Einleitung

Fingolimod (Handelsname Gilenya) ist seit März 2011 für Menschen mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose zugelassen, bei denen die Standardbehandlung mit Beta-Interferon nicht ausreichend wirkt oder bei denen die Krankheit besonders rasch und schwer verläuft. Seit Mai 2014 ist der Wirkstoff auch zugelassen, wenn mit einer anderen krankheitsmodifizierenden Therapie wie beispielsweise Glatirameracetat vorbehandelt wurde. „Krankheitsmodifizierend“ wird eine Therapie genannt, wenn sie den Verlauf einer Krankheit günstig beeinflussen kann.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, nicht heilbare entzündliche Erkrankung, bei der das eigene Immunsystem Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark schädigt. Dies kann zu Gefühlsstörungen, Müdigkeit, Schmerzen in Armen und Beinen, Lähmungserscheinungen, Schwindel und Zittern führen. Häufig verläuft eine MS schubweise mit akuten Krankheitsphasen und beschwerdefreien Intervallen. Diese Form wird auch als schubförmig-remittierende Multiple Sklerose (remittierend = zurückbildend) bezeichnet. Wenn viele Schübe in kurzer Zeit auftreten, sprechen Fachleute von einem hochaktiven Verlauf.

Die Krankheit wird zunächst meist mit Beta-Interferon oder Glatirameracetat behandelt. Arzneimittel wie Fingolimod, Glatirameracetat und Beta-Interferon beeinflussen das Immunsystem, um die Schädigung der Nerven zu verlangsamen.

Anwendung

Das Medikament wird einmal täglich unabhängig von einer Mahlzeit als Kapsel (0,5 mg) eingenommen.

Andere Behandlungen

Für Personen mit hochaktiver oder rasch fortschreitender schubförmiger Multipler Sklerose stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Dazu gehören vor allem Beta-Interferon und Glatirameracetat.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Fingolimod im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien für Personen mit hochaktiver schubförmiger MS hat. Diese lassen sich nach dem Stadium ihrer Erkrankung und vorherigen Therapien in verschiedene Gruppen unterteilen. Das IQWiG hat Fingolimod für folgende Gruppen von Patientinnen und Patienten bewertet:

  • Personen, bei denen die Erkrankung aktiv geblieben ist, obwohl sie vollständig und angemessen mit der Standardtherapie behandelt wurden.
  • Personen mit einer rasch fortschreitenden schweren schubförmigen MS.

Für Personen, die vollständig mit Beta-Interferon vorbehandelt wurden, legte der Hersteller zum Vergleich mit Fingolimod keine geeigneten Daten vor. Die Frage, welche Vor- und Nachteile Fingolimod gegenüber den bisherigen Standardtherapien hat, kann daher für diese Gruppe nicht beantwortet werden.

Für folgende Gruppen lagen ausreichende Daten vor:

Mehr Wissen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse mehrerer Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .

Generelle Informationen über Fingolimod und mögliche Nebenwirkungen finden sich im Beipackzettel und in .