Genitalherpes in der Schwangerschaft

Foto von schwangerer Frau (PantherMedia / andesign101) Es kommt nur selten vor, dass Herpes-Viren bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden. Hatte eine Frau bereits zu Beginn der Schwangerschaft Herpes-Viren im Körper, spricht nichts gegen eine natürliche Geburt – es sei denn, kurz vorher gibt es Anzeichen für einen Genitalherpes-Ausbruch.

Für Säuglinge kann eine Herpes-Infektion lebensbedrohlich sein. Viele Frauen mit Genitalherpes haben daher Angst, dass sie die Herpes-Viren bei der Geburt an das Kind weitergeben könnten. Dies passiert aber nur selten.

Wie man mit Genitalherpes in der Schwangerschaft umgehen kann und ob eine natürliche Geburt möglich ist, hängt davon ab,

  • ob es kurz vor der Geburt Anzeichen für einen Genitalherpes-Ausbruch gibt und
  • wann sich eine Frau mit dem Virus angesteckt hat.

Ein Säugling kann sich vor allem dann anstecken, wenn die Mutter bei der Geburt einen Genitalherpes-Ausbruch hat. Dann kann das Kind auf seinem Weg durch Muttermund und Scheide mit den Viren in Kontakt kommen. Auch in den ersten acht Wochen nach der Geburt ist Vorsicht geboten. Menschen mit Herpes sollten das Baby zum Beispiel in dieser Zeit nicht küssen und auf eine gute Händehygiene achten. Wenn das Neugeborene Anzeichen einer Herpes-Infektion entwickelt, wie zum Beispiel Fieber, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge, ist schnell ärztlicher Rat nötig.

Das Ansteckungsrisiko ist deutlich geringer, wenn eine Frau schon vor oder zu Beginn der Schwangerschaft Genitalherpes hatte. Dann hat das Immunsystem der Frau bereits Antikörper gegen das Virus gebildet. Die Antikörper erreichen über den Mutterkuchen (Plazenta) auch das Kind und verleihen ihm einen gewissen Schutz.

Ansteckung vor oder zu Beginn der Schwangerschaft

Frauen, die sich bereits vor der Schwangerschaft oder im ersten Drittel der Schwangerschaft mit Herpes angesteckt haben, übertragen das Virus nur selten auf ihr Kind. In einer großen Studie kam es bei einer von 100 Geburten zu einer Infektion des Säuglings.

Wenn eine schwangere Frau Genitalherpes hat, ist es wichtig, dass sie mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt darüber spricht. So kann sie oder er die Haut vor der Geburt auf Anzeichen für einen Ausbruch untersuchen. Wichtig ist auch, der Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen, wenn zum Zeitpunkt der Geburt Frühsymptome wie Kribbeln an den Geschlechtsorganen auftreten. Weist nichts auf einen Ausbruch hin, ist eine natürliche Geburt möglich; andernfalls wird in der Regel ein Kaiserschnitt empfohlen. Dadurch lässt sich das Risiko für eine Ansteckung deutlich senken.

Es wird geschätzt, dass ungefähr 13 von 100 Schwangeren mit Genitalherpes zum Zeitpunkt der Geburt einen Ausbruch haben. Das Risiko hierfür lässt sich durch eine vorbeugende Behandlung mit virushemmenden Medikamenten senken. Die Mittel werden dann ab der 36. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt täglich eingenommen. Dadurch erhöht sich auch die Chance, dass eine Frau ihr Kind auf natürlichem Weg zur Welt bringen kann. In Studien hatten

  • ohne vorbeugende Behandlung 13 von 100 Frauen einen Kaiserschnitt,
  • mit vorbeugender Behandlung nur 4 von 100 Frauen einen Kaiserschnitt.

In der Regel wird der Wirkstoff Aciclovir eingesetzt, weil es mit diesem Mittel die meisten Erfahrungen gibt. Aus bisherigen Studien gibt es keine Hinweise, dass es dem Säugling schadet.

Ob eine Frau vorbeugend Medikamente einnehmen möchte, ist ihre persönliche Entscheidung: Einigen Frauen ist es sehr wichtig, während der Schwangerschaft auf Medikamente zu verzichten. Andere möchten ihr Kind vor allem möglichst auf natürlichem Weg zur Welt bringen. Wieder andere vertrauen darauf, dass auch ohne Behandlung alles gutgehen wird.

Ansteckung im letzten Drittel der Schwangerschaft

Nach einer Erstansteckung im letzten Schwangerschaftsdrittel kommt es bei schätzungsweise 30 bis 50 von 100 Geburten zu einer Übertragung des Virus auf das Kind. Wenn sich eine Frau in dieser Zeit mit Herpes-Viren ansteckt, ist daher ein Kaiserschnitt üblich, um das Kind zu schützen. Sinnvoll ist außerdem, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen, die oder der sich auf die Behandlung von Infektionskrankheiten spezialisiert hat.

Um eine Ansteckung im letzten Drittel der Schwangerschaft zu vermeiden, ist es besser, in dieser Zeit keinen Sex mit Partnern zu haben, die Genitalherpes haben oder haben könnten. Dies gilt auch für Oralverkehr mit Menschen, die Lippenherpes haben.

Wie können Ausbrüche in der Schwangerschaft behandelt werden?

Da ein Erstausbruch von Genitalherpes meist starke Beschwerden auslöst, wird er auch in der Schwangerschaft häufig mit Aciclovir behandelt. Wird der Ausbruch besonders heftig, kann das Medikament auch intravenös über einen Tropf gegeben werden.

Da weitere Ausbrüche normalerweise deutlich milder verlaufen, wird oft auf Medikamente verzichtet. Bei starken Beschwerden oder möglichen Komplikationen kann aber auch dann eine medikamentöse Behandlung infrage kommen.

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