Gegipstes Bein: Wann sind Anti-Thrombose-Spritzen sinnvoll?

Foto von Frau mit ruhiggestelltem Bein (Creatas Images / Creatas / Thinkstock) Wenn ein Bein für längere Zeit durch einen Gips oder eine Schiene ruhiggestellt wird, kann sich eine tiefe Venenthrombose bilden. Menschen mit erhöhtem Thromboserisiko wird empfohlen, mit Anti-Thrombose-Spritzen vorzubeugen.

Manchmal zwingen ein Knochenbruch oder eine Operation am Fuß, Sprunggelenk oder Unterschenkel dazu, das betroffene Bein eine Zeitlang ruhig zu stellen. Bleibt es über mehrere Tage oder Wochen eingegipst oder geschient, fließt das Blut langsamer durch die Venen als bei normaler Bewegung. Dadurch steigt das Risiko, dass sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einer Bein- oder Beckenvene bildet. Blutgerinnsel können die Venen verstopfen und den Blutfluss behindern. Dann spricht man von einer tiefen Venenthrombose (TVT).

Die meisten tiefen Venenthrombosen lösen sich unbemerkt von selbst wieder auf. Manche führen jedoch zu Beschwerden wie geröteter Haut, Schwellungen und Schmerzen. Eine TVT kann gefährlich werden, wenn sich das Blutgerinnsel aus den Venen löst, über den Blutkreislauf in die Lunge gelangt und eine Lungenembolie verursacht. Dies passiert zum Glück sehr selten.

Möglichkeiten der Thromboseprophylaxe

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Risiko für eine TVT zu senken. Am wichtigsten ist es, möglichst rasch wieder aufzustehen und sich zu bewegen. Allerdings sollte man das Bein auch nicht zu früh wieder belasten, damit der Heilungsprozess nicht gefährdet wird.

Eine Möglichkeit, das TVT-Risiko zu senken, sind Anti-Thrombose-Strümpfe (Kompressionsstrümpfe), zumindest für das gesunde Bein. Sie üben Druck auf das Bein aus und unterstützen die Venen dabei, das Blut wieder schneller zum Herzen zurück zu transportieren.

Eine andere Möglichkeit sind Medikamente, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen. Am gängigsten sind Arzneimittel aus der Gruppe der Heparine. Sie werden unter die Haut gespritzt. Man unterscheidet „niedermolekulare“ und „unfraktionierte“ Heparine. Niedermolekulare Heparine müssen nur einmal am Tag gespritzt werden, unfraktionierte Heparine dagegen zwei- bis dreimal. Menschen, die ein Bein ruhigstellen müssen, wenden meist niedermolekulare Heparine an. Wenn sie die Zeit der Regeneration zu Hause verbringen, können sie sich selbst spritzen.

Eine mögliche Nebenwirkung von Heparin-Spritzen sind Blutungen. Meist sind es nur kleine Blutungen an der Einstichstelle, die sich zum Beispiel durch blaue Flecken zeigen. Das Risiko für eine Blutung ist zum Beispiel bei einem Magengeschwür, einer Blutung in den Monaten zuvor sowie bei Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie Acetylsalicylsäure (ASS) erhöht. Männer haben ein etwas höheres Blutungsrisiko als Frauen. Allgemein steigt es mit dem Alter. Starke Blutungen, die eine Bluttransfusion erfordern, oder Blutungen in einem lebenswichtigen Organ sind sehr selten.

Zum Beispiel für Menschen, die an einem Magen-Darm-Geschwür erkrankt sind oder in den Wochen oder Monaten davor eine ernsthaftere Blutung hatten, kommt Heparin nicht infrage.

Studien zur Vorbeugung mit Medikamenten

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben untersucht, wie wirksam niedermolekulare Heparine einer TVT bei Menschen vorbeugen können, deren unteres Bein geschient oder eingegipst wurde. In den Studien erhielt die eine Hälfte de Teilnehmenden Heparin-Spritzen, die andere Hälfte ein Scheinmedikament – und zwar so lange, wie ihr Bein ruhiggestellt war.

Aktuelle Studienergebnisse

Die Auswertung von 6 Studien mit etwa 1470 Personen deutet darauf hin, dass Anti-Thrombose-Spritzen das Risiko für eine tiefe Venenthrombose verringern:

  • Ohne Heparin-Spritzen bekamen 23 von 1000 Personen eine TVT, die zu Beschwerden führte.
  • Mit Heparin-Behandlung bekamen 9 von 1000 Personen eine TVT mit Beschwerden.

Mit anderen Worten: Wenn 1000 Menschen mit einem gegipsten oder geschienten unteren Bein Heparin spritzen, werden 14 tiefe Venenthrombosen verhindert. Die Vor- und Nachteile lassen sich aber noch nicht sicher beurteilen. Der Grund: Die Hälfte der Studien hatte methodische Probleme, die Ergebnisse sind daher nur eingeschränkt zuverlässig.

Für wen sind Anti-Thrombose-Spritzen sinnvoll?

Die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland haben sich zusammengetan, um eine Leitlinie zur Vorbeugung von Venenthrombosen zu entwickeln. Darin werden verschiedene Risikofaktoren aufgelistet, die das TVT-Risiko erhöhen. Dazu gehören:

  • vorangegangene Venenthrombose
  • eine bestimmte Blutgerinnungsstörung
  • bestehende Krebserkrankung
  • Alter über 60 Jahre
  • Adipositas (BMI über 30)
  • chronische Herzschwäche oder überstandener Herzinfarkt

Die Entscheidung für oder gegen eine vorbeugende Therapie mit Anti-Thrombose-Spritzen richtet sich unter anderem nach dem individuellen Thromboserisiko sowie der Art der Verletzung und Behandlung.

Schlagwörter: Herz und Kreislauf, I80, I82, Reisethrombose, Thrombose, Tiefe Venenthrombose, Venenthrombose