Gebärmutterhalskrebs: Früherkennung und Vorsorge

Foto von Frau am Mikroskop (PantherMedia / kurhan) Eine regelmäßige Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen kann Gebärmutterhalskrebs vorbeugen. Die Früherkennung kann aber auch Überbehandlungen von Gewebeveränderungen (Dysplasien) nach sich ziehen.

Gebärmutterhalskrebs (medizinisch: Zervixkarzinom) entsteht durch Gewebeveränderungen am Muttermund. Diese können durch Früherkennungsuntersuchungen erkannt und anschließend entfernt werden, bevor sie sich möglicherweise zu Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Deshalb kann man bei dieser Untersuchung von Vorsorge sprechen. Seit der Einführung der Früherkennungsuntersuchungen in den 1970er Jahren erkranken deutlich weniger Frauen an Gebärmutterhalskrebs als zuvor.

Aus diesem Grund bietet die gesetzliche Krankenversicherung allen Frauen ab 20 Jahren eine regelmäßige Untersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs an. Derzeit besteht die Untersuchung aus einem sogenannten Pap-Test (Pap-Abstrich) auf Zellveränderungen, der jährlich in Anspruch genommen werden kann.

Eine andere Möglichkeit zur Früherkennung ist der HPV-Test. Er sucht nach Humanen Papillomviren (HPV), die als Hauptverursacher von Gebärmutterhalskrebs gelten. Der HPV-Test wird zurzeit nicht routinemäßig im Rahmen der Früherkennung eingesetzt. Es ist jedoch geplant, ihn künftig zusammen mit dem Pap-Test anzubieten. Studien haben gezeigt, dass sich der HPV-Test ebenfalls zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs eignet.

Wie läuft der Pap-Test ab?

Die Frauenärztin oder der Frauenarzt führt ein Instrument (Spekulum) in die Scheide ein und entnimmt mit einem kleinen Spatel oder Bürstchen Schleimhautzellen: einmal vom Muttermund und einmal aus der Öffnung des Gebärmutterhalses. Diese Abstriche dauern wenige Sekunden und sind meist schmerzfrei.

Die Zellproben werden zur weiteren Untersuchung in ein Labor geschickt und dort unter dem Mikroskop untersucht. Dabei zeigt sich, ob es veränderte Zellen gibt und wie stark sie sich verändert haben. Das Testergebnis erhält die Frauenarztpraxis meist innerhalb einer Woche.

Welches Ergebnis kann der Pap-Test haben?

Bei den meisten Frauen ist das Ergebnis unauffällig. Dann reicht es, den nächsten Pap-Test nach frühestens einem Jahr wahrzunehmen. Auch hinter den meisten auffälligen Ergebnissen stecken harmlose oder gut behandelbare Veränderungen und kein Krebs. Die folgende Tabelle zeigt, was die verschiedenen Pap-Befunde bedeuten. 

Befundgruppe Ergebnis
Pap I Der Befund besagt, dass die Zellen gesund sind: Es ist alles in Ordnung.
Pap II Bei diesem Befund sind die Zellen gering verändert, was in der Regel aber keine Bedeutung hat. Folgeuntersuchungen sind meist nicht notwendig.
Pap III Die Zellen sind deutlich verändert oder stark entzündet. Es lässt sich aber nicht beurteilen, ob die Zellveränderungen harmlos sind oder nicht. Vielleicht wird der Pap-Test wiederholt oder es wird ein HPV-Test durchgeführt. Zusätzlich kann der Gebärmutterhals mit einer Art Lupe betrachtet werden (Kolposkopie). Dabei kann auch eine Gewebeprobe entnommen werden (Biopsie). Mit einer Biopsie lässt sich feststellen, wie weit eine Gewebeveränderung fortgeschritten ist.
Pap IIID Die Zellveränderungen sind leicht bis mittelstark, aber nicht bösartig. Nach sechs Monaten wird der Pap-Test wiederholt oder ein HPV-Test gemacht, eventuell ergänzt durch eine Kolposkopie und eine Biopsie.
Pap IV Es besteht der Verdacht auf eine starke Gewebeveränderung oder Krebsvorstufe (CIN 3). Über eine Kolposkopie und eine Gewebeentnahme kann geklärt werden, ob es sich bereits um einen Tumor handelt.
Pap  V Beim Pap-Abstrich wurden Tumorzellen gefunden, und der Tumor ist vermutlich bereits in tiefere Gewebeschichten eingewachsen (invasives Karzinom). Um dies sicher beurteilen zu können, muss bei einer Kolposkopie eine Gewebeprobe entnommen werden.

Die Behandlung einer Gewebeveränderung hängt davon ab, wie weit die Veränderung fortgeschritten ist. Leichte und mittelgradige Dysplasien werden meist nur beobachtet. Bei hochgradigen Veränderungen wird ein Eingriff empfohlen, da sie sich häufig zu Krebs weiterentwickeln.

Der HPV-Test

Beim HPV-Test wird untersucht, ob der Gebärmutterhals mit HP-Viren infiziert ist, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Ob die Infektion von selbst wieder verschwindet oder bestehen bleibt, kann der Test nicht vorhersagen. Durch den Test lässt sich herausfinden, mit welchem Virustyp eine Frau infiziert ist:

  • Weist der Test Hochrisiko-HP-Viren nach, besteht ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs.
  • Wenn der Test bei einer Frau keine HP-Viren findet (negativer HPV-Test) und ein Zellabstrich unauffällig war, besteht zum Test-Zeitpunkt kein Risiko, Gebärmutterhalskrebs zu entwickeln.

Genauso wie beim Pap-Test wird für den HPV-Test ein Zellabstrich vom Muttermund und aus der Öffnung des Gebärmutterhalses entnommen.

Alle Krankenkassen bezahlen einen HPV-Test, wenn ein Pap-Test auffällig war. Wenn der HPV-Test nach einer Operation gemacht wird, um den Behandlungserfolg zu überprüfen, werden die Kosten ebenfalls meist übernommen.

Einige Frauenärztinnen oder -ärzte bieten den HPV-Test auch im Rahmen der Krebsfrüherkennung an. Er zählt dann zu den individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, die selbst bezahlt werden müssen.

Welche Vorteile hat die Früherkennung?

Der wichtigste Vorteil der Früherkennung ist, dass Vorstufen rechtzeitig entdeckt und entfernt werden können. Durch eine regelmäßige Teilnahme sinkt das Risiko deutlich, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Belastende Behandlungen wie Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien lassen sich vermeiden. Zudem können die Heilungschancen eines Tumors besser sein, wenn er früher entdeckt wird.

Die folgenden Tabellen zeigen Hochrechnungen, wie viele Frauen mit und ohne Früherkennung an Gebärmutterhalskrebs erkranken oder sterben. Die Zahlen der Spalte „mit Früherkennung“ gelten für Frauen, die zwischen 20 und 30 mit der Früherkennung beginnen und ihr Leben lang regelmäßig teilnehmen. Die Zahlen werden jeweils für Frauen mit und ohne HPV-Impfung dargestellt, da geimpfte Frauen ein deutlich geringeres Erkrankungsrisiko haben.

Nicht gegen HPV geimpft: Wie viele von 1000 Frauen … Ohne Früherkennung Mit Früherkennung
… erkranken an Gebärmutterhalskrebs? 30 Weniger als 1
… sterben an Gebärmutterhalskrebs? 12 Weniger als 1

 

Gegen HPV geimpft: Wie viele von 1000 Frauen … Ohne Früherkennung Mit Früherkennung
… erkranken an Gebärmutterhalskrebs? 10 Weniger als 1
… sterben an Gebärmutterhalskrebs? 4 Weniger als 1

Welche Nachteile hat die Früherkennung?

Der Pap- und der HPV-Test sind zwar die besten Untersuchungen, um Vorstufen rechtzeitig zu entdecken – sie haben jedoch ihre Grenzen. Wer sie regelmäßig machen lässt, muss damit rechnen, mindestens einmal im Leben einen auffälligen Befund zu erhalten – ohne dass sich dahinter etwas Ernsthaftes verbirgt.

Infolge der Tests werden auch Dysplasien entdeckt, die nie gefährlich geworden wären. Deshalb werden immer wieder auch harmlose Veränderungen durch eine Operation am Gebärmutterhals (Konisation) behandelt. Solche „Überbehandlungen“ lassen sich bei der Früherkennung nicht generell vermeiden. Denn es lässt sich nicht vorhersagen, aus welchen Dysplasien sich Krebs entwickelt und aus welchen nicht. Das Risiko für Überbehandlungen sinkt aber, wenn bei leichten und mittelgradigen Dysplasien nicht sofort operiert, sondern zunächst abgewartet wird, wie sie sich entwickeln.

Nach Hochrechnungen müssen

  • etwa 110 bis 120 von 1000 nicht gegen HPV geimpfte Frauen mit einer Konisation rechnen.
  • etwa 40 von 1000 gegen HPV geimpfte Frauen mit einer Konisation rechnen.

Auch diese Zahlen gelten für Frauen, die zwischen 20 und 30 mit der Früherkennung beginnen und ihr Leben lang regelmäßig teilnehmen.

Was Studien sagen

Hat es Nachteile, wenn man nicht jedes Jahr zur Früherkennung geht?

Die Früherkennung schützt am besten vor Gebärmutterhalskrebs, wenn man regelmäßig teilnimmt. Normalerweise ist der Schutz aber fast ebenso gut, wenn man den Pap-Test nur alle zwei oder drei Jahre wahrnimmt und nicht jedes Jahr. Dann kommt es unter Umständen seltener zu auffälligen Befunden, die unnötig in Sorge versetzen. Dadurch sinkt auch das Risiko für Überbehandlungen.

Jede Frau kann für sich oder gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt entscheiden, wann sie mit der Früherkennung beginnen möchte und in welchem Abstand sie sich untersuchen lässt. In den meisten Ländern werden die Untersuchungen das erste Mal zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr angeboten.

Ist es sinnvoll, zusätzliche Tests selbst zu bezahlen?

Vielen Frauen werden in Arztpraxen zusätzliche Untersuchungen zur Früherkennung angeboten, die sie privat zahlen müssen. Diese werden individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) genannt. Alle notwendigen Untersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs werden von den Krankenkassen bezahlt. Zusätzliche Tests haben keine Vorteile. Stattdessen steigt das Risiko, durch auffällige Befunde unnötig in Sorge versetzt zu werden, und es kann eher zu Überbehandlungen kommen.

Die Grenzen der Früherkennung

Regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen können die meisten Dysplasien rechtzeitig entdecken. Ein einzelner Pap-Abstrich ist jedoch nicht sehr zuverlässig: Etwa die Hälfte aller fortgeschrittenen Dysplasien wird dabei übersehen. Die meisten dieser Dysplasien können aber bei darauffolgenden Untersuchungen in den nächsten Jahren immer noch rechtzeitig entdeckt werden. Dennoch ist nicht völlig auszuschließen, dass Vorstufen übersehen werden und sich ein Tumor entwickelt.

Deshalb ist es wichtig, sich direkt an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden, wenn Veränderungen wie ungewöhnliche Blutungen oder ungewöhnlicher Scheidenausfluss auffallen.

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