Hormonelle Verhütungsmittel

Foto von Paar (PantherMedia / Martin Novak) Es gibt verschiedene hormonelle Verhütungsmittel, etwa die Pille, den Vaginalring, das Verhütungspflaster oder die Hormonspirale. Sie werden ganz unterschiedlich angewendet, wirken jedoch ähnlich: Alle beeinflussen den Hormonhaushalt, die meisten unterdrücken den Eisprung. Hormonelle Verhütungsmittel sind sehr sicher, können aber zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Zwischenblutungen führen.

In vielen Ländern ist die Antibabypille (umgangssprachlich „die Pille“) das am häufigsten angewendete Verhütungsmittel. Neuere hormonelle Methoden wie das Verhütungspflaster und der Vaginalring sind weniger bekannt und werden auch weniger genutzt. Eine hormonelle Verhütung ist auch mit einer Spirale möglich. Sie wird in die Gebärmutter eingesetzt und gibt dort beständig Hormone ab.

Wenn hormonelle Verhütungsmittel richtig angewendet werden, schützen sie sehr sicher vor einer Schwangerschaft. Sie bieten aber keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie AIDS oder Hepatitis C. Alle Präparate sind verschreibungspflichtig. Die Kosten werden bis zum 20. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen.

Wie wirken hormonelle Verhütungsmittel?

Die Hormone in den Verhütungsmitteln unterdrücken nicht nur den Eisprung. Sie können auch verhindern, dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut einnistet. Zudem verdicken sie den Schleim im Gebärmutterhals, was die Spermien unbeweglicher macht und ihnen den Weg zur Eizelle versperrt.

Damit ein hormonelles Verhütungsmittel zuverlässig wirken kann, muss es wie vorgegeben angewendet werden. Wenn ein Mädchen oder eine Frau zum Beispiel die Antibabypille einen Tag vergisst, kann dies dazu führen, dass es doch zu einem Eisprung kommt und sie schwanger wird.

Die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel kann durch Medikamente wie Antibiotika, Blutdruck- und Cholesterinsenker, Mittel gegen Pilzinfektionen oder pflanzliche Mittel wie Johanniskraut beeinträchtigt werden. Bei der Pille können auch Erbrechen oder Durchfall dazu führen, dass der Schutz nicht mehr sicher ist und zusätzlich verhütet werden muss – beispielsweise mit einem Kondom.

Welche Vor- und Nachteile haben hormonelle Verhütungsmittel?

Der größte Vorteil der hormonellen Verhütungsmittel ist ihre Sicherheit: Studien zeigen, dass bei richtiger Anwendung nur etwa eine von 1000 Frauen pro Zyklus schwanger wird, wenn sie Antibabypille, Verhütungspflaster oder Vaginalring anwendet.

Hormonelle Verhütungsmittel können zudem Regelschmerzen lindern und die Menstruationsblutung wird oft schwächer. Wenn ein Mädchen oder eine Frau Akne hat, kann sich durch die Hormone auch die Haut verbessern.

Nachteile können Nebenwirkungen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Übelkeit, Spannungsgefühle in den Brüsten oder Pilzinfektionen der Scheide sein. Die Hormone können auch zu Zwischenblutungen oder Stimmungsschwankungen führen und die sexuelle Lust dämpfen.

Es besteht zudem ein wenn auch geringes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen). Dies gilt besonders für Frauen über 40 Jahre sowie für Frauen, die rauchen, starkes Übergewicht oder ein familiär bedingtes Risiko für Gefäßerkrankungen haben.

Präparate der 3. und 4. Pillengeneration wie Desogestrel, Dienogest, Gestoden und Drospirenon erhöhen das Risiko für Venenthrombosen offenbar stärker als die älteren Hormone der 1. und 2. Generation wie zum Beispiel Levonorgestrel und Norgestimat. Schätzungen gehen davon aus, dass bei der regelmäßigen Einnahme

  • von Desogestrel, Gestoden oder Drospirenon etwa 9 bis 12 von 10.000 Frauen innerhalb eines Jahres eine Venenthrombose bekommen.
  • von Levonorgestrel und Norgestimat etwa 5 bis 7 von 10.000 Frauen innerhalb eines Jahres eine Venenthrombose bekommen.

Ohne Pille treten bei etwa 2 von 10.000 Frauen Venenthrombosen auf.

