vorteil von Ibrutinib: Bei den Personen, die Ibrutinib erhielten, waren nach ungefähr 12 Monaten bei der Hälfte schwere Nebenwirkungen aufgetreten. Bei den Personen, die mit Temsirolimus behandelt wurden, hatte bereits nach etwa 3 Wochen die Hälfte der Patienten schwere Nebenwirkungen. Dazu zählen beispielsweise Gerinnungsstörungen oder Blutarmut (Anämie).
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Hier ergab sich aus der Studie ebenfalls ein Vorteil von Ibrutinib: Sie zeigte einen schwachen Hinweis darauf, dass sich bei der Hälfte der Personen, die Ibrutinib einnahmen, die Lebensqualität nach ungefähr 19 Monaten verschlechterte. In der Gruppe mit der Standardtherapie war dies bei der Hälfte der Personen bereits nach etwa 2 Monaten der Fall.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Bezüglich der Lebenserwartung zeigte sich kein Unterschied zwischen einer Behandlung mit Ibrutinib und der Vergleichsbehandlung mit Temsirolimus.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Auch hier zeigte sich kein relevanter Unterschied zwischen den beiden Wirkstoffen.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität lagen keine verwertbaren Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .