Das erneute Eincremen finde ich schwierig, da spielt Bequemlichkeit mit

Foto von Frau am Strand (PantherMedia / Andreas Wolf) Monika, 43 Jahre

„Ich habe gelernt, mich regelmäßig beim Hautarzt untersuchen zu lassen. Aber auch, meine Haut selbst im Blick zu haben, damit ich schnell genug reagieren kann.“

Ich weiß gar nicht so genau, wann mir bewusst geworden ist, dass es für mich ein höheres Risiko für Hautkrebs gibt. Ich glaube, dieses Bewusstsein ist langsam gewachsen.

Vor einigen Jahren kam mir ein Muttermal verdächtig vor. Daraufhin bin ich zu einer Hautärztin gegangen. Sie meinte, dass es weggeschnitten werden sollte. Sie wollte dies aber nicht selbst tun, sondern schickte mich zu einem Chirurgen und empfahl mir, möglichst schnell zu ihm zu gehen. Auf meine Nachfrage hin meinte sie, dass sie nichts dazu sagen könne und wir erstmal abwarten müssten. Auf der Überweisung zum Chirurgen stand „Verdacht auf malignes Melanom“. Das war sehr widersprüchlich und verunsichernd für mich: Einerseits meinte sie, dass sie nichts sagen kann und andererseits schreibt sie diese Verdachtsdiagnose auf die Überweisung mit dem Hinweis, sehr schnell zum Chirurgen zu gehen. Der Chirurg hat das Muttermal dann weggeschnitten.

Danach bin ich zur Wundversorgung wieder zu der Hautärztin gegangen. Nach einer Woche sollte das Ergebnis da sein. Die Ärztin hat dann nebenbei erwähnt, dass alles in Ordnung ist. Sie hatte bestimmt vergessen, was sie auf die Überweisung geschrieben hatte und was das für mich bedeutet hat.

Nach der Schwangerschaft wurde ein Muttermal entfernt

Anfang der 90er Jahre habe ich einige neue Muttermale bekommen. Sie waren sehr dunkel, fast schwarz. Als ich schwanger war, bekam ich dann sehr dunkle Muttermale im Rumpfbereich. Sie waren am Rand ein wenig ausgefranst und ich dachte, dass ich sie mal der Hautärztin zeigen sollte. Die Ärztin meinte, dass man sie im Auge behalten sollte, aber dass es nicht schlimm ist und bis nach der Schwangerschaft Zeit hat. Ein dreiviertel Jahr nach der Geburt bin ich wieder hingegangen. Die Hautärztin hat dann entschieden, dass sie das Muttermal herausschneidet.

Nach der Operation habe ich bei der Hautärztin angerufen, um das Ergebnis zu erfahren. Die Sprechstundenhilfe konnte mir das Ergebnis nicht am Telefon nennen und meinte, ich müsse vorbeikommen. Ich habe mir gedacht: „Oh Gott, was heißt das jetzt?“ und bin hingefahren. Ich habe schon mein Todesurteil vor mir gesehen, aber das war es dann gar nicht. Die Ärztin sagte, das Ergebnis sei grenzwertig. Es seien Zellveränderungen festgestellt worden, die jedoch nicht bösartig wären. Das war im Ganzen nicht so gut. Sie hat sicherlich überhaupt nicht realisiert, in welcher Panik ich die ganze Zeit war. Das war schon ein Schrecken für mich. Daraufhin habe ich die Hautärztin gewechselt.

Ich habe dann im Anschluss jedes halbe Jahr meine Haut untersuchen lassen und bin regelmäßig zur Kontrolle gegangen.

In der Bibliothek habe ich mich umfassend informiert

Ich habe mich im Nachhinein immer mehr informiert. In der Stadtbibliothek habe ich mir alle Bücher zum Thema ausgeliehen. Ich habe versucht, ein wenig Sicherheit für mich zu finden.

Ich habe tausendmal am Tag auf einen Fleck geschaut, habe immer wieder vor dem Spiegel gestanden und versucht, mir die Bilder, die ich in den Büchern gesehen habe, vor Augen zu rufen. Ich kann mich in solche Situationen ganz gut hineinsteigern. Meine Realitätswahrnehmung stimmt dann nicht immer. Ich schaue so lange auf den Fleck, bis ich nicht mehr weiß, ob er größer geworden ist. Manchmal gelingt es mir, mich zu beruhigen. Das hängt immer auch davon ab, wie es mir an diesem Tag gerade geht. Es gibt aber auch Situationen, in denen ich denke, dass unter mir der Boden wegsackt. Ich muss sagen, dass ich ein wenig hypochondrisch veranlagt bin. Wenn ich einen etwas auffälligen Fleck bei mir sehe, dann schaue ich ständig darauf und jedes Mal habe ich den Eindruck, dass er etwas dunkler geworden und gewachsen ist.

Mir hilft es dann, wenn ich mich beschäftige, Leute treffe oder arbeite. Das Alleinsein ist in solchen Momenten für mich fürchterlich. Mir helfen Informationen, obwohl ich sie manchmal auch verwirrend finde. Es gibt so viele Bilder, bei manchen steht dann, dass ein Muttermal in dieser Ausprägung bösartig sein könnte, auf einer anderen Seite steht bei einer ähnlichen Abbildung, dass es nicht bösartig ist. Manchmal kann ich zwischen den Abbildungen keinen Unterschied erkennen.

Kontrolltermine nehme ich regelmäßig wahr

Meine neue Hautärztin ist sehr gründlich. Ich gehe regelmäßig einmal im Jahr oder alle anderthalb Jahre zur Kontrolle. Bei der Kontrolle ziehe ich mich von Kopf bis Fuß aus und lege mich auf eine Liege. Sie schaut sich zuerst den Rücken, dann den Bauch an und prüft alles sehr gründlich mit einer kleinen Lupe. Manche Muttermale schaut sie sich ein wenig intensiver an und wenn ihr eins besonders auffällt, entfernt sie es. Es ist aber auch schon ein paar Jahre her, dass mir ein auffälliges Muttermal wegoperiert wurde. So kritisch wie das eine war bisher keines mehr.

Ich hatte mit dem Herausschneiden keine Probleme. Die Narben sind bei mir winzig klein und man sieht sie fast nicht mehr. Das Herausschneiden war in einer halben Stunde erledigt, wurde ambulant gemacht und war völlig unspektakulär. Es ziepte ein wenig, verheilte aber ganz schnell.

Über die Untersuchung mache ich mir nie große Gedanken. Man offenbart sich ja schon. Man zieht sich ganz aus und liegt nur noch mit der Unterhose bekleidet auf der Liege. Das ist schon ein bisschen komisch.

Ich schaue meine Haut auch selbst gründlich an

Manchmal zögere ich die Termine für die Kontrolluntersuchungen heraus. Es ist schon ein Aufwand, vor allem muss man so lange warten. Die Untersuchung selber dauert nicht so lange. Nach der Untersuchung bin ich immer wieder sehr erleichtert, wenn die Hautärztin nichts Auffälliges gefunden hat. Bei dem letzten Fleck, der mir entfernt wurde, war ich sicher, dass er harmlos ist. Dennoch war der Tag, an dem ich das Ergebnis abholen sollte, nicht einfach und ich war angespannt. Es bleibt immer, wenn etwas weggeschnitten wird, so eine Restangst. Es könnte bösartig sein, sonst würde es ja nicht weggeschnitten. Bei mir ist es jetzt so eine Kombination: Ich vertraue der Hautärztin, weil ich sie als sehr kompetent und vorsichtig erlebe, und mein eigenes Wissen hat sich vergrößert. Das macht sicher auch etwas aus.

Ich schaue meine Haut auch selbst gründlich an. Ich denke, ich habe es so weit im Griff, dass ich sehe, wenn da etwas Neues entsteht oder wenn sich die Muttermale verändern. Ich habe dabei kein Ritual oder feste Zeiten. Wir haben im Bad über dem Waschbecken einen großen Spiegel, vor dem ich dann stehe. Oder wenn ich mich anziehe, schaue ich, ob es neue Muttermale gibt oder ob sich die alten verändert haben.

Irgendwie ist das für mich schwer zu verstehen. Da verändert sich etwas an der Haut, was sehr winzig ist, aber unglaublich gefährlich sein kann. Das steht doch nicht in Relation zueinander. Der letzte Fleck, der mir weggeschnitten wurde, war nicht schwarz, aber schon dunkel und saß im Haaransatz. Diesen Fleck hatte ich ganz lange. Er wuchs sehr langsam. Es gab dann irgendwann einen Moment vor dem Spiegel, da hatte ich den Eindruck, dass er größer geworden sei. Vorher hatte ich ihn gar nicht beachtet, und dann war das wie ein Schalter, der umgelegt wurde. Von da an habe ich diesen Fleck als potenziell gefährlich eingestuft.

Manchmal habe ich trotz Schatten einen Sonnenbrand

Vor der Sonne schütze ich mich schon. Ich halte mich lieber im Schatten auf und ich sorge auch immer dafür, dass mein Sohn gut eingecremt ist. Aber ich selbst habe mir schon mal einen Sonnenbrand eingefangen, weil ich mich nicht häufig genug eingecremt hatte. Ich unterschätze das manchmal, weil ich denke, dass ich die ganze Zeit im Schatten bin. Und dann habe ich trotz Schatten einen Sonnenbrand.

Ich finde es schwierig, den richtigen Sonnenschutzfaktor auszuwählen. Wenn ich in der Drogerie vor den Sonnenschutzmitteln stehe, dann denke ich, dass ich die ganz hohen Schutzfaktoren nicht brauche, sondern dass diese eher für kleine Kinder sind. Ich glaube, dass ich das schon unterschätze. Auch das erneute Eincremen finde ich schwierig. Zum Beispiel wenn ich schon etwas vorgebräunt bin, mich eingeschmiert habe und dann ins Wasser gehe. Dann habe ich manchmal keine Lust mehr, mich erneut einzuschmieren. Da spielt schon ein wenig Bequemlichkeit mit.

Ich sorge dafür, dass mein Sohn gut eingecremt ist

Bei meinem Sohn achte ich viel genauer darauf. Ich schmiere ihn viel öfter ein als mich. Eigentlich kann er das mittlerweile selber, aber er hat wenig Lust dazu. Aber da bin ich hinterher. Manchmal ist das nicht einfach, aber ich setze mich durch.

Ich schaue auch, ob sich die Haut bei meinem Sohn verändert. Er hat einige dunkle Muttermale bekommen und ich war im letzten Jahr mit ihm bei der Hautärztin. Allerdings habe ich auch einen Fehler gemacht: Ich war mit ihm im vorpubertären Alter bei einer Ärztin. Er fand das Ausziehen ganz fürchterlich und hat sich geweigert. Wir laufen zu Hause zwar auch nackt herum, aber ich habe sein Schamgefühl falsch eingeschätzt. Er war ziemlich sauer auf mich und ich denke, auch zu Recht. Ich hätte mit ihm zu einem Arzt gehen sollen.

Ich habe gelernt, mich regelmäßig beim Hautarzt untersuchen zu lassen. Aber auch, meine Haut selbst im Blick zu haben, damit ich schnell genug reagieren kann.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

Schlagwörter: C43, D04, Haut und Haare, Krebs, Prävention, Schwarzer Hautkrebs, Z08, Z12, Z80