Einleitung

Foto von Frau (PantherMedia / Dagmar Richardt) Ein Hirnaneurysma ist eine beerenförmige Ausbuchtung einer Schlagader (Arterie) im oder nahe am Gehirn. Normalerweise sind Arterien fest und elastisch, ähnlich wie Schläuche. Wenn die Wand einer Arterie aber an einer Stelle nachgibt, sich nach außen wölbt und eine Ausbuchtung bildet, spricht man von einem Aneurysma.

Aneurysmen können an verschiedenen Stellen im Körper entstehen, etwa an der großen Schlagader im Bauch (Bauchaortenaneurysma) oder einer Schlagader im Kopf (Hirnaneurysma). Hirnaneurysmen bilden sich häufig an Verzweigungsstellen der Arterien, die das Gehirn mit Blut versorgen.

Viele Menschen bemerken ihr gesamtes Leben lang nicht, dass sie ein Hirnaneurysma haben. Bei anderen verursacht es jedoch Beschwerden – oder sie haben ein erhöhtes Risiko, dass ihr Aneurysma irgendwann reißt und eine lebensbedrohliche Hirnblutung auslöst. Um dies zu verhindern und Beschwerden zu lindern, kann eine Behandlung sinnvoll sein.

 

Grafik: Ein Hirnaneurysma sitzt oft mitten im GehirnEin Hirnaneurysma sitzt oft mitten im Gehirn

Symptome

Ein Aneurysma verursacht häufig keine Beschwerden. In diesem Fall wird es als „asymptomatisches“ Aneurysma bezeichnet.

Zu Beschwerden kann es kommen, wenn ein Aneurysma besonders groß ist oder ungünstig liegt. Es kann dann auf das Gehirn oder auf Nerven drücken, die vom Gehirn wegziehen – zum Beispiel auf den Sehnerv. Das führt zu Beschwerden wie

  • Kopfschmerzen,
  • Sehstörungen und
  • Lähmungen der Augenmuskeln.

Andere Beschwerden wie Krampfanfälle, Empfindungs-, Sprach- oder Hörstörungen sind seltener.

Ursachen

Ein Hirnaneurysma entwickelt sich meist im Laufe des Lebens, weil an der betroffenen Stelle die Elastizität der Gefäßwand nachlässt. Das kann durch den normalen Alterungsprozess passieren oder weil das Gefäß durch Bluthochdruck stark beansprucht oder durch Rauchen oder Entzündungen geschädigt wird.

Selten sind Erberkrankungen wie das sogenannte Ehlers-Danlos-Syndrom die Ursache, bei denen das Bindegewebe und deshalb auch die Gefäßwände schwächer werden.

Risikofaktoren

Bei Menschen, die Bluthochdruck haben oder rauchen, bildet sich häufiger ein Hirnaneurysma als bei anderen.

Frauen haben ein höheres Risiko für Hirnaneurysmen als Männer – ebenso Menschen, die Eltern oder Geschwister mit einem Aneurysma im Kopf haben. Außerdem steigt das Risiko mit zunehmendem Alter.

Diese Faktoren machen es auch wahrscheinlicher, dass ein Aneurysma irgendwann reißt. Dieses Risiko hängt unter anderem aber davon ab, wo das Aneurysma sitzt und wie groß es ist.

Häufigkeit und Verlauf

Etwa 3 von 100 Erwachsenen haben ein Hirnaneurysma. Bei einigen Menschen entwickeln sich mehrere Aneurysmen im Gehirn.

Die meisten Hirnaneurysmen verändern sich nicht, machen nie Beschwerden und bleiben deshalb unbemerkt. Auch wenn ein Aneurysma zufällig entdeckt wird, muss es nicht immer behandelt werden: Zu wissen, dass man ein Hirnaneurysma hat, kann allerdings belastend sein.

Ein Hirnaneurysma, das mit der Zeit größer wird, kann Beschwerden verursachen. Größere Aneurysmen reißen zudem häufiger.

