„Ich fand es sehr wichtig, ihr das Gefühl zu geben, dass sie mit ihren Schmerzen nicht allein ist.“

Foto von Vater mit Nachwuchs beim Spaziergang (PantherMedia / Arne Trautmann) Britta, 32 Jahre

Als Sofia zum ersten Mal eine Mittelohrentzündung bekam, war sie etwa zwei Jahre alt. Es war das erste Mal, dass sie überhaupt richtig krank war. Im Winter hatte sie ihren ersten Infekt und gleich auch ihre erste akute Mittelohrentzündung.

Sie hatte Fieber, Schmerzen, die Nase war zu und sie fand keine Ruhe beim Schlafen. Wir sind dann zum Kinderarzt gegangen. Er hat ein Antibiotikum verschrieben, welches auch angeschlagen hat und damit war das für diesen Winter erledigt. Sofia hat sich gut von diesem Infekt und der Mittelohrentzündung erholt, sodass wir uns keine Sorgen gemacht haben. Wir hatten uns schon gewundert, dass sie erst so spät zum ersten Mal krank geworden ist.

Im Sommer darauf ist sie in den Kindergarten gekommen. Die Kinder werden in der ersten Zeit im Kindergarten ja oft häufiger krank. Sofia hatte in diesem Sommer mehrere Mittelohrentzündungen. Ihr ging es in dieser Zeit schlecht, sie hatte Schmerzen und war einfach schlapp. Die Anzeichen kamen oft plötzlich am Abend. Da war Sofia leicht fiebrig und auch ein wenig wehleidig. Und wenn sie im Bett lag und zur Ruhe kam, spürte sie wohl die Schmerzen und durch den Druck in den Ohren hat sie nachts immer wieder geweint. Die Nacht war dann meistens schlecht und am Morgen waren wir alle ziemlich kaputt. Das war für uns sehr schwer. Wir haben auch verschiedene Hausmittelchen probiert, denn wir hatten ein wenig Skrupel, ihr Tabletten zu geben, und wollten es erstmal anders probieren.

Hören konnte Sofia manchmal nicht so gut

Von meinem Kinderarzt habe ich mich nicht so richtig akzeptiert gefühlt. Er wollte Sofia immer homöopathische Mittel geben, aber ich glaube nicht daran und wollte das nicht. Es gibt bestimmt Menschen, die andere Erfahrungen damit gemacht haben, aber für mich kam das nicht infrage. Deshalb bin zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt gewechselt. Von ihm fühlte ich mich besser begleitet und er hat Sofia mit in die Untersuchungen einbezogen, mit ihr gesprochen und ihr erklärt, was er macht und warum. Ich hatte das Gefühl, dass sie sogar gern zum Arzt mitkommt.

Dass Sofia während einer Mittelohrentzündung manchmal nicht so gut hören konnte, habe ich daran gemerkt, dass sie manchmal nicht reagiert hat oder nur auf lauteres Ansprechen. Mein Mann hat sich große Sorgen gemacht. Ich fand das nicht so schlimm und habe gedacht, dass es oft bei dieser Erkrankung vorkommt und sich von alleine wieder legt. Und so war es dann auch. Sie spricht sehr gut und in der Schule entwickelt sie sich sehr gut.

Als Sofia öfter krank war, habe ich angefangen, regelmäßig Hühnersuppe zu kochen. Meine Oma hat schon darauf geschworen. Ich finde, sie macht von innen her warm. Sofia fand die Suppe immer total gut. Auch Salziges und Herzhaftes, aber auch gleichzeitig so etwas wie Eis und Joghurt haben ihr geschmeckt. Was sie in dieser Zeit nicht mochte, waren Zitrusfrüchte und Brot. Sie mochte eher Dinge, die sie nicht kauen musste und sich leicht schlucken ließen.

Zuversicht vermitteln – das war mir wichtig

Sie hat ganz viel Nähe gebraucht, zum Beispiel wollte sie immer bei uns im Bett schlafen. Manchmal hat sie gesagt: „Mama, halt mich ganz fest.“ Ich fand es sehr wichtig, ihr das Gefühl zu geben, dass sie mit ihren Schmerzen nicht allein ist. Ablenkung war ganz wichtig: nicht so viele Reize über die Ohren, sondern eher Bücher anschauen, gemeinsam singen, malen und puzzeln. Oder einfach nach draußen gehen. Als sie fieberfrei war, haben wir sie warm eingepackt und sind ein bisschen mit ihr rausgegangen, wenn auch nur kurz. Wir wollten ihr das Gefühl geben, dass sie nicht in der Wohnung quasi eingesperrt ist, sondern dass sie wieder gesund werden wird. Diese Zuversicht zu vermitteln, war sehr wichtig für mich.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

Schlagwörter: H65, H66, H68, H69, Immunsystem und Infektionen, Kind und Familie, Mittelohrentzündung