Auch wenn es häufig behauptet wird: Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Frauen durch hormonelle Verhütungsmethoden zunehmen.

Was Studien sagen

Die Antibabypille

Die meisten Antibabypillen enthalten die beiden Hormone Östrogen und Gestagen, weshalb sie auch Kombinationspillen genannt werden. Verschiedene Präparate unterscheiden sich in ihrer Dosierung und darin, wie sie eingenommen werden. Alle Antibabypillen werden aber in jedem Zyklus über 21 oder 22 Tage eingenommen.

Es gibt Ein-, Zwei- und Drei-Phasen-Pillen. Beim Ein-Phasen-Präparat enthält jede Pille in der Packung die gleiche Menge und Zusammensetzung der Hormone. Bei den Zwei- oder Drei-Phasen-Präparaten sind die einzelnen Pillen in der Packung unterschiedlich dosiert. Damit ihre Wirkung nicht beeinträchtigt wird, müssen sie in der vorgegebenen Reihenfolge eingenommen werden. Für die meisten Präparate gilt: Wurde eine Pille vergessen, muss die Einnahme innerhalb der nächsten 12 Stunden nachgeholt werden, sonst geht der Schutz für den gesamten Zyklus verloren.

Nach den 21 oder 22 Tagen folgt eine 6- oder 7-tägige Einnahmepause, in der die Monatsblutung einsetzt. Während der Einnahmepause besteht der Schutz fort. Manche Präparate enthalten auch 28 Pillen in einer Packung und werden durchgängig eingenommen, um Einnahmefehler zu vermeiden. Die letzten 6 oder 7 Tabletten der Packung enthalten aber keinen Wirkstoff.

Weniger verbreitet ist die sogenannte Minipille. Sie enthält nur Gestagen in niedriger Dosierung und kann daher auch von Frauen angewendet werden, die Kombinationspillen nicht vertragen. Allerdings erfordert ihre Einnahme Disziplin: Sie muss täglich stets zur selben Uhrzeit eingenommen werden. Wird sie einmal vergessen, muss die Einnahme innerhalb der nächsten drei Stunden nachgeholt werden. Da sie durchgängig – also ohne Einnahmepause – angewendet wird, bleibt die Monatsblutung bei vielen Frauen nach einiger Zeit aus.

Das Verhütungspflaster

Das Verhütungspflaster ist etwa 5 x 5 Zentimeter groß und sehr dünn. Es kann am Po oder Bauch, an der Außenseite des Oberarms oder irgendwo am Oberkörper aufgeklebt werden – außer auf der Brust. Wichtig ist, dass es gut haftet und die Kleidung nicht zu stark daran reibt. Beim Duschen, Baden oder Schwimmen löst sich das Pflaster normalerweise nicht. Das Verhütungspflaster wird in den ersten drei Wochen des Zyklus wöchentlich gewechselt. In der vierten Woche ist kein Pflaster nötig, dann setzt die Menstruation ein. Am siebten Tag nach dem Entfernen des alten wird erneut ein Pflaster aufgeklebt. Wird es 24 Stunden zu spät aufgeklebt, ist der Schutz nicht mehr sicher.

Das Verhütungspflaster enthält eine Kombination der Hormone Östrogen und Gestagen, wie auch die meisten Antibabypillen. Während die Wirkstoffe der Pille über den Magen-Darm-Trakt in das Blut aufgenommen werden, gelangen sie beim Pflaster über die Haut in den Blutkreislauf. Weil über diesen Weg mehr Östrogen in den Körper gelangt, kann es beim Pflaster zu mehr Nebenwirkungen kommen als bei der Pille und dem Vaginalring. In Studien brachen Frauen, die Verhütungspflaster nutzten, die Anwendung aufgrund von Nebenwirkungen häufiger ab als Frauen, die die Pille nahmen.

Der Vaginalring

Der Vaginalring, auch Verhütungsring genannt, hat einen Durchmesser von rund 5 cm und besteht aus weichem, biegsamem Kunststoff. Er enthält ebenfalls eine Kombination der Hormone Östrogen und Gestagen, die über die Scheidenwände in die Blutbahn abgegeben werden. Der Ring wird tief in die Scheide eingeführt und nach genau drei Wochen mit dem Finger wieder herausgezogen. In den folgenden Tagen ohne Verhütungsring setzt die Regelblutung ein. Am siebten Tag nach dem Entfernen des alten wird wieder ein neuer Ring eingesetzt. Wenn der Ring richtig sitzt, ist er nicht spürbar.