Folgen

Aneurysmen können reißen. Man spricht dann auch von einer Aneurysma-Ruptur. Durch das Einreißen kommt es zu einer Hirnblutung – genauer gesagt zu einer sogenannten Subarachnoidalblutung. Dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der so schnell wie möglich notärztlich behandelt werden muss. Durch die Blutung steigt der Druck im Schädel und das empfindliche Hirngewebe wird geschädigt. Plötzliche sehr starke Kopfschmerzen sind typische Anzeichen. Viele Betroffene sprechen von dem stärksten Kopfschmerz, den sie jemals erlebt haben. Zu Beginn tun oft vor allem der Hinterkopf und Nacken weh. Dann breitet sich der Schmerz auf den gesamten Kopf aus und zieht bis in den Rücken.

Weitere typische Symptome der Aneurysmablutung sind:

  • Nackensteifigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen, Bewusstlosigkeit

Die Blutung ist die häufigste Komplikation eines Aneurysmas. Wie wahrscheinlich es ist, dass ein Hirnaneurysma reißt und eine Blutung auslöst, hängt neben den erwähnten Risikofaktoren vor allem von seiner Größe ab.

Eine seltene andere Komplikation von Hirnaneurysmen ist der Verschluss einer Hirnarterie: Innerhalb eines Aneurysmas bilden sich oft Blutgerinnsel, die in der Regel keine Probleme machen. Selten gerät aber eins dieser Gerinnsel zurück in die Hirnarterie. Dann kann es vom Blutstrom in einen kleineren Ast der Arterie gespült werden, ihn verstopfen (Embolie) und so zu einem Schlaganfall führen.

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Diagnose

Viele Menschen erfahren zufällig, dass sie ein Hirnaneurysma haben, weil ihr Kopf wegen einer anderen Erkrankung untersucht wurde.

Bei Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Sehstörungen kann die Ärztin oder der Arzt zu einer Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) raten. Besonders gut sichtbar werden Aneurysmen bei der sogenannten digitalen Substraktionsangiografie (DSA). Dabei wird eine Röntgenaufnahme mit und eine ohne Kontrastmittel gemacht. Ein Computer errechnet daraus ein Bild, das nur noch die Blutgefäße zeigt – andere Strukturen wie Knochen sind nicht mehr zu sehen.

Die Diagnose, spätere Kontrolluntersuchungen und die Angst vor Komplikationen können belasten. Deshalb kann eine Zufallsdiagnose für Menschen, deren Aneurysma nie Beschwerden verursacht hätte und auch nicht gerissen wäre, eine unnötige Belastung sein. Man spricht in solchen Fällen von einer Überdiagnose.

Behandlung

Wer keine Beschwerden hat und kein erhöhtes Risiko, dass das Aneurysma reißt, benötigt nicht unbedingt eine Behandlung. Die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung ist aber häufig schwierig, da viele Faktoren eine Rolle spielen – etwa die Lage des Aneurysmas und der allgemeine Gesundheitszustand.

Auf jeden Fall ist es sinnvoll, Risikofaktoren für Komplikationen zu vermeiden – also zum Beispiel einen Bluthochdruck zu behandeln und nicht zu rauchen.

Wenn das Aneurysma nicht behandelt wird, wird in ein- bis dreijährigen Abständen ein MRT oder CT gemacht. Dabei wird geprüft, ob sich das Aneurysma verändert und das Risiko für eine Hirnblutung steigt.

Für Personen mit Beschwerden oder einem erhöhten Risiko für Komplikationen kommen vor allem zwei Behandlungen infrage:

  • Operation: Das Aneurysma wird dabei mit einem kleinen Metall-Clip abgeklemmt.
  • Katheter-Verfahren: Feine Spiralen aus Platin werden durch das Blutgefäß bis in das Hirnaneurysma geschoben. Dadurch gerinnt das Blut im Aneurysma und es soll sich verschließen.

Beide Verfahren können dauerhaft verhindern, dass das Aneurysma weiter durchblutet wird. Das beugt einem Reißen vor, ist jedoch selbst mit Risiken verbunden. Um herauszufinden, welches Vorgehen für einen selbst am besten ist, hilft eine ausführliche Beratung mit Ärztinnen und Ärzten, die auf die Behandlung von Hirnaneurysmen spezialisiert sind: einer Fachärztin oder einem Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie.

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Schlagwörter: Aneurysma im Kopf, Hirnaneurysma, I67, Kopf und Nerven