Einleitung

Dolutegravir (Handelsname Tivicay) ist seit Januar 2014 für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit einer Infektion durch HIV Typ 1 zugelassen, seit Februar 2017 auch für Kinder ab 6 Jahren. Das Medikament wird mit anderen Wirkstoffen gegen das Virus kombiniert.

Das HI-Virus („Humanes Immunschwäche-Virus“) vermehrt sich in Zellen des Abwehrsystems und zerstört sie dabei. Ohne Behandlung wird das Immunsystem bei den meisten Menschen mit einer HIV-Infektion mit der Zeit so stark geschwächt, dass sie schwer erkranken. Dieses Stadium wird dann als „AIDS“ (deutsch: „Erworbenes Immunschwäche-Syndrom“) bezeichnet. Mit den bereits zur Verfügung stehenden antiretroviralen Therapien kann eine HIV-Infektion nicht geheilt werden. Die Behandlung kann Menschen mit einer HIV-Infektion aber jahrelang vor einer Immunschwäche schützen und das Risiko an AIDS zu erkranken verringern. Allerdings können die Medikamente mit der Zeit ihre Wirkung verlieren, dann beginnen sich die Viren wieder stärker zu vermehren.

Anwendung

Dolutegravir gibt es als Tablette in drei Dosierungen: 10, 25 und 50 mg. Besteht bei Jugendlichen ab 12 Jahren und Erwachsenen keine Resistenz gegen Integrasehemmer wird Dolutegravir einmal täglich, unabhängig von einer Mahlzeit, in einer Dosierung von 50 mg eingenommen. Wird Dolutegravir bei Erwachsenen mit anderen Wirkstoffen wie beispielsweise Efavirenz, Nevirapin, Tipranavir / Ritonavir oder Rifampicin kombiniert oder sind Resistenzen gegen Integrasehemmer bekannt, sollte der Wirkstoff zweimal täglich (insgesamt 100 mg) eingenommen werden.

Bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren richtet sich die Dosierung des Wirkstoffs nach dem Körpergewicht.

Andere Behandlungen

Für Jugendliche und Erwachsene, die eine erste Therapie gegen HIV beginnen, stellt der Wirkstoff Efavirenz in Kombination mit zwei anderen Medikamenten wie Abacavir plus Lamivudin oder Tenofovir plus Emtricitabin eine gängige Behandlung dar.

Patientinnen und Patienten, die bereits Medikamente gegen HIV angewendet haben, erhalten in der Regel eine individuelle Therapie gegen HIV. Diese berücksichtigt, welche Behandlungen bereits versucht und warum diese abgesetzt wurden. Es ist beispielsweise möglich, dass die vorige Behandlung nicht wirkte oder zu starke Nebenwirkungen auslöste.

Für Kinder, die eine erste Therapie gegen HIV erhalten, kommt eine Kombination aus zwei Wirkstoffen wie Abacavir, Lamivudin, Emtricitabin oder Zidovudin zusätzlich zu Efavirenz oder Nevirapin oder einem Proteaseinhibitor in Kombination mit Ritonavir infrage.

Kinder, bei denen bereits Therapien gegen HIV angewendet wurden, erhalten in der Regel eine individuelle Therapie gegen HIV. Auch hier wird berücksichtigt, welche Behandlungen bereits versucht und warum diese abgesetzt wurden.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2017 geprüft, wie Dolutegravir im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien abschneidet. Das IQWiG hat dabei Vor- und Nachteile für folgende Gruppen von Patientinnen und Patienten bewertet:

  • Erstbehandlung bei Erwachsenen: Dolutegravir für Personen, die noch nicht mit anderen Medikamenten behandelt sind. Für diese Patientinnen und Patienten lagen Daten zu Vor- und Nachteilen von Dolutegravir vor.
  • Folgebehandlung bei Erwachsenen: Dolutegravir kombiniert mit einer individuellen Hintergrundtherapie für Personen, die bereits mit anderen Medikamenten vorbehandelt sind. Auch hier lagen Daten zu Vor- und Nachteilen vor.
  • Erst- und Folgebehandlung bei Kindern ab 6 Jahren und Jugendlichen: Die Frage, welche Vor- und Nachteile Dolutegravir bei der Erst- oder Folgebehandlung im Vergleich zu anderen Therapien bei Kindern und Jugendlichen hat, kann nicht beantwortet werden. Dazu legte der Hersteller keine verwertbaren Daten vor.

Mehr Wissen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .