Hilft eine kognitive Verhaltenstherapie, besser mit einem Tinnitus zurechtzukommen?

Foto von Frau mit Ohrgeräuschen (PantherMedia / Marko Volkmar) Eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann helfen, mit einem Tinnitus besser zurechtzukommen und depressive Begleitsymptome zu lindern. Die Ohrgeräusche selbst lassen sich dadurch jedoch nicht lindern.

Bei einem chronischen Tinnitus ist die Ursache meist unklar. Es gibt bislang auch keine Behandlung, die die Ohrgeräusche nachweislich lindern kann. Ein Weg, um eine chronische Erkrankung oder ein anhaltendes Problem wie Tinnitus besser zu bewältigen, ist die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Dabei geht es nicht um die Behandlung der Ohrgeräusche an sich, sondern darum, wie man im Alltag besser mit ihnen zurechtkommt.

Die Theorie der KVT geht davon aus, dass bestimmte Gedanken und Verhaltensmuster das Leben mit Tinnitus erschweren. Eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut mit verhaltenstherapeutischer Ausbildung hilft dabei, diese zu erkennen – um dann Möglichkeiten zu finden, sie zu verändern. Ziel ist, die Wahrnehmung der Ohrgeräusche so zu verändern, dass sie als weniger störend erlebt werden.

Studien zur kognitiven Verhaltenstherapie bei Tinnitus

Um herauszufinden, ob eine kognitive Verhaltenstherapie Menschen mit Tinnitus helfen kann, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration die Behandlungsstudien zu diesem Thema ausgewertet. Sie fanden acht randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt knapp 470 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter von 45 bis 70 Jahren.

In den Studien wurde die KVT mit einer einfachen Beratung, einer Entspannungstherapie, einer Schulung oder Yoga verglichen. In manchen Studien erhielt die Vergleichsgruppe zunächst keine Behandlung, aber die Möglichkeit, am Ende der Studie eine KVT in Anspruch zu nehmen.

Die Forschungsergebnisse

Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden gefragt, ob sich ihre Ohrgeräusche nach der Behandlung gebessert hatten und wie sich die Therapie auf ihre Lebensqualität auswirkte. Dabei zeigte sich, dass die Gruppen, die eine kognitive Verhaltenstherapie erhalten hatten, ihre Lebensqualität höher bewerteten als die Vergleichsgruppen. Die Studien wiesen zudem darauf hin, dass eine KVT helfen kann, depressive Symptome zu lindern.

Wie lange die günstige Wirkung anhält, bleibt jedoch unklar – die meisten Studien dauerten nur bis zu einem Jahr. Es ist denkbar, dass Menschen langfristig in ihre alten Denkmuster und Verhaltensweisen zurückfallen. Auch mögliche unerwünschte Wirkungen der Behandlung wurden nicht untersucht. Fest steht, dass sich eine KVT lohnen kann. Sie erfordert aber Geduld und die Motivation, an sich zu arbeiten.

Schlagwörter: H93, Kopf und Nerven, Ohrgeräusche, Tinnitus