Für einen zuverlässigen Schutz ist es wichtig, dass der Verhütungsring jeweils zur gleichen Zeit am gleichen Wochentag eingesetzt oder entfernt wird: Setzt eine Frau den Ring zum ersten Mal an einem Mittwoch um 22 Uhr ein, entfernt sie ihn drei Wochen später ebenfalls am Mittwoch um etwa 22 Uhr und legt am folgenden Mittwoch wieder gegen 22 Uhr einen neuen ein. Eine Abweichung von bis zu drei Stunden ist aber möglich.

In Studien kam es beim Vaginalring insgesamt zu weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit, Reizbarkeit und Depressionen als bei der Pille. Allerdings führte der Vaginalring häufiger zu Scheidenentzündungen (Vaginose) als die Pille.

Die Hormonspirale

Die Hormonspirale besteht aus einem T-förmigen Stückchen Kunststoff mit einem Rückholfaden. Sie enthält ein Hormondepot, das kontinuierlich Levonorgestrel in die Gebärmutterschleimhaut abgibt. Das Hormon hemmt ihren Aufbau, sodass sich keine befruchtete Eizelle einnisten kann. Außerdem verdickt es den Schleim im Gebärmutterhals (Zervixschleim), sodass keine Spermien in die Gebärmutter gelangen. Die Hormonspirale wird von einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt eingesetzt. Danach wird per Ultraschall kontrolliert, ob die Spirale richtig sitzt.

Durch die kontinuierliche Hormonwirkung wird die Regelblutung bei den meisten Frauen schwächer, bei vielen bleibt sie nach ein paar Monaten auch ganz aus. Die Spirale schützt sofort nach dem Einsetzen. Ihre empfängnisverhütende Wirkung hält je nach Präparat 3 bis 5 Jahre an.

Da die Spirale bei manchen Frauen verrutscht, werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfohlen. In den ersten Monaten nach dem Einsetzen kommt es bei einigen Frauen häufiger zu Nebenwirkungen – unter anderem zu Zwischenblutungen, Kopfschmerzen oder Nervosität. Seltene Nebenwirkungen können Beckenentzündungen oder Verletzungen an der Gebärmutterwand sein.

Die Hormonspirale wird Frauen, die noch kein Kind bekommen haben, in der Regel nicht empfohlen, weil sie sich bei ihnen schlechter einsetzen lässt als bei Müttern. Zudem geht man davon aus, dass das Infektionsrisiko nach einer Geburt geringer ist.

Weitere hormonelle Verhütungsmittel

Selten angewendet werden die Dreimonatsspritze und das Hormonimplantat. Die Spritze muss alle drei Monate gegeben werden. Sie ist zwar sehr sicher, wird aber aufgrund der hohen Hormondosis von vielen Frauen nicht vertragen. Ein Hormonimplantat hat die Form eines kleinen Stäbchens und wird alle drei Jahre in einer Arztpraxis unter die Haut eingesetzt. Beide Methoden werden in der Regel nur Frauen empfohlen, die andere hormonelle Mittel nicht vertragen oder nicht regelmäßig anwenden können.

Vor- und Nachteile abwägen

Alle hormonellen Verhütungsmethoden bieten einen ähnlich wirksamen Schutz vor Schwangerschaften. Welche Methode ein Mädchen oder eine Frau wählt, kann entscheidend davon abhängen, wie gut sie sie verträgt und wie sie mögliche Nebenwirkungen empfindet. Eine Rolle spielt auch die Handhabung des Verhütungsmittels: Ist es ein Problem, täglich eine Pille zu nehmen? Stört es, über mehrere Wochen ein Pflaster am Körper zu tragen? Ist der Vaginalring beim Geschlechtsverkehr spürbar? Jede Frau muss herausfinden, was für sie am wichtigsten und verträglichsten ist.

Neben den hormonellen Verhütungsmitteln gibt es noch andere Methoden zur Empfängnisverhütung. Ausführliche Informationen zur Wirkung und Anwendung von Verhütungsmitteln stellt zum Beispiel die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Website www.familienplanung.de zur Verfügung.

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