Mich hat es relativ früh erwischt

Foto von Mann mit Fahrrad (PantherMedia / Nils Weymann) Karl, 58 Jahre

„Mit der Zeit habe ich dann bemerkt, dass ich beim Wasserlassen immer mehr Probleme bekomme. Es funktionierte irgendwie nicht mehr richtig. Es hat länger gedauert und ich musste ein wenig warten, bis das Wasser kam.“

Während einer Vorsorgeuntersuchung hat man bei mir vor einigen Jahren einen erhöhten PSA-Wert festgestellt. Er stieg mit der Zeit immer weiter an und aus diesem Grund hat mich mein Hausarzt zum Urologen geschickt.

Der Urologe hat eine Biopsie vorgenommen, konnte aber nichts feststellen. Damit war es erledigt und es wurden weiter nur die PSA-Werte überprüft. Nachdem die Werte immer weiter stiegen, bin ich im Jahr 2003 erneut zum Urologen gegangen. Er hat durch Abtasten nun eine deutliche Vergrößerung der Prostata festgestellt. Ich hatte aber bis zu diesem Zeitpunkt keine Schwierigkeiten und habe auch nichts gespürt. Als ich die Diagnose hatte, habe ich mich über die Prostata und eine Prostatavergrößerung informiert.

Die Prostata hat schon beim Radfahren gedrückt

Mit der Zeit habe ich dann bemerkt, dass ich beim Wasserlassen immer mehr Probleme bekomme. Es funktionierte irgendwie nicht mehr richtig. Es hat länger gedauert und ich musste ein wenig warten, bis das Wasser kam. Mit der Zeit sind die Beschwerden schlimmer geworden. In der Nacht musste ich dann öfters raus. Manchmal hatte ich auch schon das Gefühl, dass ich zur Toilette muss und dann kam nichts. Ich bin irgendwie nicht mehr von der Toilette heruntergekommen. Man quält sich drei, vier Tröpfchen heraus. Das ging dann aber auch wieder weg. Ich fahre sehr viel Fahrrad und mit der Zeit habe ich die vergrößerte Prostata beim Sitzen auf dem Sattel schon gespürt. Irgendwie hat es gedrückt.

Im Frühjahr dieses Jahres war der PSA-Wert wieder sehr hoch. Mein Hausarzt hat mich dann erneut zum Urologen geschickt, der mich an eine urologische Klinik überwiesen hat. Dort haben sie eine erneute Biopsie durchgeführt. Sie erfolgte ambulant und normalerweise kann man wohl nach zwei bis drei Stunden wieder nach Hause gehen.

Bei mir hat es etwas länger gedauert. Ich konnte nach der Biopsie nicht mehr richtig Wasser lassen - ich hatte einen Harnverhalt. Der Druck war sehr stark und schmerzhaft. Man hat mich im Krankenhaus behalten und mir einen Katheter gelegt. Nachdem es nicht besser wurde und es ohne Katheter gar nicht mehr ging, haben sie mir vorgeschlagen, eine Operation durchzuführen. Ein Alternative war ein sogenannter Buffy (Blasendauerkatheter; die Redaktion).

Medikamenten-Einnahme war mir zu langwierig

Ich bin kein Fan von Operationen und so schnell lass ich an mir nicht schneiden. Außerdem hatten wir eine Urlaubsfahrt geplant. Aus diesen Gründen habe ich die Operation abgelehnt und mir den Blasenkatheter setzen lassen. Das ging sehr gut und ich konnte am nächsten Tag nach Hause. An dem Katheter war ein kleiner Hahn befestigt und ich konnte meine Blase über den Katheter entleeren. Trotz des Katheters kann man das Wasserlassen aber auch auf natürlichem Weg versuchen.

Auf Dauer war das jedoch keine Lösung. Mein Urologe hat dann den Restharn gemessen. Der war recht hoch und er hat vorgeschlagen, es mit einem Medikament zu versuchen. Auf dem Beipackzettel und auch im Internet stand, dass man dieses Medikament sehr lange nehmen muss. Mir war das dann im Ganzen zu langwierig und ich habe mich dann doch für die Operation entschieden. Ich habe die möglichen Nebenwirkungen durch die Operation im Kopf ein wenig weggeschoben. Ich habe schon über die Gefahr einer Inkontinenz gelesen, habe es aber verdrängt und gedacht, abwarten und schauen, was passiert. Ich bin schon der eher positive Typ und denke, das geht schon gut!

Mit einem TURP-Verfahren (Transurethrale Resektion der Prostata; die Redaktion) wurde dann etwas von meiner vergrößerten Prostata abgeschält. Vom Ablauf her war das sehr gut. Ich habe eine Spinalnarkose bekommen und konnte alles während der OP auf einem Monitor mitverfolgen.

Im Krankenhaus waren andere Patienten mit ähnlichen Problemen. Ich habe viel darüber gesprochen und einiges gelernt. Das, was mich aber gestört hat war, dass alle älter waren als ich. Mich hat es relativ früh erwischt.

Operation gut überstanden

Nachdem der Katheter nach der Operation entfernt wurde, habe ich erst wirklich gemerkt, welche Probleme ich beim Wasserlassen hatte. Das war von heute auf morgen um so vieles besser, ich konnte regelrecht die Borke vom Baum pinkeln. Das war ein himmelweiter Unterschied. Am Anfang hatte ich meine Beschwerden gar nicht so mitbekommen, es ging ja ziemlich schleichend. Erst dachte ich, dass das normal ist, wenn man ein wenig älter wird, wenn es nicht mehr so gut geht. Und jetzt ist es plötzlich wieder ganz normal, so wie früher - vier Sekunden und dann fertig. Dann wurde mir so richtig bewusst, welche Einschränkung das war.

Ich habe am Ende alles gut überstanden. Die Nachteile nach der Operation, wie zum Beispiel das Nachtröpfeln, ließen nach einer Weile wieder nach. Aber so richtig kann ich meinem Schließmuskel nicht mehr trauen, vor allem, wenn ich mich anstrenge. Es kann dann schon mal was in die Hose gehen. Aber das weiß ich und es wird mit der Zeit auch besser. Meine Ejakulation hat sich auch verändert - das ist jetzt einfach so. Ich kann gut damit leben. Ansonsten geht es mir sehr gut. Ich habe keine Schmerzen und treibe wieder viel Sport.

Bei den rasant gestiegenen PSA-Werten hatte ich Angst, dass es Krebs sein könnte, und wollte das abklären lassen. Vor allem nach der ersten Biopsie habe ich mich gefragt, was ist, wenn es Krebs ist. Ich habe mich dann in das Thema eingelesen und erfahren, dass es gut behandelbar ist, wenn es früh erkannt wird, und da habe ich mir gesagt, dass ich mich nicht verrückt machen lasse.

Die letzte Biopsie, die mit dem Harnverhalt geendet hat, hätte ich mir eigentlich sparen können. Die Ärzte machen das halt gern und man will dann doch immer die letzte Sicherheit und lässt die Untersuchung machen.

Meine Frau hat mich sehr unterstützt

Ich habe das alles mit meiner Frau besprochen. Sie hat mich sehr unterstützt und wir haben uns beide über die Erkrankung informiert. Ich habe dann gesagt, dass die Operation für mich der richtige Weg ist, und sie hat dem zugestimmt.

Ich treibe sehr gern Sport. Nach der Operation war das einige Wochen nicht möglich. Das hat mich schon ein wenig belastet. Aber jetzt geht es wieder richtig gut. Ich war auch mit dem Katheter im Fitnessstudio. Man zieht sich ja in der Umkleidekabine um und dort wurde ich von anderen Männern darauf angesprochen, dass sie auch schon einen Katheter hatten. Und da wurde mir klar, dass das eigentlich kein Tabuthema mehr ist. Ich habe generell kein Problem, darüber zu sprechen, und ich habe auch auf der Arbeit darüber gesprochen.

Zwei Ärzte – zwei Meinungen

Die Ärzte haben manchmal unterschiedliche Auffassungen. Der Urologe hat zu mir gesagt, dass ich zum Operieren noch zu jung sei und es erst mal mit Medikamenten probieren solle. Der Arzt in der Klinik meinte, dass eine Operation das Beste wäre, da ich ja noch so jung sei. So unterschiedlich sind die Auffassungen. Für mich war die Operation der richtige Schritt. Mich hat es gestört und ich wollte es raushaben.

Jeder muss selbst entscheiden, was das Beste für einen ist. Das ist schwierig, weil Prostataprobleme bei jedem anders ausgeprägt sind. Für mich waren die Tabletten einfach nichts. Der Harnverhalt nach der Biopsie war eine sehr große Beeinträchtigung. Einige sagen auch, dass man gut damit leben kann, öfters in der Nacht aufzustehen und zur Toilette zu gehen oder wenn das Wasserlassen länger dauert. Mir persönlich geht es jetzt viel besser. Für mich war das die beste Lösung.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

Schlagwörter: Drüsen und Hormone, Männergesundheit, N40, Prostatavergrößerung